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Gemeinsam für nachhaltigen Kakaoanbau

„Als weltweit zweitgrößter Verarbeiter von Rohkakao und Kakaohalbfertigprodukten hat Deutschland eine besondere Verantwortung, sich für nachhaltige Produktionsstandards einzusetzen“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gestern auf dem Gründungstreffen des „Forums Nachhaltiger Kakao“ in Berlin. Mit der Gründung des Forums sollen die vielen Einzelprojekte miteinander vernetzt werden.

Berlin (csr-news) > „Als weltweit zweitgrößter Verarbeiter von Rohkakao und Kakaohalbfertigprodukten hat Deutschland eine besondere Verantwortung, sich für nachhaltige Produktionsstandards einzusetzen“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gestern auf dem Gründungstreffen des „Forums Nachhaltiger Kakao“ in Berlin. Mit der Gründung des Forums sollen die vielen Einzelprojekte miteinander vernetzt werden.

Ziel der Initiative ist es, den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in Zusammenarbeit mit den Partnerländern deutlich zu erhöhen. Dazu hat die Bundesregierung, namentlich das BMELV und das BMZ alle relevanten Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Entwicklungszusammenarbeit an einen Tisch geholt. Ein Sekretariat bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wird die Aktivitäten des Forums koordinieren und die Akteure in Deutschland mit denen der Produzentenländer – vor allem Côte d’Ivoire und Ghana – und mit anderen internationalen Stellen vernetzen. Finanziert wird das Forum von der Bundesregierung und der Deutschen Industrie, die vor allem durch den Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) und dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) vertreten sind. „Die deutsche Süßwarenindustrie nimmt ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst. Wir sehen uns in einer Mitverantwortung für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Kakaobauern und wollen zugleich die Produktion von nachhaltig erzeugtem Kakao deutlich erhöhen“, erläutert Dr. Dietmar Kendziur, Vorsitzender des BDSI. „Um diese Ziele erreichen zu können, müssen alle, die an der Herstellung und Vermarktung von Kakao beteiligt sind, die Kräfte bündeln. Für den BDSI ist dabei besonders wichtig, dass das „Forum Nachhaltiger Kakao“ auch kleinen und mittelständischen Unternehmen der Süßwarenindustrie die Möglichkeit bietet, sich durch Mitarbeit für einen nachhaltigen Kakaoanbau zu engagieren.“ BVL-Geschäftsführer Franz-Martin Rausch will mit seiner Teilnahme vor allem das „Engagement für mehr Nachhaltigkeit im Kakaoanbau“ seiner Mitglieder unterstreichen. Der BVL vertritt in dieser Hinsicht Handelsunternehmen wie REWE, Lidl und real. Die Nichtregierungsorganisation Südwind begrüßte ausdrücklich die Gründung des Forums und fordert vor allem schnelles handeln. Friedel Hütz-Adams, Kakaoexperte bei Südwind: „Es ist zu hoffen, dass das Forum ergebnisorientiert arbeitet und binnen kurzer Zeit einen Rahmen dafür festlegt, dass die deutsche Industrie Verbesserungen in den Anbaugebieten umsetzt. Angesichts der gravierenden Missstände in den Anbauländern muss schnell gehandelt werden“.

Nach Angaben des BDSI wurden im vergangenen Jahr von mehr als 5 Millionen Bauern über 4 Millionen Tonnen Rohkakao erzeugt. Mit einem Anteil von mehr als zehn Prozent der Welternte gehört Deutschland zu den wichtigsten Abnehmern. Der größte Teil des hier importierten Kakaos kommt aus Westafrika. Gerade in diesen Ländern sind die Arbeitsbedingungen für die Bauern besonders schlecht. Wie das Südwind-Institut mitteilt, hat die Armut der Bauern dazu geführt, dass aktuellen Studien zufolge, allein in Ghana und der Elfenbeinküste jeweils mehr als 250.000 Kinder auf den Plantagen arbeiten. Als Grund für die schlechten Bedingungen nennt Südwind den niedrigen und extrem schwankenden Kakaopreis – inflationsbereinigt ist dieser heute halb so hoch wie im Jahr 1950. „Eine große Herausforderung für die Arbeit des Forums wird daher darin bestehen, eine Debatte über den Preis von Kakao zu führen“. Allerdings warten noch weitere Aufgaben, die Herausforderungen beim Kakaoanbau vor Ort sind vielfältig. Sie reichen von überalterten Baumbeständen, fehlenden Kenntnissen über professionelle Anbaumethoden, schlechter Infrastruktur, mangelhaftem Bildungs- und Finanzwesen, teils missbräuchlicher Kinderarbeit bis hin zu politischer Instabilität in den Kakaoanbauregionen. Der BDSI hat seinen Mitgliedern im März 2012 deshalb in seiner Nachhaltigkeitserklärung empfohlen, den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren in den kommenden Jahren signifikant zu erhöhen. Die Zielvorstellung der Nachhaltigkeitserklärung des BDSI ist ehrgeizig. Für die Gesamtbranche soll im Jahr 2020 ein Anteil von 50 % nachhaltig erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren erreicht werden, bis 2025 eine weitere Erhöhung auf 70 %.

Erst vor wenigen Tagen hat der Lebensmittelproduzent Griesson-de Beukelaer erklärt, ab Juli dieses Jahres für seinen Markenprodukte nur noch Kakao aus nachhaltigem Anbau zu verwenden. „Für alle Produkte von Griesson (unter anderem Soft Cake), Prinzen Rolle, DeBeukelaer (Rondino) und Tekrum bezieht GdB ab Juli 2012 ausschließlich Kakao, der zu 100 Prozent UTZ Certified ist“, teilte das Unternehmen mit. Geschäftsführer Lars Wagener: „Als international operierendes Familienunternehmen nehmen wir unsere soziale und ökologische Verantwortung sehr ernst und wollen in der Süßwarenbranche Maßstäbe setzen. Daher haben wir uns zu diesem weitreichenden Schritt entschlossen“.

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