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Gutachten bewertet Bluttest zu Down-Syndrom als rechtlich unzulässig

Gegner eines neuen Bluttests zur Diagnose des Down-Syndroms bei Embryos sehen sich durch ein Rechtsgutachten bestätigt. Nach dem Gutachten, das der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, vorstellte, widerspricht der Test dem Gendiagnostikgesetz. Hüppe warnte vor einer „Selektion von Menschen mit Down-Syndrom“, auch die Unionsfraktion kritisierte das Testverfahren.

Berlin (afp) – Gegner eines neuen Bluttests zur Diagnose des Down-Syndroms bei Embryos sehen sich durch ein Rechtsgutachten bestätigt. Nach dem Gutachten, das der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, am Donnerstag in Berlin vorstellte, widerspricht der Test dem Gendiagnostikgesetz. Hüppe warnte vor einer „Selektion von Menschen mit Down-Syndrom“, auch die Unionsfraktion kritisierte das Testverfahren.

Laut dem vom Bonner Juristen Klaus Ferdinand Gärditz erstellten Rechtsgutachten dient der Bluttest keinerlei medizinischen Zwecken. Damit sei er laut Gendiagnostikgesetz nicht zulässig, denn die dort zugelassenen vorgeburtlichen Untersuchungen dienten ausschließlich medizinischen Zwecken. Das Down-Syndrom aber sei „weder therapierbar, noch heilbar“. Bei dem sogenannten PraenaTest handele es sich zudem um nicht verkehrsfähiges Medizinprodukt, da es die Sicherheit und Gesundheit der Ungeborenen gezielt gefährde, geht ferner aus dem Gutachten hervor.

Hüppe bezeichnete den Test als „illegal“. Es gehe dabei „fast ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom“. Bereits heute werde in mehr als 90 Prozent aller Fälle abgetrieben, wenn ein Down-Syndrom beim Kind diagnostiziert wird. Es sei zu befürchten, dass „die Rasterfahndung nach Menschen mit Down-Syndrom noch verstärkt wird“, kritisierte der Behinderten-Beauftragte. Er forderte die zuständigen Landesbehörden auf, dafür zu sorgen, dass der Test nicht in Verkehr gebracht wird.

Auch die Vizevorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Ingrid Fischbach und Johannes Singhammer, wandten sich in scharfer Form gegen eine Anwendung des Tests. Der Bluttest ziele nicht auf therapeutische Maßnahmen, „sondern auf den Abbruch der Schwangerschaft“, erklärten sie in Berlin. Dieses „Aussortieren von Leben“ verstoße gegen die Menschenwürde.

Die Konstanzer Firma LifeCodexx will voraussichtlich noch im Juli den Test auf den Markt bringen, der das Down-Syndrom – auch Trisomie 21 genannt – schon in einer Blutprobe der Schwangeren erkennt und riskante Fruchtwasseruntersuchungen in vielen Fällen überflüssig machen soll. Im Blut von schwangeren Frauen finden sich Teile der Erbinformation des Embryos, die im Labor analysiert und auf Hinweise einer Chromosomenveränderung abgesucht werden. Beim Down-Syndrom liegt das Chromosom 21 drei statt zwei Mal vor. Der Test kann nach Unternehmensangaben die Trisomie „risikofrei“ und „zuverlässig“ erkennen.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery verteidigte hingegen den neuen Bluttest für Schwangere. „Unsere Gesellschaft hat sich für Pränatal-Diagnostik entschieden. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen“, sagte er der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Daher sei es besser, diesen Bluttest anzuwenden, als eine mit Risiken behaftete Fruchtwasseruntersuchung vorzunehmen.

Der Bluttest soll zunächst in rund 20 Praxen und Pränatalzentren in Deutschland angeboten werden und rund 1250 Euro kosten. Die Summe müssen die Frauen selbst zahlen. Der PraenaTest ist nach Unternehmensangaben für Frauen ab der zwölften Schwangerschaftswoche gedacht, bei denen ein erhöhtes Risiko für Chromosomenveränderungen beim Embryo besteht. Zudem müssen sich die Frauen gemäß Gendiagnostikgesetz von einem qualifizierten Arzt beraten lassen.

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