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Grünenthal soll Warnungen vor Contergan-Wirkstoff ignoriert haben

Der Pharmakonzern Grünenthal soll über zwei Jahre lang Warnungen vor schweren Nebenwirkungen des Contergan-Wirkstoffs Thalidomid ignoriert haben. Das geht aus australischen Gerichtsakten hervor.

Sydney (afp) – Der Pharmakonzern Grünenthal soll über zwei Jahre lang Warnungen vor schweren Nebenwirkungen des Contergan-Wirkstoffs Thalidomid ignoriert haben. Das geht aus australischen Gerichtsakten hervor, die ein Gericht im Bundesstaat Victoria am Freitag veröffentlichte. Der Klägeranwalt Michael Magazanik, der rund 100 Thalidomid-Opfer vertritt, reichte unter anderem einen firmenintern Schriftwechsel ein, der seinen Angaben zufolge belegt, dass Ärzte und Vertreiber aus verschiedenen Ländern schon 1959 vor Geburtsfehlern warnten – über zwei Jahre bevor das Mittel Ende 1961 vom Markt genommen wurde.Die Dokumente beweisen nach Angaben des Anwalts auch, dass Thalidomid vor der Markteinführung nie in aussagekräftigen Tierversuchen getestet wurde. Die ersten klinischen Tests wurden demnach 1960 in Australien gemacht. Die Firma habe „statt Labortieren schwangere Frauen als Versuchsobjekte“ benutzt.

An der Sammelklage sind rund 100 Australier beteiligt, die mit Missbildungen zur Welt kamen, nachdem ihre Mütter während der Schwangerschaft ein Mittel mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid eingenommen hatten. Anfang Juli hatte sich der Pharmakonzern Diageo, die Nachfolgegesellschaft der britischen Vertreiberfirma Distillers, mit der 50-jährigen Lynette Rowe auf einen Vergleich geeinigt. Der Frau, die ohne Arme und Beine geboren wurde, bekommt eine Millionensumme. Diageo will nun auch mit anderen Klägern einen Vergleich erzielen. Grünenthal will sich jedoch einem Gerichtsverfahren stellen.In Deutschland war das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan von 1957 bis 1961 rezeptfrei vertrieben worden. Sein Wirkstoff Thalidomid führte weltweit bei schätzungsweise 10.000 Kindern, davon rund 5000 in Deutschland, zu dauerhaften Schädigungen, darunter schwerwiegende Fehlbildungen von Armen und Beinen.

Kommentar

  • Wenn die Invest- und Produktionskosten verprechen niedriger zu sein als die dagegen stehenden Erträge, spricht man von Gewinnmarge … die dann durch den Faktor „Zeit“ noch maximiert wird. – Die geschulten kaufmännischen Entscheidungsträger erkannten das und ließen den (Leid-)Faktor „Mensch“ dabei aus betriebswirtschaftlichen Gründen außer Acht. – Die Geschichte hat uns gelehrt, dass das Volk – BISLANG – immer für Fehlentscheidungen, Habgier und Machtgelüsten einger weniger den Kopf hinhalten musste.

  • ■Grünenthal berät freiwillige Leistungen an Contergan-Geschädigte

    Nette Überschrift !
    Aber in Wirklichkeit kümmert sich Firma Grünenthal mit seinen Eignern Familie Wirtz einen feuchten Kehrrich um seine künstlich behindert gemachte Opfer . Grünenthal kümmert sich nur wenn es nichts kostet . Diese Firma macht einen Gewinn von ca, 860 Millionen Euro. Und wer kommt für seine künstlich behindert gemachte Opfer auf ?
    Na klar der Deutsche Steuerzahler nämlich DU und Ich . So kümmert sich Grünenthal eine reine Verhöhnung und einen weiteren Schlag ins Gesicht für mich als Contergan Opfer .

  • Lügen haben kurze Beine! Irgendwann siegt die reine Wahrheit … und die heißt: Grünenthal hat wissentlich zwei Jahre lang das Präparat Contergan und unter anderem Namen in etlichen anderen Ländern, teils über Linzenzfirmen, an die ahnungslosen Mütter verkauft und billigend in Kauf genommen, dass Nervenschäden vorkommen und die Embryos sich atypisch entwickeln, gerade in den wichtigen ersten Wochen der Schwangerschaft. Dies hatte gravierende Konsequenzen für die Babys, die ohne Arme und Beine, ohne Ohrmuscheln und taub, mit Augen- und inneren Schäden zur Welt kamen. Für die Pharma Lobby zählte nur der Profit und man hat zwei Jahre zugeschaut, wie Kinder missgebildet auf die Welt kamen. Als das Kind in den Brunnen gefallen war, halfen die Justiz und der Deutsche Staat kräftig mit, damit Grünenthal fast ganz ungeschoren davonkam. Das muß sich jetzt ändern !!!

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