Nachrichten

Kind und Karriere – Schwangere Yahoo-Chefin heizt Debatte in USA an

Die Nachricht von der neuen Frau an der Spitze des Internetriesen Yahoo kam fast zeitgleich mit der Nachricht, dass die Topmanagerin hochschwanger ist. Sie erwarte im Oktober einen Jungen, kündigte Marissa Mayer im Kurznachrichtendienst Twitter an. Damit heizte die 37-Jährige die Debatte um berufstätige Mütter und die Frage nach der Vereinbarkeit von Kind und Karriere in den USA wieder an.

Von Robert MacPherson

Washington (afp) – Die Nachricht von der neuen Frau an der Spitze des Internetriesen Yahoo kam fast zeitgleich mit der Nachricht, dass die Topmanagerin hochschwanger ist. Sie erwarte im Oktober einen Jungen, kündigte Marissa Mayer im Kurznachrichtendienst Twitter an. Damit heizte die 37-Jährige die Debatte um berufstätige Mütter und die Frage nach der Vereinbarkeit von Kind und Karriere in den USA wieder an.

„Mein Mutterschutzurlaub wird nur ein paar Wochen dauern, und ich werde durcharbeiten“, versicherte Mayer im Magazin „Fortune“, als ob sie die Yahoo-Aktionäre beruhigen wolle, dass ihre Mutterschaft ihr als Konzernchefin nicht im Weg stehen wird. Denn angesichts des stetigen Niedergangs von Yahoo seit den Glanzzeiten um die Jahrtausendwende steht Mayer vor einer Mammutaufgabe.

Spontane Glückwunsche im Internet ließen die enttäuschenden Unternehmenszahlen kurz vergessen. „Lasst uns hoffen, dass sie Unternehmen dazu inspiriert, bessere Möglichkeiten für alle berufstätigen Mütter zu schaffen“, twitterte Schauspielerin Mia Farrow – Mutter von 13 eigenen und adoptierten Kindern.

„Sie wird unzählige Frauen im Hightech-Bereich und darüber hinaus inspirieren“, twitterte die Professorin der Princeton Universität, Anne-Marie Slaughter. Die zweifache Mutter hatte vor kurzem die Debatte um Kind und Karriere mit einem Artikel angestoßen, indem sie fragte, ob arbeitende Mütter wirklich „alles haben“ können. Slaughter selbst hatte ihren Top-Job im US-Außenministerium an den Nagel gehängt, um mehr Zeit für die Familie zu haben.

Ernüchternde Worte dagegen kamen von Diana Limongi, einer jungen Mutter aus New York, die zum Thema Mutterschaft bloggt. Mit ihrer Ankündigung, den Job trotz Kind nicht vernachlässigen zu wollen, verkenne Mayer „eine Realität, die wir akzeptieren und mit der wir uns arrangieren müssen: Babys brauchen Fürsorge, und Mütter brauchen Zeit zur Erholung und um bei ihren Babys zu sein“.

Mit Mayer rückt bereits der fünfte Chef innerhalb eines Jahres an die Yahoo-Spitze – aber nicht der erste mit Kindern. Auch Ex-Konzernchefin Carol Bartz hat drei Kinder. Sie musste im September den Hut nehmen, nachdem es ihr nicht gelungen war, das Ruder im schwächelnden Unternehmen herumzureißen.

Nur 19 der bei „Fortune“ aufgeführten 500 US-Spitzenunternehmen werden von Frauen geleitet – das ist „ein neuer Rekord“, wie das Magazin meint. Zwar sind viele dieser Frauen Mütter, von der Einstellung einer Konzernchefin kurz vor der Geburt war aber noch nie die Rede. Laut der Gründerin der Webseite für berufstätige Mütter Bluesuitmom.com, Maria Bailey, werden Mütter in Vorstandsetagen noch immer als Novum angesehen.

Von den 34 Millionen US-Müttern mit Kindern unter 18 Jahren arbeitet laut US-Statistikamt knapp die Hälfte in Voll- oder Teilzeit. Dabei können nur wenige von Kindermädchen oder Tagesstätte oder der Babyausstattung träumen, die Mayer zum Start von ihren neuen Kollegen erhielt. Mit ihrem zu erwartenden Gehalt wird sich Mayer um die Finanzierung der Kinderbetreuung keine Sorgen machen müssen.

Laut US-Gesetz können Frauen zwölf Wochen unbezahlten Mutterschutzurlaub nehmen – und das nur, wenn sie bereits mindestens ein Jahr in einem Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern beschäftigt sind. In Deutschland dürfen werdende Mütter in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung und acht Wochen danach nicht beschäftigt werden; im Anschluss können sie in Elternzeit gehen. Zudem erhalten deutsche Mütter und Väter, die ihre Arbeit aussetzen, bis zu 14 Monate Elterngeld.

Die USA sind das einzige westliche Land mit unbezahltem Mutterschutz. Und: Die Beschwerden von Schwangeren bei der US-Kommission für Gleichstellung am Arbeitsplatz sind in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent gestiegen, sagt Sarah Crawford von National Partnership for Women and Families. „Wir hoffen, dass Yahoo mit Mayer zum Vorreiter für eine familienfreundliche Unternehmenspolitik wird.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar