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Werkvertragsunternehmen – die Billigmeierbranche?

Das häufig von Werkvertragsunternehmen geleistete Einräumen der Regale im Einzelhandel ist – nach Berichten in dieser Woche über Missbrauchsfällen bei Rewe und Razzien bei den Einzelhändlern Kaufland und Netto Marken-Discount zu Jahresanfang in Verruf geraten. Wie steht es um die Moral der Unternehmen, die dem Handel die sogenannte “Warenverräumung” anbieten?

Berlin (csr-news) – Das häufig von Werkvertragsunternehmen geleistete Einräumen der Regale im Einzelhandel ist einmal mehr in Verruf geraten: Am Montag berichtete das ZDF-Wirtschaftsmagazin „Wiso“ über Missbrauchsfälle bei der sogenannten Warenverräumung in Märkten der Handelsgruppe Rewe. Dort wurden die ohnehin niedrigen Stundenlöhne von rund sechs Euro durch Akkordvereinbarungen auf drei bis vier Euro gedrückt. Im Januar fanden wegen des Verdachts auf rechtswidrige Werkverträge Razzien bei den Einzelhändlern Kaufland und Netto Marken-Discount statt. Hunderte Zollfahnder durchsuchten dabei Warenzentren und Geschäftsräume in mehreren Bundesländern. Wie steht es um die Moral der Unternehmen, die dem Handel solche Dienstleistungen anbieten?

Der Branchenverband Instore und Logistik Services (ILS) will für verantwortungsvolle Standards stehen. Seine Mitgliedsunternehmen beschäftigen etwa die Hälfte der schätzungsweise 100.000 Mitarbeiter der Branche. Überwiegend sind es Hinzuverdiener, die in den Werkvertragsunternehmen tätig sind: Hausfrauen, Studenten, Rentner und andere Arbeitnehmer, die bei einer hohen Arbeitszeitflexibilität zwei oder drei Mal in der Woche für zwei oder drei Stunden tätig werden können. Minijobs sind hier die Regel. Werkvertragsunternehmen bieten vorwiegend einfache Tätigkeiten an, auch solche, die kaum deutsche Sprachkenntnisse erfordern. Die Branche eröffne daher manchen ansonsten chancenlosen Arbeitsuchenden einen Zugang zum Arbeitsmarkt, so ein ILS-Sprecher gegenüber CSR NEWS.

Für die Unternehmen des Verbandes gelten Tarifverträge mit Mindeststundenlöhnen von derzeit 6,50 Euro im Westen und 6,00 Euro im Osten, Urlaubsansprüchen sowie Zuschlagsregelungen für die Mehr- und Feiertagsarbeit. Gemeinsam mit dem TÜV Rheinland entwickelte der ILS das Gütesiegel „Geprüfter Instore Logistik Dienstleister“. Bei der Zertifizierung für das Anfang April eingeführte Siegel überprüft der TÜV rund 70 Kriterien, die in Anlehnung an den Sozialstandard SA 8000 ausgewählt wurden. Zur Zertifizierung gehören unangekündigte Kontrollen und anonyme Mitarbeiterbefragungen in den betreuten Märkten sowie eine Überprüfung der Unternehmenszentralen und jährliche Überwachungsaudits. Mit dem Siegel will der Verband seine Mitglieder bei der Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung unterstützen. Bis Ende Juli waren zwei Unternehmen entsprechend zertifiziert: Teamwork – Die Büttgen GmbH (Lohmar) und Trade-Log Instore-Services GmbH (Wettenberg).

Nach den Vorgängen bei Rewe erklärte der ILS-Vorsitzende Michael Jeurgens gegenüber der Presse: „Leider gibt es nach wie vor Dienstleistungsunternehmen außerhalb des ILS, die die Branchentarifverträge unterschreiten und sogar gesetzliche Ansprüche wie bezahlten Urlaub ihren Mitarbeitern vorenthalten“. Einige schwarze Schafe dürften aber nicht eine ganze Branche in Verruf bringen.

Kommentar

  • Vertuscht der Verband der Instorelogistik ILS Sozialbetrug?

    Wiso hatte in der Sendung vom 06.08.2012 festgestellt, dass bei REWE Lohndumping durch Scheinwerkverträge betrieben wird und durch Akkordvereinbarungen Löhne von z.T. unter 4 Euro bezahlt werden. Scheinwerkverträge deshalb, weil die Arbeitsanweisungen nicht vom Personal des Werkvertragnehmers sondern von Mitarbeitern von REWE erfolgten. Ausserdem wurde die Mitarbeiter von REWE auch die gleiche Regalbefüllung wie die Mitarbeiter im Werkvertrag durchführten. Somit wären Löhne und damit auch Sozialabgaben wie in der Zeitarbeit zu zahlen.

    In solchen Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft.

    Der ILS – Verband reagiert nun auf einen Teil der Vorwürfe. Seine Mitgliedsunternehmen beschäftigen etwa die Hälfte der schätzungsweise 100.000 Mitarbeiter der Branche. Mit dem Hinweis die Branche eröffne manchen ansonsten chancenlosen Arbeitsuchenden einen Zugang zum Arbeitsmarkt wird einem Sozialdumping versucht ein arbeitsmarktpolitisches Mäntelchen umzuhängen.

    Dann verweist man noch auf einen mit der christlichen Gewerkschaft DHV geschlossenen Dumping-Tarifvertrag der 6,50 € vorsieht. Aber es wird noch ein weiteres Schutzmäntelchen draufgesetzt, um vom Thema der Scheinwerkverträge abzulenken. Der ILS hat ein “Gütezeichen” mit einem hinterlegten “Kodex” geschaffen. Hier orientiert sich der ILS an dem Verhalten anderen Verbände.

    Auf das Thema Scheinwerkverträge geht man seitens des Verbandes nicht ein.

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