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CSR: Türöffner für Auslandsinvestitionen

Mit der Globalisierung engagieren sich auch Mittelständler immer mehr im Ausland. Nicht nur in Europa, sondern auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ein schwieriges Umfeld: Gesellschaftliches Engagement kann dabei ein Weg sein, die neue Umgebung besser kennen zu lernen. Die staatliche deutsche Entwicklungszusammenarbeit bietet Hilfestellung.

Von Charlotte Schmitz

Fremde Sprache, fremde Kultur, fremde Businesswelt: Wenn man die Verhältnisse in einem Entwicklungs- oder Schwellenland nicht kennt, kann das unternehmerische Engagement dort sehr schwer fallen. „Gerade ein Mittelständler hat nicht die Ressourcen, große Analysen durchzuführen. Und kaum jemand weiß, wie die Behörden funktionieren, wie man mit Gewerkschaften vor Ort redet“, sagt Jochen Weikert, Senior Manager Private Sector Cooperation der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Berlin. Gründe genug, sich auf erfahrene Partner zu stützen. Weikert gehört zu dem Team, das Privatunternehmen unter die Arme greift, wenn diese ihre Investition im Ausland mit CSR-Aktivitäten begleiten wollen.

Er weist auf Ansprechpartner vor Ort hin, etwa die deutschen Außenhandelskammern, die deutschen Botschaften, aber auch die Büros der deutschen Entwicklungszusammenarbeit selbst. Bisher in viele kleine Einheiten gespalten, wurden Anfang 2011 große staatliche Akteure der Entwicklungszusammenarbeit zur GIZ fusioniert. Diese unterhält in Eschborn und Berlin auch eine Einheit, die sich auf die Unterstützung der Privatwirtschaft bei CSR-Aktivitäten im Ausland spezialisiert hat.

CSR als Bindeglied

Durch den Fokus auf nachhaltigem Wirtschaften ist CSR ein optimales Bindeglied zwischen Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit. Dies zeigt auch das wachsende Interesse von Unternehmen an den Angeboten. Lange Zeit herrschten in den Kreisen der Entwicklungshilfe Vorbehalte gegenüber der Privatwirtschaft: Es war umstritten, ob private Investitionen einen Entwicklungsprozessanstoßen oder lediglich die Rohstoffe und Ressourcen der Länder ausbeuten. Doch die Globalisierung machte alle theoretischen Bedenken zunichte. Private Investitionen sind heute ein wichtiger Stützpfeiler von Entwicklung.

Annäherung gab es von beiden Seiten: Die Entwicklungszusammenarbeit hat erkannt, dass ihre eigenen, vergleichsweise bescheidenen Mittel im globalen Maßstab nur wenig bewirken können. Die Privatwirtschaft hat wahrgenommen, dass Investitionen in Unternehmen alleine nicht ausreichen, solange die Rahmenbedingungen in Entwicklungsländern unzureichend sind. Wenn etwa regelmäßig ein beträchtlicher Anteil der Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheint, weil sie an Malaria oder AIDS erkrankt sind, liegt es nahe, so genannte „workplace-Programme“ ins Leben zu rufen, also eine unternehmensweite Gesundheitsversorgung. Viele Unternehmen weiten ihr Engagement dann über den eigenen Betrieb hinaus aus und fördern Gesundheitsdienste oder Bildungseinrichtungen in den Gemeinden, in denen sie sich ansiedeln.

develoPPP.de

Ein konkreter Ansatzpunkt für Projekte ist das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aufgelegte Programm develoPPP.de, das von der GIZ, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG, einer Förderbank, und der sequa umgesetzt wird. Die sequa ist ihrerseits ein gemeinsames Projekt der Privatwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit.

develoPPP.de setzt so genannte Public Private Partnerships auf. Der private und der öffentliche Partner bündeln ihre finanziellen Mittel und Know-how: eine gute Basis also, um vor Ort aktiv zu werden. Vier Mal jährlich können Unternehmen ihre Ideen bei den Wettbewerben einreichen. Die Vorschläge werden gesammelt und ausgewertet, geeignete Projekte dann mit öffentlichen Mitteln unterstützt. Seit dem Start des Programms im Jahr 1999 bis heute wurden insgesamt 1.458 Maßnahmen gefördert.

Märkte erschließen

CSR-Projekte können ebenso der Markterschließung dienen. Im Kosovo etwa gestalteten sequa und das Bremer Unternehmen Waterman eine gemeinsame Entwicklungspartnerschaft, um organische Abfälle aus der Landwirtschaft sachgemäß zu entsorgen, damit diese nicht das Grundwasser verunreinigen. In einer Pilotanlage zeigte das Unternehmen, wie landwirtschaftliche Abfallprodukte zu Kompost verarbeitet werden können. Es entstanden zusätzliche Einnahmequellen für die örtlichen Landwirte. Gleichzeitig gelang Waterman der Markteintritt in den Kosovo, wo das Unternehmen heute eine Niederlassung besitzt. Die Erfahrungen aus dem Projekt fließen in Vorschläge für eine künftige Gesetzgebung ein. Auf diesem Wege leistet die Entwicklungspartnerschaft zugleich einen Beitrag zur Einführung europäischer Standards in der Abfallverwertung des Kosovo.

Die Entwicklungszusammenarbeit unterstützt außerdem Projekte, die Lieferketten optimieren. Dies dient sowohl der Wirtschaft der Einsatzländer wie auch den ausländischen Investoren. Der Investor baut Beziehungen zu vertrauenswürdigen Lieferanten auf und bekommt Waren höchster Qualität. Die Lieferanten hingegen gewinnen einen Absatzmarkt und gewinnen an Know-how.

Vertrauenswürdige Lieferanten

Beispiele dafür sind Kooperationen im Kaffee-Markt. „Wir stellen Kontakt zu Kaffee-Kooperativen her, die der Importeur sonst nicht kennen lernen würde“, beschreibt Jochen Weikert die Vorteile. Typisch sei auch, dass ein Entwicklungsexperte als Berater etwa in einem Ministerium sitze, die Verwaltung also von innen kenne. „Wir sind am besten, wenn wir nicht von Geld reden, denn wir sind keine Förderbank“, so Weikert zur Bedeutung des Insider-Wissens der Entwicklungsfachleute.

Die Kooperation im Kaffeebereich führte zu einer Zusammenarbeit mit Tchibo. Das Handelsunternehmen erzielt längst mehr Umsatz mit Non-Food-Waren als mit Kaffee. Die GIZ unterstützte Tchibo darin, bei asiatischen Lieferanten Arbeits- und Sozialstandards effektiv durchzusetzen. Ein deutscher Experte bildete dafür 18 Trainer in Bangladesch, China und Thailand aus. Vertreter des Managements, Arbeiter und Einkäufer von Tchibo entwickelten mit den Trainern in 40 Betrieben einen Plan für soziale Veränderungen. Damit alle dieses Konzept nutzen können, steht das Netzwerk von Trainern auch anderen offen.