Nachrichten

Bauarbeiten an umstrittenem Belo-Monte-Staudamm erneut gestoppt

Brasília (afp) – Erneut hat ein brasilianisches Gericht einen Stopp der Bauarbeiten an dem umstrittenen Staudamm Belo Monte im Amazonasgebiet angeordnet. Die Justiz gab damit am Dienstag einem entsprechenden Antrag des Bundesstaats Pará statt, der moniert hatte, dass die Ureinwohner der Region vor dem Beginn der Bauarbeiten nicht angehört worden seien. Als das Parlament im Jahr 2005 das Projekt genehmigt habe, habe es eine Untersuchung möglicher negativer Folgen für die Umwelt nach Beginn der Bauarbeiten gefordert. Dies sei aber im Vorfeld nötig gewesen, erklärte das Gericht.

Dem Baukonsortium Norte Energía wurden daher nun unter Androhung hoher Strafzahlungen die Arbeiten untersagt. Zuerst müssten die Ureinwohner vom Parlament gehört werden, so wie es die Verfassung vorsehe, urteilte das Gericht. Norte Energía kann gegen das Urteil aber Berufung einlegen.

Der Bau des Staudamms ist seit jeher umstritten. Bereits im September vergangenen Jahres hatte ein Gericht einen Baustopp verhängt und geurteilt, der Bau hindere die Ureinwohner am Fischen. Weil die Regierung sich weigerte, an einem Vermittlungstreffen teilzunehmen und die Arbeiten fortgeführt wurden, hatten hunderte Ureinwohner und Umweltschützer daraufhin den Staudamm mehrmals besetzt, zuletzt vor wenigen Wochen.

Mit einer Leistung von 11.000 Megawatt soll das Wasserkraftwerk der drittgrößte Staudamm der Welt hinter dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem Itaipu-Staudamm an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay werden. Die Regierung sieht den Staudamm als zentral für die nationale Energieproduktion an. Umweltschützer warnen hingegen vor irreparablen Schäden am Ökosystem.