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Coca-Cola in Bolivien: Der Rücktritt vom Rauswurf

Bolivien will den Coca-Cola-Konzern nun doch nicht des Landes verweisen. Das melden mehrere südamerikanische Medien und zitieren die bolivianische Kommunikationsministerin Amanda Dávila. Außenminister David Choquehuanca habe indigene Methapern verwendet und diese seien fehlinterpretiert worden.

La Paz (csr-news) – Bolivien will den Coca-Cola-Konzern nun doch nicht des Landes verweisen. Das melden mehrere südamerikanische Medien und zitieren die bolivianische Kommunikationsministerin Amanda Dávila. “Die Regierung hat nicht die Absicht, Maßnahmen irgendeiner Art gegen den Getränkehersteller einzuleiten”, zitiert Latina-Press die Ministerin aus einer Pressekonferenz am Donnerstag. Zuvor hatte auch ein Konzernsprecher den Rauswurf dementiert: „In Bolivien ist Coca-Cola ein Teil der Gemeinschaft, wir schaffen Arbeitsplätze und Einkommen für Tausende von Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter“, so der Sprecher der Coca-Cola Company. Das Unternehmen unterstütze Bildungseinrichtungen und soziale Initiativen und wolle die Investitionen und das Wachstum in Bolivien in den kommenden Jahren fortsetzen.

Die Spekulationen über einen Rauswurf von Coca-Cola aus Bolivien hatte dessen Außenminister David Choquehuanca ins Rollen gebracht. Choquehuanca hatte in Bezug auf das Ende des Maya-Kalenders am 21. Dezember 2012 gesagt: „Der 21. Dezember bedeutet nicht das Ende der Welt. Wir glauben, dieser Tag ist das Ende des Kapitalismus und der Coca-Cola Ära.“ Weiter sagte Choquehuanca: „Dies bedeutet ein Ende des Hasses, der Dunkelheit und des Individualismus. Dann beginnen der Kommunitarismus sowie ein Zeitalter der Liebe und ein harmonisches Leben mit der Natur”. Dazu sagte Kommunikationsministerin Dávila nun, der Außenminister habe indigene Methapern verwendet und diese seien von den Medien fehlinterpretiert worden.

Nach Meinung der Neuen Osnabrücker Zeitung war der angekündigte Rauswurf des Coca-Cola-Konzerns in erster Linie ein Ablenkungsmanöver, mit dem Präsident Evo Morales verlorenes Vertrauen seiner Wähler wiederaufzubauen versuchte. Durch seine Pläne für eine radikale Benzinpreiserhöhung habe er Anfang 2011 das Vertrauen der indigenen Wähler verloren, die ihn an die Macht gebracht hatten. „Ob er diesen Vertrauensbruch kitten kann, indem er Coca-Cola aus dem Land jagt, bleibt sehr fraglich. Erst recht, wenn dadurch Bolivianer gezwungen wären, zu einem teureren Getränk zu greifen, das womöglich schlechter schmeckt. Ein Unternehmen als Sinnbild des Kapitalismus zu verdammen ist auch deshalb unredlich, weil Boliviens Wirtschaft Teil dieses Systems und immens abhängig von Rohstoffexporten ist“, schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung. Die westliche Welt dürfe jedoch die Augen vor den Auswüchsen des Raubtier-Kapitalismus nicht verschließen.