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Die letzte Schicht an der Saar: Nach mehr als 250 Jahren endet der Kohle-Bergbau im Saarland

Für die Bergleute an der Saar steht die letzte Schicht an: Am Samstag endet nach mehr als 250 Jahren im Saarland der Kohle-Bergbau, der das kleine Land im Westen Deutschlands ähnlich stark geprägt hat wie das Ruhrgebiet. In Erinnerung bleibt der Bergbau vielen Saarländer aber auch, weil dieser Erdbeben verursachte und Häuser beschädigte.

Von Carsten Hauptmeier

Frankfurt/Main (afp) – Für die Bergleute an der Saar steht die letzte Schicht an: Am Samstag endet nach mehr als 250 Jahren im Saarland der Kohle-Bergbau, der das kleine Land im Westen Deutschlands ähnlich stark geprägt hat wie das Ruhrgebiet. Mit einem großen Festakt will das Land am „Tag des Abschieds“ noch einmal an die jahrhundertelange Tradition erinnern. In Erinnerung bleibt der Bergbau vielen Saarländer aber auch, weil dieser Erdbeben verursachte und Häuser beschädigte. Unklar ist zudem, welche Altlasten künftig zu bewältigen sind und was aus den Bergbauflächen wird.

Kurz vor dem endgültigen Aus des Bergbaus richtet sich der Blick aber vor allem in die Vergangenheit. „Der Bergbau gab den Impuls für die Industrialisierung der Saar und war der Motor für den wirtschaftlichen Aufschwung unseres Landes“, sagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Doch der Bergbau habe dem Land nicht nur „ökonomisch seinen Stempel aufgedrückt.“ Er habe der Region „Stabilität und Identität“ gegeben. „Mit seinen Werten von Kameradschaft und Solidarität war er ein Vorbild für den Zusammenhalt der Menschen im Saarland“, zeigt sich die Regierungschefin überzeugt.

Landeswirtschaftsminister Heiko Maas (SPD) erinnert daran, dass der Bergbau die Geschichte des Saarlands entscheidend geprägt hat. „Ohne den Steinkohle-Bergbau würde das Saarland als politische Einheit überhaupt nicht existieren“, erklärt Maas. Erst durch diesen sei aus der politisch, kulturell und sprachlich unterschiedlichen „Saargegend“ das „Saarbrücker Kohlerevier“ und nach dem Ersten Weltkrieg das „Saargebiet“ geworden. „Die Fördertürme im Land sind die Leuchttürme unserer Geschichte“, sagt der SPD-Politiker.

Doch der Bergbau gab nicht nur Identität und Arbeit. Viele Saarländer litten auch unter den Folgen des Abbaus, wenn etwa Beben ihre Häuser erzittern ließen. Von 2001 bis 2008 habe es ungefähr tausend Beben gegeben, sagt der Sprecher des Landesverbandes der Bergbaubetroffenen, Peter Lehnert. In seinem vierstöckigen Haus gebe es Risse mit einer Gesamtlänge von 200 Metern. Das letzte große Beben mit der Stärke 4,0 im Februar 2008 besiegelte das endgültige Aus für den Bergbau. Danach beschlossen die Landesregierung und die Ruhrkohle AG (RAG) das Ende des Bergbaus im Jahr 2012.

Lehnert bestreitet nicht, dass der Bergbau „Verdienste“ für das Saarland habe. Doch es gebe auch Nachteile. Nun fürchtet er vor allem die Altlasten. Es gehe derzeit nur um „die Verherrlichung des Bergbaus“, aber nicht um die negativen Seiten.

Für die Bergleute an der Saar geht es um ihre Arbeit. Noch beschäftigt die RAG Deutsche Steinkohle im Saarland nach Angaben einer Unternehmenssprecherin 2000 Mitarbeiter, darunter 1200 im Bergwerk Saar. Ein Jahr werden demnach noch Beschäftigte gebraucht, um etwa Schächte zu verschließen. Schon jetzt arbeiten schon viele Saar-Bergleute in Nordrhein-Westfalen oder gehen in den kommenden Monaten dorthin. Insgesamt rund 1400 RAG-Mitarbeiter wechseln vor allem an den Standort Ibbenbüren. Doch auch dort ist das Ende schon absehbar: Im Jahr 2018 soll in Deutschland Schluss mit dem Steinkohle-Bergbau sein.

Für das hoch verschuldete Saarland stellt sich nun drängender denn je die Frage, wie die Zukunft des einstigen Kohle-Landes aussieht. Rund 2500 Hektar Bergbauflächen bleiben zurück, was etwa 3000 Fußballfeldern entspricht. Gedacht ist dort unter anderem an den Bau von Solaranlagen und Pumpspeicherkraftwerken. Am Samstag steht aber zunächst die Geschichte des Bergbaus im Vordergrund. Wirtschaftsminister Maas verspricht schon jetzt: „Dieses Erbe werden wir mit ganzem Herzen bewahren.“

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