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CSR in der PR-Branche: Wo bleiben die Standards in der Praxis? Ein Kommentar

In der Regel freut sich ein Autor, wenn Leser seinen Beitrag kommentieren. So ist das auch bei uns und die Kommentare zu unserem Beitrag „Näherinnen der Outdoor-Jacken erhalten Hungerlöhne“ hätte ich freigeschaltet … wenn sie nicht von einer verdeckt handelnden PR-Agentur gestammt hätten.

In der Regel freut sich ein Autor, wenn Leser seinen Beitrag kommentieren. So ist das auch bei uns und die Kommentare zu unserem Beitrag „Näherinnen der Outdoor-Jacken erhalten Hungerlöhne“ hätte ich freigeschaltet. Die Meldung beschäftigte sich mit dem CSR-Teil einer Untersuchung der Stiftung Warentest zu Funktionssachen und stellt den Unternehmen ein überwiegend schlechtes Zeugnis aus. Besonders niedrige Löhne kritisiert die Stiftung.

„So einfach ist es nicht. Einen schönen Kommentar zum Thema gibt es auf http://www.ktcquality.com/manufacture/opinion_csr.html“ hieß es in dem ersten Kommentar zu der Meldung. Misstrauisch machte mich, dass er den Link zu einer Unternehmenswebsite enthielt: der KTC Limited mit Sitz in Hongkong. Unter der Überschrift „FÜR DIE WAHRHEIT ZU WENIG“ kritisiert dort Regina Henkel die CSR-Analyse der Stiftung Warentest. Also verfolgte ich den Absender des Kommentars zurück. Er stammte von Andreas Breitfeld, dem Inhaber der PR-Agentur 360 public relations. Unter den Mitarbeitern jener Agentur wird auch Regina Henkel aufgelistet.

Auf den ersten Kommentar hin meldete ich mich bei der Agentur und ließ sie wissen: So geht das meiner Meinung nach nicht. Das scheint 360 public relations aber anders zu sehen, denn heute verzeichneten wir einen weiteren Kommentar: „Vielleicht sollten wir auch mal hinterfragen, ob wir da nicht als Verbraucher auch eine Mitschuld tragen mit unserer ‚geiz ist geil‘ Mentalität. Ist hier ganz gut beschrieben: http://www.ktcquality.com/manufacture/opinion_csr.html“. Diesmal von einem Volontär der Agentur 360 public relations. Das ist bewusste Irreführung: „wir da nicht als Verbraucher“ schreibt ein bezahlter Öffentlichkeitsarbeiter.

Nun habe ich bisher geglaubt, dass es für das Engagement von PR-Agenturen im Web 2.0 feste Standards gibt. Und dass dazu gehört: Wer hier als professioneller Kommunikator handelt, muss das klar zu erkennen geben. Entweder aber gibt es diesen Standard nicht, oder besagte Agentur hält sich nicht daran. Ehrenamtlich werden die PR-Spezialisten diese Kampagne für das Unternehmen KTC Limited wohl nicht durchführen, und so stärkt der Vorgang mein Vertrauen in den Textilzulieferer aus Hongkong nicht.

Wer sich im CSR-Umfeld bewegt und äußert, muss sich auf die eigenen Standards hinterfragen lassen – auch 360 public relations.