Nachrichten

Rio+20: Europa nutzte seine wenigen Möglichkeiten schlecht

Als „mager“ bezeichnete die Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung und CSR-Direktorin der Deutschen Bank, Marlehn Thieme, die Ergebnisse des in der vergangenen Woche in Rio de Janeiro durchgeführten UN-Umweltgipfels Rio+20. „Die Möglichkeiten für uns Europäer in Rio waren nicht so groß. Und die, die wir hatten, haben wir nicht so gut vorbereitet und genutzt“, sagte Thieme am 25. Juni auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung in Berlin.

Berlin (csr-news) – Als „mager“ bezeichnete die Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung und CSR-Direktorin der Deutschen Bank, Marlehn Thieme, die Ergebnisse des in der vergangenen Woche in Rio de Janeiro durchgeführten UN-Umweltgipfels Rio+20. „Die Möglichkeiten für uns Europäer in Rio waren nicht so groß. Und die, die wir hatten, haben wir nicht so gut vorbereitet und genutzt“, sagte Thieme am 25. Juni auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung in Berlin. Die BRIC-Staaten seien selbstbewusst geworden und wollten sich von den westlichen Ländern keine Richtung diktieren lassen. Und „die Schwellenländer haben eine Vorreiterrolle übernommen, und zwar zu ihren Vorstellungen“, die in die falsche Richtung wiesen, so Thieme.

„Das Spielfeld ist gemacht“

Man müsse aber auch das Kleingedruckte der Rio+20-Abschlusserklärung lesen, das Engagement der Zivilgesellschaft ermögliche und auf die Grenzen des Regierungshandelns verweise. „Das Spielfeld ist gemacht“, so Thieme weiter, „jetzt müssen wir daraus das Beste machen.“ In Rio sei der Kreis derjenigen, die für Nachhaltigkeit verantwortlich sind, auf Stakeholdergruppen und die Wirtschaft erweitert worden. Die in Rio diskutierte Frage: „Wie integriert man die Wirtschaft?“ sei zwar kein Ziel, das Umweltverbände feiern könnten, zeige aber ein neues Denken in den Vereinten Nationen.

Reicht die Aufgabenbeschreibung?

Überwiegend positiv beurteilte der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) die Ergebnisse des Umweltgipfels. Dort seien die Städte als Akteure angemessen eingebunden worden. Über 50 Prozent der Weltbevölkerung lebe in Städten, 75 Prozent der Umweltprobleme seien dort verortet. „Nun sind die Städte sozusagen die Problemfelder, dort muss aber auch der Ort der Problemlösung liegen“, sagte Schuster. In der Abschlusserklärung von Rio+20 sah Schuster einen Fortschritt: „Es ist eine Beschreibung zu den dringlichsten Aufgaben unserer Welt.“ Das wollte der stellvertretende Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrates und Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Olaf Tschimpke, nicht gelten lassen. „Die Beschreibung der Herausforderungen und Aufgaben ist bereits 1992 passiert“, sagte Tschimpke. Die Lösung von Herausforderungen wie den Verlust der biologischen Vielfalt sei auf der Zeitschiene weiter nach hinten verlagert worden. Auf der Umweltkonferenz sei von den Regierungschefs nicht verhandelt worden. Brasilien habe als Verhandlungsführer vor der Konferenz „den Sack längst zugemacht“. Tschimpke weiter: „Die EU war nicht mehr in der Lage, eine Führungsrolle einzunehmen.“ Jetzt gelte es, zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft bessere Bündnisse zu schließen, um mehr Leuchttürme und mehr Dynamik zu schaffen.

Viel Pomp und wenig Ergebnisse

Deutliche Kritik an den Ergebnissen des Umweltgipfels äußerte der Verwaltungsratsvorsitzende der Puma SE, Jochen Zeitz. „Was da mit viel Pomp eingeflogen wurde, viele Exzellenzen, ist am Ende des Tages kein erquickendes Ergebnis“, sagte Zeitz. Nach 20 Jahren Rio-Prozess seien Aufgaben und Herausforderungen beschrieben, aber keine konkreten Schritte festgelegt worden.

Kulturelle Grundlagen stärken

Die Nachhaltigkeitsratsvorsitzende Marlehn Thieme kündigte auf der Jahrestagung an, dass sich der Rat in den kommenden Monaten mit den kulturellen Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung beschäftigen werde. „Keine Politik, keine Wirtschaft kann Nachhaltigkeit leben, wenn die Gesellschaft sie in ihren Werten nicht lebt“, sagte Thieme. Zur „kulturellen Achtsamkeit“ gehörten beispielsweise Respekt, Verantwortung, der bewusste Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Blick auf die eine Welt, so Thieme. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung besteht aus 15 Personen, die von der Bundeskanzlerin im Rahmen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie berufen wurde, um Nachhaltigkeit als öffentliches Anliegen zu stärken.

Foto: Die Ratsvorsitzende Marlehn Thieme