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Dienstwagen-Check: Vorfahrt der Spritfresser

Fast jedes zweite Fahrzeug in Deutschland wird als Firmenwagen zugelassen. Im Zuge ihrer Klimastrategien könnten Unternehmen hier wirksam den CO2-Ausstoß bekämpfen und entsprechende Vorgaben für den Fahrzeugeinkauf machen. Die Praxis scheint anders auszusehen, wie der aktuelle Dienstwagen-Check der „Deutschen Umwelthilfe“ (DUH) zeigt. Nach wie vor dominieren der Hubraum und nicht die Schadstoffbilanz in den Fuhrparks.

Berlin (csr-news) > Fast jedes zweite Fahrzeug in Deutschland wird als Firmenwagen zugelassen. Im Zuge ihrer Klimastrategien könnten Unternehmen hier wirksam den CO2-Ausstoß bekämpfen und entsprechende Vorgaben für den Fahrzeugeinkauf machen. Die Praxis scheint anders auszusehen, wie der aktuelle Dienstwagen-Check der „Deutschen Umwelthilfe“ (DUH) zeigt. Nach wie vor dominieren der Hubraum und nicht die Schadstoffbilanz in den Fuhrparks.

Über 90 Prozent der untersuchten Firmen erhalten wegen zu hoher Spritverbräuche oder Intransparenz die „Rote Karte“ – Fast alle Mitglieder von Econsense, dem „Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft“, fallen durch. Zu den Vorreitern in Sachen klimafreundlicher Fuhrpark gehören Kaiser’s Tengelmann, Phoenix Solar, Tchibo und K+S. Immerhin schon mit vorzeigbaren Resultaten, aber einem noch verbesserungswürdigen Gesamtengagement, zeichnet die Umwelthilfe sieben Unternehmen aus. Darunter befinden sich C&A Mode, Deutsche Bahn AG, Deutsche Telekom AG, Pfeiffer Vacuum GmbH und Siemens. Deren Flottenverbrauch wird wesentlich durch die Vorstandsfahrzeuge verschlechtert. Im Durchschnitt verfehlen die Limousinen der Vorstandvorsitzenden den geltenden EU-Zielwert von 130 g CO2/km um fast 70 Prozent.

Zum dritten Mal hat die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) die Fahrzeugflotten und Vorstandsfahrzeuge börsennotierter sowie ausgewählter mittelständischer Unternehmen auf CO2-Ausstoß und Nachhaltigkeit untersucht. Insgesamt bat die DUH zwischen Mai und Juli 2012 bei den 100 größten börsennotierten sowie 62 weiteren, überwiegend mittelständischen Unternehmen um Auskunft zu ihrem Fuhrpark. Sie erkundigte sich nach den durchschnittlichen CO2-Werten der Firmenwagen, den Dienstfahrzeugen des Vorstands sowie den Strategien zur Reduktion des CO2-Ausstoßes bei der Pkw-Flotte. Dabei legte sie für die Bewertung der CO2-Emissionen den EU-Zielwert für 2012 in Höhe von 130 g CO2/km als Referenz zugrunde. Von insgesamt 162 befragten Unternehmen verweigerten wie im Vorjahr zwei Drittel die Auskunft zum Spritverbrauch der Vorstands- und Flottenfahrzeuge. Nur 50 Firmen waren bereit, die eingereichten Fragen zu beantworten. „Nach wie vor mauern die meisten Firmen beim Thema Dienstwagen – das Schaufahren gegen den Klimaschutz hält in vielen Betrieben offensichtlich unvermindert an“, bemerkt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Zwar verzichtet kaum ein Unternehmen auf Umweltmanagementsysteme und Nachhaltigkeitszertifizierungen. Der Blick unter die Motorhauben beweist jedoch oft, dass es mit dem Klimaschutz nicht weit her ist.“

Als besonders enttäuschend bezeichnete Resch die fehlende Bereitschaft vieler Vorstände zur Abrüstung ihrer Fahrzeuge hinsichtlich Motorstärke und Spritverbrauch: „Im Gegensatz zu vielen Spitzenpolitikern gehen die deutschen Manager mehrheitlich nicht mit gutem Beispiel voran und setzen aus Prestigegründen noch immer auf schwere und klimaschädliche Fahrzeuge“. Oftmals hat dies Auswirkungen auf die Gesamtperformance der Flotte, denn für ihre Mitarbeiter setzten immer mehr Unternehmen Nachhaltigkeitskriterien bei der Fahrzeugbeschaffung an. Die Umwelthilfe nennt Adidas, die Deutsche Telekom, Siemens, Linde, Heidelberger Druckmaschinen, Deutsche Lufthansa und SAP als Beispiele. In diesen Unternehmen gelten CO2-Höchstwerte bei der Beschaffung neuer Dienstwagen. Dafür werden unter anderem auch Bonus-Malus-Systeme eingesetzt, d.h. Mitarbeiter, die freiwillig ein „saubereres Auto“ wählen, werden durch Ausgleichszahlungen belohnt. In manchen Unternehmen sind die Grenzwerte allerdings auch festgeschrieben, wie beispielsweise bei Ikea, wo für Firmenwagen ein maximaler Ausstoß von 120 Gramm Kohledioxid pro Kilometer erlaubt ist. Andere Konzerne verfahren ähnlich, etwa die Telekom, die einen höheren Schadstoffausstoß nur für Vorstandsfahrzeuge zulässt. Der Arzneimittelhersteller Stada kauft im Rahmen seiner „car policy“ nur Dieselfahrzeuge mit der modernsten verfügbaren Technik, um Spritverbrauch und Schadstoffe zu senken. Neben diesen Regelungen bieten die Unternehmen auch Fahrertraining an, um den Mitarbeitern eine spritsparende Fahrweise näherzubringen oder fördern alternativ die Teilnahme am öffentlichen Personenverkehr.

Noch ein Nischendasein, ähnlich wie im sonstigen Straßenverkehr, fristen die Elektrofahrzeuge. Zwar haben Unternehmen wie die Allianz oder die Deutsche Bank entsprechende Fahrzeuge im Einsatz, meist werden die aber nur für die Nahversorgung in einer Stadt verwendet. Etwas weiter ist man bei SAP gegangen und hat in einem Feldversuch mit dem ISOE (Institut für sozial-ökologische Forschung) den Einsatz von 27 elektrisch betriebenen Firmenfahrzeugen ein halbes Jahr lang getestet. Immerhin 78 Prozent der 300 teilnehmenden Mitarbeiter waren mit den Elektroautos zufrieden.

Die DUH hat in den letzten Monaten ebenfalls den Fuhrpark von Politikern und Kirchenvertretern bewertet.

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