Nachrichten

Silikon in Bellos Hodensack: Schönheitsindustrie für Haustiere in den USA

Millionen Menschen legen sich in den USA jedes Jahr unters Messer, um ihrem Schönheitsideal ein bisschen näherzukommen. Wie in wohl keinem anderen Land gehören hier aufgespritzte Lippen, zurechtgerückte Nasen oder flottgemachte Brüste quer durch alle Gesellschaftsschichten zur Normalität. Mittlerweile greift der Schönheitswahn auch auf das Tierreich über.

Von Sebastian Smith

New York (afp) – Millionen Menschen legen sich in den USA jedes Jahr unters Messer, um ihrem Schönheitsideal ein bisschen näherzukommen. Wie in wohl keinem anderen Land gehören hier aufgespritzte Lippen, zurechtgerückte Nasen oder flottgemachte Brüste quer durch alle Gesellschaftsschichten zur Normalität. Mittlerweile greift der Schönheitswahn auch auf das Tierreich über. Hundeliebhaber können ihre Vierbeiner mit chirurgischen Eingriffen aufdonnern. Besonders beliebt sind Silikon-Hoden, die kastrierten Rüden den Anschein der Männlichkeit zurückgeben.

„Wenn mir jemand vor 20 Jahren erzählt hätte, ich würde einmal Hunde-Hoden verkaufen, dann hätte ich ihm gesagt, er habe einen an der Waffel“, sagt Gregg Miller, Gründer des Unternehmens Neuticles in Kansas City. Sein Firmenname setzt sich aus den englischen Wörtern für „kastriert“ (neutered) und „Hoden“ (testicles) zusammen. Neuticles ist Weltmarktführer im Bereich der künstlichen Kronjuwelen für Tiere.

Wie Brustimplantate für Frauen werden Millers Produkte aus Silikon geformt. Die kleinste Variante verkauft Neuticles bereits für 119 Dollar (rund 95 Euro), für XXL-Prachtexemplare mit Nebenhoden müssen schönheitsbewusste Herrchen und Frauchen dagegen 599 Dollar hinblättern. Insgesamt habe er im vergangenen Jahr mehr als 500.000 Paar verkauft, sagt Miller. Neben Hunden habe sein Unternehmen auch Katern, Wallachen und sogar Wasserbüffeln zu neuer männlicher Strahlkraft verholfen.

Miller kam Anfang der 90er Jahre auf seine Geschäftsidee. Damals habe sein Hund Buck den „Post-Kastrierungs-Blues“ gehabt, erzählt er. Die Tiere hätten ein feines Gespür dafür, dass ihnen ein wichtiges Körperteil abhandengekommen sei. „Mit Neuticles merken sie nicht, dass da was weg ist“, sagt Miller.

Die Silikon-Hoden werden in der Regel direkt bei der Kastrierung gegen die echten Weichteile ausgetauscht, wie Tierärztin Flavia DelMastro aus dem Bundesstaat Maryland erklärt. „Ich habe es bei meinen eigenen beiden Hunden gemacht, und ich denke, es ist wunderbar.“ Für die Hunde seien künstliche Hoden angenehm, weil sie das fehlende Gewicht der Originale ersetzen würden. „Vor allem bei großen Hunden ist das wichtig, denn wenn man deren Hoden herausnimmt, bleibt ja ein großer Sack“, sagte DelMastro.

Kein Wunder, dass auch Hollywood-Sternchen Neuticles als Möglichkeit entdeckt haben, um ihren vierbeinigen Accessoires die Genitalpartie aufzupolieren. Unter den prominenten Kunden befindet sich US-Medien zufolge auch Reality-TV-Sirene Kim Kardashian, die sich selbst regelmäßig von Schönheitschirurgen an ihrem Körper herumschrauben lassen soll. Kardashians Bulldogge Rocky, so heißt es, hat nun Silikon im Hodensack.

Kritiker halten die künstliche Verschönerung der Tiere für übertrieben. Der Trend sei „lächerlich“, sagt Tazi Phillips von der Tierschutzorganisation GlobalAnimal.org. Sie berichtet von Implantaten, um schlappe Hundeohren steif zu halten, von der Verkürzung von Hundeschwänzen, von Zahn-Operationen bei Haustieren. Ihr seien sogar Fälle bekannt, in denen Herrchen und Frauchen ihren Tieren das Fett absaugen lassen hätten.

Nach Schätzungen des US-Haustierverbandes American Pet Products Association werden die Menschen in den USA in diesem Jahr fast 53 Milliarden Dollar für ihre Tiere ausgeben. Der Großteil der Summe gehe für Futter drauf, aber immerhin 4,11 Milliarden Dollar würden mittlerweile für den Beauty-Bereich veranschlagt – Tendenz steigend.

Der New Yorker Parlamentarierin Nicole Malliotakis geht das alles zu weit. Sie hat ein Gesetz eingebracht, das in ihrem Bundesstaat Schönheitsoperationen für Tiere einen Riegel vorschieben soll. Die Besitzerin von zwei Chihuahuas sieht darin „eine Form der Tierquälerei“.