Nachrichten

Zehntausende Lehrstellen noch frei – Unternehmen stellten Azubis häufig früher ein

Bis Ende Juli waren 247.112 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge bei den IHK registriert – ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch im Handwerk gibt es eine positive Tendenz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie ein Sprecher des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) sagte. „Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist hervorragend“, so der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann.

Berlin (afp) – Zu Beginn des Ausbildungsjahres sind in Deutschland noch zehntausende Lehrstellen frei. „Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist hervorragend“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, der „Passauer Neuen Presse“ vom Montag.

Von den insgesamt 480.500 freien Lehrstellen, die der Bundesagentur für Arbeit (BA) seit Oktober 2011 gemeldet wurden, waren Ende Juli noch knapp 144.000 unbesetzt, wie BA-Sprecher Paul Ebsen mitteilte. Seinen Angaben zufolge gab es Ende Juli zugleich noch 142.400 „unversorgte Bewerber“, von denen sich aber viele auf mehrere Lehrstellen beworben hätten und sich mit der Zusage noch Zeit ließen. Die meisten offenen Stellen gibt es laut BA im Einzelhandel, dringend gesucht werden außerdem Köche und Hotelfachleute.

Allein in der Lehrstellen-Börse der Industrie- und Handelskammern (IHK) werden noch 12.000 Auszubildende gesucht. Dabei gibt es in allen Berufen noch freie Lehrstellen, wie der DIHK-Ausbildungsexperte Markus Kiss betonte. „Bewerber, die gut genug sind, können auch noch einen Ausbildungsplatz in anspruchsvollen Berufen finden.“ Und wer bei seinem Lieblingsberuf nicht fündig werde, solle sich ruhig artverwandte Berufe näher anschauen.

Bis Ende Juli waren 247.112 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge bei den IHK registriert – ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch im Handwerk gibt es eine positive Tendenz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie der Sprecher des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH), Alexander Legowski, der Nachrichtenagentur AFP sagte. Aus den meisten großen Kammerbezirken gebe es positive Rückmeldungen. Driftmann zufolge dürften in diesem Jahr viele Betriebe früher als sonst ihre Auszubildenden eingestellt haben, um sicher zu sein, ausreichend Lehrlinge zu finden – denn viele Firmen hätten Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden.

In einer im Mai veröffentlichten Umfrage des DIHK hatten drei Viertel der Betriebe beklagt, dass mangelnde Deutsch- und Mathekenntnisse oder fehlende Sozialkompetenzen der Bewerber die Ausbildung verhinderten oder erschwerten. Laut Kiss können 20 Prozent der 15-Jährigen nicht ausreichend lesen, schreiben oder rechnen. Größere Firmen könnten sich Nachhilfe noch leisten, „aber ein kleiner Mittelständler hat es schwer, wenn nachgearbeitet werden muss“.

Auch der demografische Wandel hat zu erheblichen Verschiebungen auf dem Ausbildungsmarkt geführt: Herrschte vor einigen Jahren noch ein chronischer Mangel an Ausbildungsplätzen, geht nun die Zahl der Schulabgänger und damit der Bewerber zurück. Laut DIHK sank die Zahl der Bewerber für Lehrstellen seit 2007 um 30 Prozent, in Ostdeutschland sind es sogar 50 Prozent weniger Bewerber als vor fünf Jahren. Gleichzeitig beginnen wieder mehr Schulabgänger ein Studium. Die Folge: Immer mehr Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt.

Der DIHK startete deshalb in diesem Jahr eine gemeinsame Online-Lehrstellenbörse, die Bundesagentur für Arbeit startete die Ausbildungskampagne „Ich bin gut“, um Betriebe und Azubis zusammenzuführen. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock forderte die Betriebe auf, ihr Einstellungsverhalten zu ändern. Angesichts von weit mehr als zwei Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren, die keinen Berufsabschluss hätten, gebe es „genug junge Menschen, die noch einen Ausbildungsplatz brauchen“.

Die IHK-Lehrstellen-Börse im Internet:
www.ihk-lehrstellenboerse.de