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Öko-Test: Dem Fairen Handel fehlen vertrauenswürdige Label

Welchen Siegeln für fair gehandelte Produkte können Verbraucher vertrauen? Dieser Frage geht das in Frankfurt am Main erscheinende Magazin Öko-Test in seiner aktuellen Ausgabe nach und kritisiert dabei die meisten bekannten Nachhaltigkeitslabel. Das Magazin kritisiert die fehlende Einigung auf gemeinsame Mindestanforderungen für faire Auslobungen und bei zahlreichen Label die fehlende Absicherung eines Mindestlohns.

Frankfurt (csr-news) – Welchen Siegeln für fair gehandelte Produkte können Verbraucher vertrauen? Dieser Frage geht das in Frankfurt am Main erscheinende Magazin Öko-Test in seiner aktuellen Ausgabe nach und kritisiert dabei die meisten bekannten Nachhaltigkeitslabel. „Die höchsten Standards bieten die Label Fairtrade und Fair for Life sowie Produkte von Gepa, El Puente, Bananafair und DWP“, schreibt Öko-Test. Bei Textilien empfiehlt das Magazin die Label Fair Wear Foundation und Label Fairtrade Certified Cotton. Zugleich rät Öko-Test zur Vorsicht: Auf vielen Verpackungen seien Zeichen aufgebracht, die wie Label aussähen, aber nur Werbung der Hersteller sein. Einheitliche Regelungen, was als fair bezeichnet werden darf, gebe es nicht.

Die Öko-Tester beschäftigten sich insbesondere mit Siegeln auf Kaffeeprodukten. Von den 500.000 in Deutschland jährlich konsumierten Tonnen Kaffee seien gerade einmal 8.152 Tonnen fair gehandelt – weniger als 2 Prozent also. Die Tester bemängeln bei den Kaffee-Label Rainforest Alliance Certified und UTZ Certified, dass sie keinen Mindestpreis garantierten und die Vorfinanzierung der Produktion nicht Teil der Vergabebedingungen seien. Als reines Marketinginstrument stuften die Tester den Verhaltenskodex 4C (Common Code of the Coffee Community) ein, denen etwa Melitta auf seinen Packungen verwendet. Die Anforderungen seien niedrig und Verbraucher könnten nicht erkennen, ob die so ausgezeichneten Kaffees diese geringen Anforderungen erfüllten.

Bei Chiquita-Bananen gelte für das Label Rainforest Alliance Certified die vorstehend genannte Kritik: kein garantierter Mindestlohn, keine Vorfinanzierung. Ähnliches gelte für die Bio-Bananen von Tegut Fairbindet.

Im Bereich Lebensmittel sei die einzige zu 100 Prozent faire Schokolade die Grand Noir feinherb von Gepa aus fairem Kakao, fairem Zucker und fairer Bio-Milch.

In der Textilbranche kritisiert Öko-Test das Label Cotton made in Africa, weil der dort geforderte Mindestlohn jedes Jahr neu zwischen den verschiedenen Akteuren des Baumwollsektors ausgehandelt werde und die Bauern nicht unabhängig von den Preisschwankungen und Spekulationen auf dem Weltmarkt mache.

Wenn Verbraucher das Label der World Fair Trade Organisation (WFTO) auf der Internetseite eines Anbieters endeckten, könnten sie sicher sein, dass dieser Anbieter tatsächlich mit fairen Produkten handele, so Öko-Test. Die WFTO ist ein Zusammenschluss von etwa 350 Firmen und Organisationen, die sich auf weltweit geltende Prinzipien des fairen Handels geeinigt haben. Von der Mehrheit der Beteiligten sei aber keine Einigung auf gemeinsame Mindestanforderungen für faire Auslobungen zu erwarten. „Somit ist die Politik gefordert, Mindeststandards festzulegen und ein einheitliches Fair-Label zu schaffen“, schreibt das Magazin.

Die Ergebnisse des Öko-Test Fairer Handel im Internet