Nachrichten

Umweltaktivisten stören Protest gegen Stahlwerkschließung in Italien

Tarent (afp) – Im Süden Italiens ist eine Demonstration gegen die Schließung eines riesigen Stahlwerks von Umweltaktivisten gestört worden. Die Gewerkschaften hatten aus Protest gegen die drohende Schließung der Fabrik Ilva in der Küstenstadt Tarent am Donnerstag zu einer Kundgebung und einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Eine Gruppe von Gegnern pfiff aber die Gewerkschaftsführer aus und bewarf sie mit Eiern und Rauchbomben. Trotz des Einschreitens der Polizei wurde die Kundgebung abgebrochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte am vergangenen Donnerstag im Zuge von Ermittlungen wegen Umweltverschmutzung einen Teil der Anlage in Apulien unter Zwangsverwaltung gestellt. Acht Manager des Stahlwerks, das insgesamt 11.500 Arbeiter beschäftigt, wurden unter Hausarrest gestellt. Experten waren zu dem Schluss gekommen, dass der fortlaufende Ausstoß chemischer Stoffe, darunter auch Dioxin, bei den Anwohnern schwere Gesundheitsschäden verursacht und für die deutlich erhöhte Sterblichkeit in der Region verantwortlich ist.

Die Umweltschutzgruppe „Tarent atmet“ hatte die Entscheidung, die Anlage unter Zwangsverwaltung zu stellen, begrüßt und von einer „historischen Wende“ für die Stadt gesprochen. Die Staatsanwaltschaft sei eingeschritten, wo die Politik versagt habe, erklärte die Gruppe. Die 5000 von der Maßnahme betroffenen Arbeiter fürchten aber den Verlust ihrer Arbeit. Einer von ihnen sagte den Medien, sie wollten „lieber an Krebs sterben, als verhungern“.

Die Chefin der Gewerkschaft CGIL, Susanna Camusso, die bei der Kundgebung am Donnerstag durch die Gegendemonstranten am Reden gehindert wurde, warnte, sollte es keine Lösung für derartige Probleme geben, werde Italien zum Import von Stahl gezwungen werden. Italiens Umweltminister Corrado Clini einigte sich kürzlich mit den örtlichen Behörden auf ein Programm in Höhe von 336 Millionen Euro, um das Stahlwerk zu sanieren und so die Arbeitsplätze zu retten.