Nachrichten

Vom Pfarrergespräch geläuterter Gier-Banker: Gerhard Gribkowsky bringt Formel 1 in Bedrängnis

Lächeln beim Prozessauftakt, lächeln bei der Zeugenaussage von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone: Sechs Monate hat Gerhard Gribkowsky die Fassade des selbstsicheren, von seiner Unschuld überzeugten Managers gezeigt. Doch am Mittwoch bricht die Fassade zusammen. Der 54-Jährige bricht sein Schweigen – ein Pfarrer soll ihm beim Sinneswandel geholfen haben.

Von Ralf Isermann

München (afp) – Lächeln beim Prozessauftakt, lächeln bei der Zeugenaussage von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone: Sechs Monate hat Gerhard Gribkowsky die Fassade des selbstsicheren, von seiner Unschuld überzeugten Managers gezeigt. Doch am Mittwoch bricht die Fassade zusammen. Blass kehrt Gribkowsky auf die Anklagebank zurück, nachdem ihm das Gericht in einem Hinterzimmer klar gemacht hat, dass ihn auch ein spätes Geständnis nicht vor einer langen Haftstrafe verschonen wird. Der 54-Jährige bricht dennoch sein Schweigen – ein Pfarrer soll ihm beim Sinneswandel geholfen haben.

Gribkowsky war bei der Bayerischen Landesbank Risikovorstand, als diese nach der Kirch-Pleite als Gläubigerbank dessen Anteile an der Formel 1 erhielt. Sein Job war es daraufhin, die Anteile möglichst bald wieder zu verkaufen, was ihm mit einem Verkaufspreis von 839 Millionen US-Dollar deutlich besser gelang als in der Branche erwartet. Das Problem: Gribkowsky ließ sich dafür von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ein Schmiergeld von 44 Millionen US-Dollar zahlen, das der Banker nicht versteuerte. So steht es in der Anklageschrift – und so war es auch, wie Gribkowsky nun spät gesteht.

Warum nun erst am Prozessende ein Geständnis, wo es ihm zu Beginn des seit acht Monaten laufenden Verfahrens deutlich mehr genutzt hätte? Nun steht laut Richter Peter Noll ein deftiges Strafmaß von sieben Jahren und zehn Monaten bis neun Jahren im Raum – ein frühes Geständnis hätte Gribkowsky das ein oder andere Jahr hinter Gittern erspart.

Der Banker, der das Geld in Österreich parkte und es in eine Stiftung fließen ließ, begründete seine späte Einsicht mit einem inneren Umkehrprozess. Er habe die letzten eineinhalb Jahre im Münchner Gefängnis Stadelheim „sehr, sehr intensiv“ mit einem evangelischen Pfarrer zusammen gearbeitet, „teilweise, zwei, drei Mal die Woche“. Die Aufarbeitung sei ein nach wie vor „mühsamer, anstrengender Prozess, der wehtut“.

Gribkowskys Umkehr dürfte nicht nur diesem, sondern womöglich auch Formel-1-Boss Ecclestone und damit der ganzen Rennserie weh tun. Denn das Geständnis des BayernLB-Mannes fiel so detailreich aus, dass es reichlich Futter für die in München laufenden Ermittlungen gegen Ecclestone lieferte. Diese lauten auf Bestechung, wofür ebenfalls eine Haftstrafe droht.

Das Prinzip des auch durch seinen kleinen Körperwuchs bekannten Ecclestone beschrieb Gribkowsky mit den Worten, „der kleine Mann hat bei mir einen Knopf gedrückt.“ Der Knopf war die Gier nach Anerkennung und nach Geld – nach den Schilderungen Gribkowskys verstand und versteht Ecclestone es grandios, beide Bedürfnisse zu bedienen.

Es sei üblich, dass bei Geschäften in der Formel 1 zehn Millionen US-Dollar mal eben so fließen. Als es darum ging, welche Provision er für den Verkauf der BayernLB-Anteile erhalten sollte, habe er zwar 50 Millionen gefordert, aber mit den üblichen zehn Millionen gerechnet. Als am Ende satte 44 Millionen US-Dollar bei ihm ankamen, sei er erstaunt gewesen.

Gribkowsky beschrieb die weltweit beliebte Rennserie als eine Sportart, bei der Ecclestone wie eine Spinne die Fäden zieht. Von einer Milliarde Umsatz kämen nur 300 Millionen bei den Rennställen an. Der Rest lande irgendwo anders. Wo, lässt sich nach Gribkowskys Schilderungen ohne Weiteres ahnen: Bei Ecclestone, den er als „Vermieter“ der Formel 1 bezeichnete.

„Die Formel 1 ist eine Summe von Verträgen, zwei Aktenschränke voll, mit unterschiedlichen Beteiligten. Sie kommen an gar nichts ran, wenn er nicht will.“ So habe der Brite auch offen gedroht, die BayernLB mit ein paar Vertragsänderungen auszubooten und so deren Anteile quasi im Handstreich wertlos zu machen.

Gribkowsky glaubt, dass sein Geständnis nun „grandiose Weiterungen“ für die Formel 1 hat und sich ganz unmittelbar bei dem von Ecclestone geplanten Börsengang bemerkbar machen werde. „Den können sie meiner Meinung nach absagen.“ Wie es für ihn selbst weitergeht, wird Gribkowsky wohl kommenden Mittwoch erfahren – dann könnte das Urteil fallen.

Über den Autor

CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

Hinterlassen Sie einen Kommentar