Nachrichten

Tiere auf Schlachthöfen müssen häufig unnötig leiden

Tiere müssen in Folge des hohen Arbeitsdrucks auf deutschen Schlachthöfen häufig unnötig leiden. Beim Schlachten von Schweinen etwa gebe es Fehlerquoten beim Betäuben von bis zu 12,5 Prozent. Tierschützer forderten verbesserte Verfahren, Arbeitnehmervertreter weniger Arbeitsbelastung und bessere Ausbildung.

Berlin (afp) – Tiere müssen in Folge des hohen Arbeitsdrucks auf deutschen Schlachthöfen häufig unnötig leiden. Beim Schlachten von Schweinen etwa gebe es Fehlerquoten beim Betäuben von bis zu 12,5 Prozent, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Tierschützer forderten verbesserte Verfahren, Arbeitnehmervertreter weniger Arbeitsbelastung und bessere Ausbildung.

Die Fehlerquote bei elektrischer Betäubung der Schweine von Hand liege zwischen 10,9 und 12,5 Prozent, heißt in der der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Selbst in automatischen Anlagen betrage sie noch 3,3 Prozent. Bei Rindern liege die Rate zwischen vier und teils über neun Prozent.

Folge von Fehlbetäubungen ist nach Angaben von Tierschützern, dass Tiere teils noch wahrnehmen, wenn ihnen mit Messerstichen Blutgefäße zum sogenannten Entbluten geöffnet werden. Zeitdruck erhöht zudem das Risiko, dass Messerstiche nicht sachgerecht ausgeführt werden und Tiere nicht schnell genug ausbluten. Dann erleben Tiere womöglich noch weitere Arbeitsschritte teils bei Bewusstsein wie die sogenannte Brühung – wenn also mit heißem Wasser das Ablösen der Haare oder Federn vorbereitet wird.

Grünen-Politikerin Höhn führte die Fehlerquote auf die Akkordarbeit auf Schlachthöfen zurück. Laut Bundesregierung durchlaufen bis zu 750 Schweine pro Stunde die Betäubungsanlagen. Damit blieben fünf Sekunden pro Tier. Bei Rindern seien es 80 Tiere pro Stunde, womit rund 45 Sekunden für die Tötung je Tier blieben.

Höhn kritisierte, die Bundesregierung verweigere sich, die „Zusammenhänge zwischen den Arbeitsbedingungen und dem mangelnden Tierschutz beim Schlachten anzuerkennen“. Zudem sei keines der bislang angewandten Kontrollsysteme zur tierschutzgerechten Betäubung und Entblutung zuverlässig.

Der Kritik schloss sich der Deutsche Tierschutzbund an. „Es gibt derzeit kein optimales Verfahren“, sagte Frigga Wirths, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft an der Akademie für Tierschutz des Tierschutzsbundes. Die gängigen Methoden seien „alle mit Nachteilen behaftet“. Bei der Kohlendioxid-Betäubung etwa müssten Tiere einen längeren Panikzustand durchleben, elektrische Wasserbäder seien „extrem fehleranfällig“, Bolzen-Schussanlangen träfen nicht immer sicher. In Geflügel-Schlachtstraßen rutschten Tiere vor dem Entbluten immer wieder an den Messern vorbei.

Die Tierschutzorgansiation Peta forderte eine grundlegende Reform der Schlachtindustrie. Schlachtanlagen müssten gewährleisten, „dass die zu tötenden Tiere keinen Sicht-, Geruchs- und Hörkontakt zu den noch wartenden Tieren haben“, erklärte Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater. Zudem müssten die Technik auf neuestem Stand und das Personal richtig ausgebildet sein. Verstöße gegen den Tierschutz müssten zudem bestraft und nicht nur als Ordnungswidrigkeit behandelt werden. Entsprechende Reformen seien jedoch „unter den derzeitigen Bedingungen, auch unter dieser Bundesregierung, nicht möglich“.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisierte den hohen Anteil angelernter Beschäftigter auf Schlachthöhen, die häufig als eine Art Leiharbeiter aus Mittel- und Osteuropa kommen. Arbeitsdruck und geringe Qualifikation: beim Leid der Tiere auf den Schlachthöfen „spielt das alles zusammen“, sagte Bernd Maiweg, Referatsleiter Fleisch in der NGG-Hauptverwaltung.