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Chemieindustrie: Treiber einer nachhaltigen Entwicklung?

Wer sein Handy länger nutzt, schont Ressourcen. Viele Deutsche sind bereit, diesen Beitrag zum sparsamen Umgang mit Rohstoffen zu leisten. Ergebnis einer Umfrage des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) im Vorfeld der Umweltkonferenz Rio+20. Welchen Beitrag die Chemieindustrie leisten kann, erläutert der VCI anhand von fünf Thesen.

Frankfurt (csr-news) > Wer sein Handy länger nutzt, schont Ressourcen. Viele Deutsche sind bereit, diesen Beitrag zum sparsamen Umgang mit Rohstoffen zu leisten. Ergebnis einer Umfrage des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) im Vorfeld der Umweltkonferenz Rio+20. Welchen Beitrag die Chemieindustrie leisten kann, erläutert der VCI anhand von fünf Thesen.

Vor allem die Megatrends der Zukunft, Ernährung, sauberes Wasser, Mobilität und Energie, sieht VCI-Geschäftsführer Dr. Utz Tillmann als entscheidende Grundlage für einen Nachhaltigkeitsbeitrag der Chemischen Industrie. Auf dem Branchentreffen, der ACHEMA 2012, sagte er: „Unsere Aufgabe ist es, Lösungen zu entwickeln, damit alle Menschen auf der Welt gleichermaßen an diesen Entwicklungen partizipieren können“. Dazu gehört beispielsweise eine Lebenszyklusbetrachtung von Produkten. Tillmann zum hohen Energieverbrauch der Branche: „Unsere Herstellungsprozesse sind zwar einerseits sehr energieintensiv, auf der anderen Seite aber helfen unsere Produkte über ihren Lebenszyklus Energie und Ressourcen einzusparen. Wenn man dieses Verhältnis betrachtet, liegt der Vorteil eindeutig aufseiten der Chemie. Unsere Produkte helfen mehr Energie und Ressourcen einzusparen, als für ihre Herstellung benötigt wird“. Zudem hat in der Chemieindustrie schon immer die Energieeffizienz, etwa aus Kostengründen, eine bedeutende Rolle gespielt. Demnach hat es die Chemieindustrie bereits geschafft, Energieeinsatz und Produktionsmenge voneinander zu entkoppeln. Auch zum Thema Wasserverbrauch verweist Tillmann auf den Gedanken der Kreislaufwirtschaft. „Auf diesem Wege können wir den Rohstoffeinsatz trotz steigender Bedürfnisse weiter senken“. Vor allem bei den Megatrends Mobilität und Energie kann die Chemieindustrie wichtige Beiträge leisten, angefangen von Speichertechnologien bis hin zu Materialinnovationen für leichtere Fahrzeuge oder Alternativen im Fahrzeugbau. Gleiches gilt laut Tillmann für den Bereich der erneuerbaren Energien, für deren Weiterentwicklung die Chemieindustrie von entscheidender Bedeutung ist. Insgesamt zählt Tillmann die Chemieindustrie zu den Gewinnern einer nachhaltigen Entwicklung, weil sie die entscheidenden Lösungen bietet.

Wie sich diese Beiträge in der Praxis darstellen, soll der erste Nachhaltigkeitsbericht des europäischen Dachverbands der Chemischen Industrie (Cefic) zeigen. Auf siebzig Seiten werden anhand von 17 Kennzahlen die Anstrengungen der Branche dokumentiert. „Der Nachhaltigkeitsbericht von Cefic zeigt, wie ernst die europäische Chemieindustrie nachhaltiges Wirtschaften nimmt“, so Tillmann. „Wohl keine andere Branche hat sich so konsequent und so geschlossen auf diesen Weg begeben, bei dem es darum geht, die Unternehmensstrategien an den ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen auszurichten“. Im Vorfeld der Rio-Konferenz hat auch der Internationale Chemieverband ICCA auf die bedeutende Rolle der chemischen Industrie für eine nachhaltige Entwicklung hingewiesen und seinen aktuellen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.

Allen Publikationen gemein ist die Tatsache, dass sich die Chemieindustrie als Vorreiterbranche einer nachhaltigen Entwicklung sieht. In der Tat lassen sich auch deutliche Fortschritte belegen, beispielsweise bei der Reduzierung klimaschädlicher Emissionen oder bei der Entkoppelung von Energie- und Ressourcenverbrauch bei gleichzeitig gestiegener Produktion. Aber es gibt auch kontroverse Themen, die längst nicht in den Mittelpunkt der Öffentlichkeitsarbeit gestellt werden. Dazu gehört beispielsweise die grüne Gentechnologie, die zumindest in Deutschland noch keine breite Akzeptanz findet. Gleiches gilt für das Thema Sicherheit. Das Vertrauen in die Branche hat sich zwar in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert, mit einer kritischen Grundhaltung gegenüber der Branche in ihrer Gesamtheit und ihren Produkten muss man aber leben. Transparenz ist die Antwort und da gehören zumindest die großen Unternehmen wieder zu den Vorreitern. Umfangreiche Nachhaltigkeitsberichte, die auch kritische Themen nicht aussparen, gehören bei den Flaggschiffen der Branche schon länger zum guten Ton. Schließlich haben alle ihre negativen Erfahrungen mit Umweltkatastrophen und Skandalen gemacht.

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