Nachrichten

UN-Nachhaltigkeitsgipfel stößt überwiegend auf Kritik

Der UN-Nachhaltigkeitsgipfel Rio+20 ist nach den dreitägigen Beratungen überwiegend kritisch bewertet worden. Der Gipfel sei von den Interessen der einzelnen Staaten geprägt gewesen, kritisierten Beobachter zum Abschluss der Gespräche. Die Vertreter der rund 190 Teilnehmerstaaten verabschiedeten einstimmig die 53-seitige Abschlusserklärung.

Rio de Janeiro (afp) – Der UN-Nachhaltigkeitsgipfel Rio+20 ist nach den dreitägigen Beratungen überwiegend kritisch bewertet worden. Der Gipfel sei von den Interessen der einzelnen Staaten geprägt gewesen, kritisierten Beobachter zum Abschluss der Gespräche am Freitag (Ortszeit). Die Vertreter der rund 190 Teilnehmerstaaten verabschiedeten zum Ende des Gipfels einstimmig die 53-seitige Abschlusserklärung.

Die bereits im Vorfeld ausgehandelte Abschlusserklärung war während des Gipfels heftig umstritten gewesen. Das weitgehend unverbindlich formulierte Abkommen mit dem Titel „Die Zukunft, die wir wollen“ enthält ein Bekenntnis zu einer „grünen Wirtschaft“ sowie Vorschläge für den Kampf gegen Armut, Klimaerwärmung, Wüstenbildung und andere Probleme der Erde.

Die in dem Papier formulierten Ziele für ein nachhaltiges Wirtschaften sollen auch die UN-Millenniumsziele fortschreiben, wenn diese im Jahr 2015 auslaufen. Allerdings müssen die konkreten Ziele noch von einer Arbeitsgruppe ausgearbeitet werden.

Beobachter erklärten, das System der Vereinten Nationen sei nicht in der Lage, den Herausforderungen des Klimawandels und der Notwendigkeit des Schutzes des Planeten gerecht zu werden. „Es ist eine Demonstration politischen Unvermögens, einer Lähmung des Systems“, erklärte Laurence Tubiana von der französischen Denkfabrik IDDRI. Jeffrey Sachs vom Earth Institute der New Yorker Columbia University erklärte, die Menschheit könne sich nicht auf Politiker und Diplomaten verlassen, die Herausforderungen zu bewältigen.

Vor allem bei Umweltorganisationen stießen die Ergebnisse auf scharfe Kritik. Der Gipfel sei ein „Scheitern von epischen Ausmaßen“, erklärte der Direktor der Umweltorganisation Greenpeace, Kumi Naidoo. „Die einzigen, die heute in Rio tanzen, werden diejenigen sein, die weiterhin von einem kaputten Wirtschaftsmodell profitieren, das Profit höher als Menschen und den Planeten bewertet“, erklärte Asad Rehman von Friends of the Earth. „Der multilaterale Prozess liefert nicht das dringend notwendige Handeln, das wir brauchen“, hieß es vom WWF.

Die EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard räumte ein, dass die Ergebnisse „für den normalen Bürger nicht sehr vielversprechend klingen“. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach dagegen von einem „sehr guten Dokument“. Damit gebe es eine „solide Basis für soziales, wirtschaftliches und ökologisches Wohl“. Jetzt komme es darauf an, auf den Vereinbarungen aufzubauen. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, die Abschlusserklärung sei ein „echter Fortschritt für nachhaltige Entwicklung“.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff nannte die Abschlusserklärung einen „Startpunkt“ in Richtung nachhaltiger Entwicklung. „Ausgehend von diesem Dokument kommen die Nationen voran“, sagte sie kurz vor der Abschlusszeremonie des Gipfels.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hatte die Einigung von Rio zuvor als „Arbeitsauftrag“ bezeichnet. Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte, Rio+20 sei „wie schon zu befürchten war, zum Gipfel der schreienden, lauten, unambitionierten Unverbindlichkeit“ geworden.

Vor 20 Jahren fand in Rio erstmals die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) statt. Der diesjährige Gipfel war als einmalige Chance zur Überwindung eines Wirtschaftsmodells bezeichnet worden, das eine Milliarde Menschen in Armut leben lässt und die Umwelt gefährdet.

Das Abschlussdokument (Englisch) zum Download als PDF