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Ermittlungsverfahren gegen France Télécom wegen Selbstmord-Serie

Mehr als drei Jahre nach einer Serie von Selbstmorden bei France Télécom ist ein Ermittlungsverfahren gegen den französischen Telekommunikationskonzern eingeleitet worden. France Télécom als juristische Person müsse sich wegen Mobbing-Vorwürfen verantworten, sagte eine Anwältin des Unternehmens am Freitag. Nach Ex-Konzern-Chef Didier Lombard wurden auch gegen zwei ehemalige Manager des Konzerns Ermittlungen eingeleitet.

Paris (afp) – Mehr als drei Jahre nach einer Serie von Selbstmorden bei France Télécom ist ein Ermittlungsverfahren gegen den französischen Telekommunikationskonzern eingeleitet worden. France Télécom als juristische Person müsse sich wegen Mobbing-Vorwürfen verantworten, sagte eine Anwältin des Unternehmens am Freitag. Nach Ex-Konzern-Chef Didier Lombard wurden auch gegen zwei ehemalige Manager des Konzerns Ermittlungen eingeleitet.

France-Télécom-Anwältin Claudia Chemarin begrüßte die Einleitung des Ermittlungsverfahrens gegen den Konzern. Damit könne sich das Unternehmen endlich gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen. „France Télécom bestreitet ein System geschaffen zu haben, das zum Ziel hatte, seine Angestellten leiden zu lassen“, sagte die Anwältin der Nachrichtenagentur AFP. Die Eröffnung des Verfahrens sei „erwartet und vorhersehbar“ gewesen.

Am Mittwoch waren bereits Ermittlungen gegen Didier Lombard eingeleitet worden, der von 2005 bis 2010 an der Spitze des Konzerns stand. Seit Donnerstag laufen Ermittlungen gegen die ehemalige Nummer zwei des Konzerns, Louis-Pierre Wenes, und den früheren Leiter der Personalabteilung, Olivier Barberot. Beide wurden gegen die Zahlung einer Kaution von 75.000 Euro auf freien Fuß gesetzt.

In den Jahren 2008 und 2009 hatten sich nach Angaben der Konzernleitung 35 Angestellte des Unternehmens das Leben genommen. Die Gewerkschaften machen dafür großen Stress und wachsenden Leistungsdruck auf die Belegschaft verantwortlich. Unter Lombard hatte der Konzern ein großangelegtes Umstrukturierungsprogramm beschlossen. Zwischen 2006 und 2008 wurden 22.000 Jobs gestrichen, rund 10.000 Bedienstete mussten ihren Arbeitsplatz wechseln.

Die zuständige Aufsichtsbehörde kritisierte 2010 in einem Bericht Managementmethoden, die „die körperliche und psychische Gesundheit“ angegriffen hätten. Besonders Beamte seien im Visier gewesen. In einem Beitrag für die Zeitung „Le Monde“ hatte Lombard die Anschuldigungen kürzlich zurückgewiesen. Die Umwälzungen in dem Unternehmen hätten die Beschäftigten möglicherweise verunsichert, schrieb er. Er weise aber „entschieden“ zurück, dass diese Veränderungen die Ursache für die „menschlichen Dramen“ bei France Télécom gewesen seien.

France Télécom ist eines der größten französischen Unternehmen. Der Konzern beschäftigt weltweit 171.000 Angestellte, davon 105.000 in Frankreich.

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