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Wie Stiftungen ihre Geldanlage als Hebel nutzen

Wie können Stiftungen ihr Kapital wirkungsorientiert anlegen? Diese Frage beantwortet erstmals die Studie „Mission Investing im deutschen Stiftungssektor“ vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Demnach könnte der deutsche Stiftungssektor um 300 Prozent wirksamer sein, wenn die Stiftungen nur drei Prozent ihres geschätzten Gesamtvermögens in Höhe von 100 Milliarden Euro zweckbezogen angelegen würden.

Berlin (csr-news) > Wie können Stiftungen ihr Kapital wirkungsorientiert anlegen? Diese Frage beantwortet erstmals die Studie „Mission Investing im deutschen Stiftungssektor“ vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Demnach könnte der deutsche Stiftungssektor um 300 Prozent wirksamer sein, wenn die Stiftungen nur drei Prozent ihres geschätzten Gesamtvermögens in Höhe von 100 Milliarden Euro zweckbezogen angelegen würden.

Gemeinsam mit der Impact in Motion GmbH hat der Verband die 200 kapitalstärksten Stiftungen befragt, ob und wie sie zweckgebunden und gemeinwohlorientiert ihre Stiftungsgelder investieren. Fast die Hälfte gibt an, dies für die Zukunft zu planen. Gleichwohl investieren bereits 77 Prozent der befragten Stiftungen im Sinne ihres Stiftungszwecks. „In Zeiten einer negativen Realverzinsung müssen sich die Stiftungen neu orientieren. Wer Stiftungsvermögen, Erträge und Stiftungszweck als Einheit denkt, kann die Wirkung einer Stiftung um ein Vielfaches steigern. So kann eine Sozialstiftung für den Ausbau eines Pflegeheim ein Darlehen geben oder sich an der Gründung eines Sozialunternehmens beteiligen. Eine Bildungsstiftung könnte in Bildungsfonds investieren, aus denen Studenten verbilligte Studiendarlehen erhalten. Wir möchten mit der Studie zum notwendigen Paradigmenwechsel im deutschen Stiftungssektor beitragen“, sagt Dr. Hermann Falk, Stv. Generalsekretär im Bundesverband Deutscher Stiftungen. „Die Hebelwirkung liegt darin, dass die Stiftung ihr Kapital doppelt wirken lassen kann: Zum einen erzielt sie eine marktübliche Verzinsung und zum Zweiten eine Gemeinwohlwirkung etwa in Form von zusätzlichen Pflegeplätzen oder Studiendarlehen“, ergänzt Melinda Weber, Autorin der Studie und Managing Partner der Impact in Motion GmbH.

Mission Investing befindet sich in Deutschland noch in der Experimentierphase. Die Autoren der Studie empfehlen deshalb auch eine schrittweise Einführung. Stiftungen können zunächst einen Teil ihres Vermögens für zweckgebundene Investments reservieren und innerhalb der gewohnten Anlageklassen nach Investitionsmöglichkeiten suchen. Auch wenn beim Mission Investing für Stiftungen ungewohnte Anlageklassen wie beispielsweise Darlehen und Beteiligungen eine stärkere Berücksichtigung finden, stehen dem zweckgebundenen Investment, nach Angaben der bereits entsprechend praktizierenden Stiftungen, weder interne Richtlinien noch rechtliche Rahmenbedingungen entgegen. Dennoch empfiehlt es sich, Anlageentscheidungen stiftungs- und steuerrechtlich sorgfältig zu prüfen. Gerade dieser Prüfaufwand wird von zahlreichen Stiftungen als Hinderungsgrund genannt. Dabei ist Mission Investing durch die Vielfalt möglicher Investmentstrategien und Anlageklassen, weitgehend unabhängig von Größe, Art und Zweck einer Stiftung.

Die Studie zeigt praxisnah, wie Stiftungen bereits heute ihr Kapital auf die Ziele ihrer Stiftung ausrichten. Die Begriffe des in Deutschland noch relativ neuen Anlageverhaltens werden erläutert und mit dem angelsächsischen Raum verglichen. Zudem werden die verschiedenen Unterarten und Anlageklassen des Mission Investings vorgestellt. Hilfreich für Stiftungen ist die Darstellung der rechtlichen und steuerrechtlichen Aspekte sowie von Kriterien und konkreten Maßnahmen für den Aufbau einer entsprechenden Strategie. Glossar, Produktbeispiele und Adressen runden die Publikation ab.

Die Publikation „Mission Investing im deutschen Stiftungssektor“ kann beim Bundesverband Deutscher Stiftungen bezogen werden, steht aber auch zum Download bereit. Ebenfalls zum Download steht eine Präsentation der Studie von Autorin Melinda Weber bereit.

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