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Ureinwohner durch Landraub bedroht

Der Landraub bedroht weltweit die Existenz von Millionen Ureinwohnern, darauf macht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) im Rahmen ihres aktuellen Menschenrechtsreports aufmerksam. „Die große Nachfrage von Investoren nach fruchtbarem Ackerland hat dazu geführt, dass indigene Völker in den vergangenen zehn Jahren viele Millionen Hektar Land verloren haben“, beklagt die GfbV. Als eine der wesentlichen Ursachen wird der Palmöl-Boom genannt.

Göttingen (csr-news) > Der Landraub bedroht weltweit die Existenz von Millionen Ureinwohnern, darauf macht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) im Rahmen ihres aktuellen Menschenrechtsreports aufmerksam. „Die große Nachfrage von Investoren nach fruchtbarem Ackerland hat dazu geführt, dass indigene Völker in den vergangenen zehn Jahren viele Millionen Hektar Land verloren haben“, beklagt die GfbV. Als eine der wesentlichen Ursachen wird der Palmöl-Boom genannt.

Der Landraub hat in den vergangenen zehn Jahren enorme Ausmaße angenommen. Vor einigen Wochen haben mehrere Institute (unter anderem die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ) den Bericht „Land Matrix“ herausgegeben und mehr als 1200 Landtransaktionen ab einer Größe von mehr als 200 Hektar erfasst. Demnach haben sich internationale Investoren in den vergangenen zwölf Jahren mehr als 83 Millionen Hektar Land angeeignet. Das tatsächlich Ausmaß dürfte weitaus höher liegen, wie die Entwicklungsorganisation Oxfam vermutet. Deren Experten gehen davon aus, dass in diesem Zeitraum mindestens 227 Millionen Hektar Land ihren Besitzer gewechselt haben. Gerade die ärmsten Länder sind häufig am stärksten betroffen. Dies geht auch aus dem aktuellen GfbV-Report hervor. Demnach ist die Lage in den südostasiatischen Staaten Indonesien, Malaysia, Philippinen und Kambodscha besonders dramatisch. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat vor allem die Auswirkungen auf indigene Völker untersucht. Nach ihren Schätzungen gibt es weltweit rund 6.500 indigene Gemeinschaften mit mehr als 370 Millionen Angehörigen.

„Vor allem der Palmöl-Boom hat tödliche Folgen für indigene Völker, weil er systematisch den Landraub schürt und die wirtschaftliche und kulturelle Existenz von Ureinwohner-Gemeinschaften zerstört“, heißt es vom GfbV. Beispielhaft wird unter anderem Indonesien genannt, wo besonders viele der rund 40 Millionen Ureinwohner unter den Folgen des expandierenden Ölplantagen-Anbaus litten. Bis zum Jahr 2020 sollen dort auf sieben Millionen Hektar Land neue Ölpalm-Plantagen entstehen. Dayak-Ureinwohner auf der Insel Borneo und Papua-Ureinwohner auf der Insel Neuguinea protestieren gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage. Allein 2011 gab es in Indonesien 2.791 Landrechtsauseinandersetzungen. Nicht viel besser ist die Lage im Nachbarland Malaysia, wo 150.000 Orang-Asli-Ureinwohner und drei Millionen Dayak um ihr Überleben fürchten. Sie gehen wegen des Landraubs vor Gericht. Vor Malaysias Gerichten sind mehr als 200 Landrechtsverfahren anhängig. Aber auch in Russland (Sibirien), Burma, Äthiopien, Sudan, Südsudan, Guatemala, Kolumbien und Argentinien führt Landraub dazu, dass indigene Völker um ihr Überleben fürchten müssen.

Anhand von zwölf Beispielen aus Asien, Afrika und Süd- sowie Mittelamerika dokumentiert die GfbV, wie nationale und internationale Agrar-Unternehmen sowie Investmentfonds oft ohne Wissen der Indigenen langfristig Agrarflächen pachten, die seit Generationen von den Ureinwohnern genutzt werden. „Behörden und Institutionen leisten bereitwillig Hilfe bei diesem staatlich sanktionierten Landraub, in dem sie Gebiete der Ureinwohner für „herrenlos“ und „ungenutzt“ erklären.“ Dabei wird auch nicht davor zurückgeschreckt, Ureinwohner einzuschüchtern und zu bedrohen.