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Kampf gegen die Kalorienbombe: In New York tobt ein „Limonadenkrieg“

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hat XXL-Softdrinks den Kampf angesagt: Im Kampf gegen das Übergewicht will er den Verkauf von zuckerhaltigen Limonaden wie etwa Cola auf Halbliter-Größen begrenzen. Seit seinem Vorstoß Ende Mai gibt es in der US-Metropole eine hitzige Debatte – Gegner und Befürworter der Maßnahme liefern sich einen regelrechten „Limonadenkrieg“.

Von Brigitte Dusseau

New York (afp) – New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hat XXL-Softdrinks den Kampf angesagt: Im Kampf gegen das Übergewicht will er den Verkauf von zuckerhaltigen Limonaden wie etwa Cola auf Halbliter-Größen begrenzen. Seit seinem Vorstoß Ende Mai gibt es in der US-Metropole eine hitzige Debatte – Gegner und Befürworter der Maßnahme liefern sich einen regelrechten „Limonadenkrieg“.

Erst vor wenigen Tagen schaltete die Stadtverwaltung eine ganzseitige Anzeige in dem Gratisblatt „Metro“: Ein XXL-Becher mit fast einem Liter (0,94 Liter) Inhalt, wie er in Fast-Food-Restaurants üblich ist, steht da neben einem Haufen Zucker. „Ihr Kind hat gerade 26 Päckchen Zucker gegessen“, warnt der Text und betont, dass „zuckerhaltige Drinks Fettleibigkeit verursachen, Diabetes Typ 2 und Herzkrankheiten“.

Im gleichen Blatt verurteilt dagegen ein „Offener Brief an den Bürgermeister“, bezahlt von einem Soda-Maschinen-Hersteller, die drohenden Regelungen. „New York braucht diese Gesetze nicht. Lasst die Leute entscheiden“, fordert die Firma. Andere beschweren sich über die angebliche Tendenz zur Bevormundung und warnen vor einem „Nanny-Staat“. Das von der Industrie finanzierte Center for Consumer Freedom bezeichnet Bloomberg als „Super-Nanny“, Coca Cola nennt sein Vorgehen gegen die übergroßen Drinks willkürlich, McDonalds spricht von einem „verfehlten Verbot“.

Dem Bürgermeister, dessen Amtsperiode Ende 2013 ausläuft, wird von den Gegnern zudem Heuchelei vorgeworfen, weil er Rauchen und den übermäßigen Genuss der Zuckergetränke bekämpft, aber Wettessen wie die alljährliche „Hotdog Competition“ auf Coney Island unterstützt.

In einer Umfrage des New Yorker Fernsehsenders NY1 lehnten 53 Prozent der Befragten das Verbot der XXL-Drinks ab, während es 42 Prozent begrüßten. Mehr als die Hälfte ist der Ansicht, eine solche Maßnahme könne im Kampf gegen die Fettleibigkeit nichts ausrichten. In einem Leitartikel schrieb die „New York Times“, es sei „ein Verbot zu viel“: „Zwar ist es wichtig, einen gesunden Lebensstil zu propagieren, doch bei zu viel Bevormundung könnten die Leute einfach abschalten.“

Auch Bloomberg kämpft für seine Position. Inzwischen veröffentlichte sein Büro Erklärungen von 50 prominenten Befürwortern des XXL-Verbots. „Der Konsum von zuckerhaltigen Getränken ist ein Schlüsselfaktor der um sich greifenden Fettleibigkeit in den USA und in New York. Und es ist eine Epidemie. Fast 60 Prozent der erwachsenen New Yorker und 40 Prozent unserer Kinder sind übergewichtig oder fettleibig“, betont Bloomberg. „Jedes Jahr sterben daran schätzungsweise 5800 New Yorker.“

Für Bloomberg spricht, dass das XXL-Verbot nicht von der Stadtverwaltung abgesegnet werden muss. Es könnte also im Frühjahr 2013 in Kraft treten. Dann dürften Softdrinks nur noch maximal in 0,47-Liter-Bechern ausgeschenkt werden. Damit enthielten sie zwar immer noch mehr als eine Dose, aber nur die Hälfte dessen, was die eimerartigen Becher beispielsweise bei Fastfood-Ketten, in Kinos und Stadien fassen. Verstöße könnten mit umgerechnet 158 Euro geahndet werden.

Nicht betroffen wären nach derzeitigen Planungen die Light-Versionen von Softdrinks, Frucht- und Milchgetränke oder Alkoholika. Zudem könnten die New Yorker in Supermärkten und kleineren Lebensmittelläden noch immer die XXL-Kalorienbomben kaufen – sie sind oft sogar billiger als Wasser.

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