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Immer mehr Unternehmen verzichten auf Bisphenol in Kassenzetteln

Nach massiver Kritik am Einsatz der umstrittenen Industriechemikalie Bisphenol in Kassenzetteln stellen immer mehr deutsche Supermarkt-Ketten und Unternehmen ihre Technik um, so das „Greenpeace Magazin“. Fanden die Tester die Substanz im vergangenen Jahr in den Bons von acht getesteten Firmen, waren es aktuell lediglich noch zwei.

Hamburg (afp) – Nach massiver Kritik am Einsatz der umstrittenen Industriechemikalie Bisphenol in Kassenzetteln stellen immer mehr deutsche Supermarkt-Ketten und Unternehmen ihre Technik um. Das ergab eine Untersuchung, die das „Greenpeace Magazin“ am Dienstag vorstellte. Fanden die Tester die Substanz im vergangenen Jahr in den Bons von acht getesteten Firmen, waren es aktuell lediglich noch zwei.

Nachgewiesen wurde die Chemikalie den Angaben zufolge noch in Kassenzetteln der Supermarkt-Ketten Edeka und Kaiser’s. Doch auch diese Unternehmen haben nach eigenen Angaben bereits den Abschied von Bisphenol eingeläutet. Edeka habe bereits komplett auf Bisphenol-freie Bons umgestellt, teilte der Firmenverbund am Dienstag in Hamburg mit. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass in einigen Märkten derzeit noch alte Bonrollen aufgebraucht würden.

Eine Sprecherin der Unternehmensgruppe Tengelmann, zu der die Kaiser’s-Märkte gehören, teilte mit, die Firmenleitung habe am Dienstag beschlossen, „schnellstmöglich“ auf eine andere Technik umzurüsten. Bis Jahresende soll der Wechsel abgeschlossen sein.

Dass der Zeitpunkt der Entscheidung mit der Veröffentlichung der Studie zusammenfalle, sei zufällig, sagte die Tengelmann-Sprecherin. Unternehmen und Hersteller hätten schon seit längerem über eine Umstellung auf Bisphenol-freies Papier beraten. Dies sei aus technischen Gründen mit den firmeneigenen Druckern bisher nicht möglich gewesen. Ab sofort würden die Geräte aber ausgetauscht.

Bisphenol ist eine wegen ihrer möglichen Gesundheitsgefahren hochumstrittene Chemikalie. Sie kommt unter anderem in der Innenbeschichtung von Konservendosen oder in Plastikflaschen und -verpackungen aus Polycarbonat vor. Auf Kassenbons oder Fahrkarten aus Thermopapier-Druckern dient sie als sogenannter Farbbildner.

Unmittelbar ist Bisphenol nach Angaben des Bundesinstituts für Risikoforschung nur ganz schwach giftig. Es gehört aber zu einer Gruppe von Chemikalien, die unter anderem ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirken und als solche prinzipiell auch körperliche Prozesse wie Fortpflanzung und Gehirnentwicklung beeinflussen können.

Besonders umstrittenen ist die Variante Bisphenol A (BPA). Laut BfR sind zwar keine gesundheitsschädlichen Wirkungen bei Menschen nachgewiesen worden. Die EU-Kommission hat den Stoff 2011 nach heftigen Debatten aber aus Gründen des „vorsorgenden Verbraucherschutzes“ in Babytrinkflaschen verboten.

Laut „Greenpeace Magazin“ deuten wissenschaftliche Studien darauf hin, dass BPA unter anderem die Reifung des Gehirns von Kleinkindern schädigen und die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Die Organisation verweist zudem auf die schwedische Aufsichtsbehörde KEMI, die wegen der hormonellen Wirkung des Stoffes ein vorsorgliches BPA-Verbot in Quittungen fordere. Auch das bisweilen als weniger bedenklicher Ersatzstoff bezeichnete Bisphenol S (BPS) sei problematisch. Studien zeigten ähnliche hormonelle Wirkungen wie bei BPA.

Den Recherchen des „Greenpeace Magazins“ zufolge verzichteten fünf Unternehmen, bei denen Bisphenol-haltige Kassenrollen im vergangenen Jahr noch im Einsatz waren, mittlerweile darauf. Auf andere Hilfsstoffe umgestiegen sind demnach Aldi Nord, Rewe, Galeria Kaufhof und die Deutsche Post. Auch die Deutsche Bahn setze für ihre Automaten-Fahrkartendrucker auf eine andere Chemikalie.