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1.500 Stellungnahmen zu neuen Strom-Autobahnen

Berlin (afp) – Über 1.500 Bürger sowie Vertreter von Politik, Gemeinden, Verbänden und Unternehmen haben sich an den Planungen für den Neu- und Ausbau des Stromnetzes im Zuge der Energiewende beteiligt. Sie reichten ihre schriftlichen Stellungnahmen zum Netzentwicklungsplan (NEP) per Internet, E-Mail oder Brief bei den Übertragungsnetz-Betreibern ein, wie die Unternehmen am Mittwochabend mitteilten. Die Kritik und Anregungen sollen nun in einem zweiten Entwurf des NEP berücksichtigt werden.

Der NEP soll festlegen, wo in Deutschland neue Stromautobahnen gebaut werden. Der Ausbau ist vor allem nötig, um den im Norden des Landes erzeugten Windstrom in die Industriezentren im Westen und Süden zu transportieren. Ersetzt werden soll durch den sauberen Strom unter anderem die Energie aus den Atomkraftwerken, die in den kommenden Jahren stillgelegt werden und von denen viele in Süddeutschland stehen.

Die Netzbetreiber hatten im Mai mit dem NEP die Grundzüge dafür vorgelegt. Zu einem großen Teil soll demnach das bereits bestehende Netz optimiert und erweitert werden, es sind aber auch bis zu 3800 Kilometer neuer Stromtrassen geplant. Den Verlauf der Trassen legt der NEP noch nicht fest, er definiert lediglich den Anfangs- und Endpunkt. Die konkrete Streckenführung müssen die Behörden in den Bundesländern beschließen.

Da es in den vergangenen Jahren vielfach erbitterten Widerstand gegen den Bau neuer Stromleitungen gab, sollen nun möglichst früh alle Betroffenen angehört werden. Interessierte hatten daher nun sechs Wochen Zeit, sich im Internet, per E-Mail oder Brief zu Wort melden konnten. Im Internet hatten bis zum Ende der Konsultation in der Nacht zum Mittwoch 556 Interessierte eine Stellungnahme zum NEP eingereicht. Die anderen sandten hunderte E-Mails und Briefe mit Lob, Kritik und Anmerkungen an die Netzbetreiber.

Kritisiert wurde dabei den Angaben zufolge unter anderem, die Unternehmen hätten die Grundlagen für den NEP nicht offen genug dargelegt. Auch seien die Möglichkeiten zur dezentralen Stromversorgung nicht ausreichend bewertet worden. Zahlreiche Eingaben beschäftigten sich den Angaben zufolge aber auch mit Dingen, die nicht Thema des NEP sind. So fragten Bürger etwa bereits nach dem konkreten Verlauf von Netztrassen oder äußerten sich zu Bauvorhaben, die schon vor dem NEP auf den Weg gebracht wurden.

Die Netzbetreiber müssen die Stellungnahmen dann in einem Bericht an die Bundesnetzagentur weiterleiten, die ein zweites Anhörungsverfahren beginnt. Dessen Ergebnisse sollen in das bis zum Jahresende geplante Bundesnetz-Gesetz einfließen. Mit dem neuen Verfahren sollen die Planungs- und Bauzeiten für neue Stromleitungen von zehn auf fünf Jahre halbiert werden.

Der Netzentwicklungsplan im Internet:
www.netzentwicklungsplan.de

Informationen der Bundesnetzagentur zum Netzausbau:
www.netzausbau.de