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UN Global Compact: Wachsen – aber nicht um jeden Preis

Im Jahr 1999 brachte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan die Idee eines globalen Paktes zwischen Unternehmen und der UNO ein, der einer sozialen und ökologischen Ausgestaltung der Globalisierung dienen soll. Heute haben den seit 2000 bestehenden UN Global Compact etwa 8.000 Unternehmen und 3.400 zivilgesellschaftliche Organisationen unterzeichnet. Das Netzwerk hat etwas zu bieten und will wachsen – aber nicht um jeden Preis.

Berlin (csr-news) Im Jahr 1999 brachte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan die Idee eines globalen Paktes zwischen Unternehmen und der UNO ein, der einer sozialen und ökologischen Ausgestaltung der Globalisierung dienen soll. Heute haben den seit 2000 bestehenden UN Global Compact etwa 8.000 Unternehmen und 3.400 zivilgesellschaftliche Organisationen unterzeichnet. Sie verpflichten sich in ihrer Beitrittserklärung zur Einhaltung von zehn Prinzipien in den Bereichen Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Anti-Korruption. Um diesem Bekenntnis Verbindlichkeit zu verleihen, verpflichten sich die Unterzeichner zur jährlichen Vorlage eines Fortschrittsberichts. Der erste Bericht wird zwei Jahre nach dem Beitritt fällig, doch das hackt oftmals: Von den 217 Unternehmensmitgliedern aus Deutschland kommen derzeit 24 ihrer Berichtspflicht nicht nach.

Wie der Koordinator des Deutschen Global Compact Netzwerks, Jürgen Janßen, gegenüber CSR NEWS sagte, ist eine Mitgliedschaft für alle Unternehmen mit signifikantem Auslandsgeschäft interessant. Für multinationale Konzerne sei sie inzwischen selbstverständlich. Kleine und mittlere Unternehmen treten bei, um die UN-Entwicklungsziele zu unterstützen oder die eigene Nachhaltigkeitsagenda voranzubringen. Mitglieder – Unternehmen wie NGOs – profitieren von dem Materialangebot, Coaching und einem dreimal jährlich stattfindenden Arbeitstreffen. Janßen: „Strategisch will das Deutsche Global Compact-Netzwerk weiter wachsen, weil wir einiges zu bieten haben. Aber nicht um jeden Preis.“

CSR NEWS wird darüber berichten, wie sich dieses Selbstverpflichtungsnetzwerk entwickelt, wer hinzustößt, welche Fortschrittsmeldungen erscheinen, wer zu den Nicht-Berichterstattern gehört und warum diese Unternehmen zögern.

Bei einer ersten CSR NEWS-Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen wurde deutlich: Nicht jeder Geschäftsführer weiß, dass sich sein Unternehmen auf die zehn Prinzipien einer verantwortungsvollen Geschäftsführung verpflichtet hat. „Leider ist uns keine Mitgliedschaft am UN Global Compact bekannt“, lautete die Antwort eines Münchener Unternehmens, dessen Entsprechungserklärung auf der Website www.unglobalcompact.org zu finden ist. Das kommentierte Jürgen Janßen in einem Expertenforum von CSR NEWS gestern so: Die niedrige Einstiegsschwelle stoße „das Tor für Trittbrettfahrer weit auf, zumindest im ersten Jahr und bevor der erste Fortschrittsbericht fällig wird. Spätestens dann stellt sich für diese die Frage nach dem Aufwand – there is no free lunch – bzw. auch die nach der öffentlichen Wirkung, wenn Berichte veröffentlicht werden, die einem eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben müssten.“

Warum treten deutsche Unternehmen dem UN Global Compact bei? Lesen Sie hier einige Statements dazu:

„Über 90 Prozent aller Warenströme fließen über den Seeweg, somit sind Schiffe ein Sinnbild des globalisierten Handels. Damit die Globalisierung zu mehr Gerechtigkeit führt und allen Menschen weltweit zu Gute kommt, müssen Unternehmen wie wir auch jenseits ihrer nationalen Grenzen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.“ Albert Schumacher, CEO der E.R. Schiffahrt

„BASF ist Gründungsmitglied des UN Global Compact, des Global Compact LEAD sowie des deutschen Netzwerks. Dr. Kurt Bock, Vorstandsvorsitzender der BASF, ist Mitglied im Global Compact Board. Wir berichten jährlich in unserem integrierten Bericht, wie wir die Global Compact-Prinzipien umsetzen.“ Sonja Morweiser, Sprecherin der BASF SE.

„Die Geschäftsleitung wollte mit dem Beitritt zum UNGC im Januar 2010 eine klare Haltung zum Thema Nachhaltigkeit einnehmen. Seitdem kommunizieren wir dieses Besterben klar und offen gegenüber allen unseren Stakeholdern und hoffen durch unser Engagement Anregungen zur Nachahmung zu geben.“ Agnes Geiger, Information Works Unternehmensberatung & Informationssysteme GmbH

„Nachhaltigkeit ist ein zentrales Anliegen der Hess AG. Durch den Beitritt zu einem großen, globalen Netzwerk wird das Unternehmen durch den Dialog mit anderen Unterstützern des Global Compacts Impulse zur Verbesserung der eigenen Nachhaltigkeit erhalten, aber auch Ideengeber für andere sein. Der Austausch ist für alle eine Win-Win-Situation.“ Christiane Giel, Sustainability Officer der Hess AG.

„Nachhaltigkeit und CSR sind für Media Consulta nicht nur leere Worthülsen, sondern werden bei uns aktiv gelebt. So unterstützen wir einige Projekte (z.B. ‚Schulen in Afrika‘ oder ‚Reporter ohne Grenzen‘), denen die Prinzipien Menschenrechte, Arbeitsnorm und Umweltschutz des UN Global Compact zugrunde liegen. Die Bedeutung von CSR bei MC unterstreicht auch die Teilnahme von CEO Harald Zulauf an einer Konferenz zum Thema im Rahmen des Rio+20-Gipfels im Juni 2012.“ Kerstin Degener, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Media Consulta International Holding AG

„Als Teil der Gesellschaft Verantwortung übernehmen – das ist für die ADACOR selbstverständlich. Durch die Teilnahme am UN Global Compact können wir wichtige soziale, ökologische und ethische Werte sowie den Schutz der Menschenrechte optimal in unsere Unternehmensstrategie und –kultur einbinden.“ Andreas Bachmann, Geschäftsführer der Adacor Hosting GmbH

„Unternehmerisches Handeln sowie wirtschaftlicher und technischer Fortschritt sind eng verbunden mit gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung. Als Weltmarktführer im Maschinen- und Anlagenbau für die Getränkeindustrie ist sich Krones dieser Verpflichtung bewusst. Die Mitgliedschaft im UN Global Compact ist ein weiteres klares Bekenntnis von Krones zu diesen wirtschaftsethischen Themen.“ Kristina Ebenbeck, CSR Officer der Krones AG

„Seit 2006 vertritt NOBA Verbandmittel durch den Beitritt zum UN Global Compact die seit 1915 gelebte Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt auch öffentlich. Über einen direkten Dialog auch mit unseren Zulieferbetrieben entstehen so sichere Produkte für Patienten und eine verbesserte Situation für Arbeitnehmer und Umwelt.“ Anja Danz, Prokuristin der NOBA Verbandsmittel Danz GmbH & Co.KG

„Mit dem Beitritt zum Global Compact bekennen wir uns zu unserer Verantwortung als Familienunternehmen. Diese Selbstverpflichtung ist ein starkes Signal an unsere Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter, dass wir es in Sachen Nachhaltigkeit ernst meinen und unsere Rechenschaftspflicht nicht an den Werkstoren endet.“ Jens Wichtermann, Direktor Unternehmenskommunikation und Nachhaltigkeitsmanagement bei der Vaillant Group

„Gesellschaftliche Verantwortung und erfolgreiches Wirtschaften schließen sich nicht aus, im Gegenteil, sie zeichnen heutzutage zukunftsorientierte Unternehmen aus. Ein modernes Dienstleistungsunternehmen definiert sich nicht länger nur über seine perfekte Leistung, sondern auch über seine Unternehmensphilosophie.“ Markus Dornseif, Prokurist bei Dornseif e.Kfr.

„Die Technology Content Services GmbH (TCS) ist im Frühjahr dieses Jahres dem Global Compact, einer freiwilligen Wirtschaftsinitiative der Vereinten Nationen, beigetreten. Mit der Unterzeichnung durch den Geschäftsführer Thomas Krüger hat sich die TCS verpflichtet, sich für die globale Durchsetzung von Menschenrechten, Arbeitsschutz, Umweltschutz und Anti-Korruption einzusetzen. Um diese Verpflichtung und die damit verbundenen zehn Prinzipien zu leben, wird die Geschäftsleitung im ersten Schritt alle Mitarbeiter durch Trainings einstimmen und regelmäßig zu Entwicklungen informieren. Viel wichtiger und klar im Fokus steht jedoch, dass TCS sehr genau auf die Auswahl von Kooperations- und Vertragspartnern sowie Dienstleistungsunternehmen achtet, um zum einen für dieses politische Statement zu sensibilisieren und zum anderen alles dafür zu tun, um gegenläufige Strömungen zu unterbinden.“ Thomas Krüger, Geschäftsführer der TCS Technology Content Services GmbH

„Als ein führender Hersteller innovativer Lichtlösungen leisten wir mit nachhaltigen Produkten und Prozessen unseren Beitrag, um den Herausforderungen aus der zunehmenden Verstädterung oder auch dem Klimawandel effektiv zu begegnen. Der Beitritt zum UN Global Compact steht für unser Bekenntnis, weltweit sozial und umweltverträglich zu handeln.“ Dr. Constantin Birnstiel. Vice President Corporate Communications der OSRAM AG

„Mitglied im UN Global Compact – und weiß es nicht“: Lesen Sie dazu einen Kommentar von Jürgen Janßen, dem Koordinator des Deutschen Global Compact Netzwerks, in der XING-Gruppe CSR Professional. Sie finden den Beitrag auf der Startseite der Gruppe und im Forum Supply Chain.

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