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US-Ratingagenturen: Argwohn in Europa gegenüber den „großen Drei“

Mit ihrer Warnung, dass europäischen Musterländern wie Deutschland die Bestnote AAA für ihre Kreditwürdigkeit entzogen werden könnte, hat die Ratingagentur Moody’s wieder einmal für Aufsehen gesorgt. Die Bewertungen der drei großen Agenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch und auch der Zeitpunkt solcher Einstufungen haben in der Euro-Krise regelmäßig heftige Kritik ausgelöst. Argwohn ruft in Europa unter anderen deren US-lastige Finanz- und Eigentümerstruktur hervor.

Von Christine Pöhlmann

Paris (afp) – Mit ihrer Warnung, dass europäischen Musterländern wie Deutschland die Bestnote AAA für ihre Kreditwürdigkeit entzogen werden könnte, hat die Ratingagentur Moody’s wieder einmal für Aufsehen gesorgt. Die Bewertungen der drei großen Agenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch und auch der Zeitpunkt solcher Einstufungen haben in der Euro-Krise regelmäßig heftige Kritik ausgelöst. Argwohn ruft in Europa unter anderen deren US-lastige Finanz- und Eigentümerstruktur hervor.

Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch stehen für mehr als 90 Prozent des internationalen Rating-Marktes. Zusammen machten sie im Jahr 2010 fast sechs Milliarden Dollar Umsatz (rund 4,9 Milliarden Euro). Alle Ratingagenturen arbeiten nach dem gleichen Muster: Sie beurteilen Staaten, Unternehmen oder Wertpapiere nach einem Benotungssystem, das von AAA als besonders sichere Anlage bis D für Zahlungsunfähigkeit reicht. Anleger beurteilen nach diesem System, wem sie Geld leihen und in welche Anlagen sie investieren.

Bei einer schlechteren Beurteilung steigen in der Regel die Zinsen; dadurch können Staaten in einen Teufelskreis aus Schulden, schlechtem Rating, höheren Zinsen und neuen Finanzproblemen geraten.

Standard & Poor’s und Moody’s sind US-Agenturen. Die Ursprünge von S&P als Branchenprimus reichen bis in das Jahr 1860 zurück. Die Agentur ist heute mehrheitlich im Besitz des US-Medienverlags McGraw-Hill. Der Konzern wird wiederum von denselben US-Großinvestoren kontrolliert, die auch Beteiligungen an der 1909 gegründeten Agentur Moody’s halten.

Diese Verflechtung ist ein weiterer Grund für deutliche Kritik an den Unternehmen: Die Struktur mit denselben Großaktionären, darunter die Investmentfirma Capital Group und Bankhäuser wie Morgan Stanley, schade dem Wettbewerb zwischen den beiden größten Ratingagenturen. Großanteilseigner von Moody’s ist nach wie vor auch der legendäre US-Investor Warren Buffett.

Fitch ist dagegen zu 50 Prozent in der Hand der französischen Gruppe Fimalac des Geschäftsmannes Marc Ladreit de Lacharrière. Die Führung der Gruppe ist personell verflochten mit Großunternehmen wie L’Oréal, Renault, der Bank Rothschild und Coca-Cola.

Die restlichen 50 Prozent von Fitch hält der US-Unterhaltungskonzern Hearst. Weil Fitch aber 1913 in New York gegründet wurde und dort neben London auch weiterhin einen Hauptfirmensitz hat, ist häufig von den drei großen „US“-Ratingagenturen die Rede.

Die EU-Kommission regte schon vor Monaten an, das „Kartell“ der drei großen Agenturen zu zerschlagen. Bemühungen um den Aufbau einer eigenen, europäischen Gegen-Agentur sind nicht zuletzt aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten aber ins Stocken geraten – derzeit ist unsicher, ob es jemals eine solche Agentur geben wird.

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