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Bristol-Pfund: Hunderte Unternehmen schließen sich der südenglischen Initiative an

Die Sicherheitsfirma von Richard Wright im südenglischen Bristol wickelt ihre Geschäfte ab Mitte September in einer neuen Währung ab: dem Bristol-Pfund. Wright schloss sich der Initiative, die die Regionalwährung in der 500.000-Einwohner-Stadt verbreitet, schnell an, weil er hofft, damit den großen Sicherheitsunternehmen besser Paroli bieten zu können. 102 Regionalwährungen gibt es bereits in Europa, die in der Euro-Krise als Alternative zur europäischen Gemeinschaftswährung gehandelt werden.

Von Judith Evans

Bristol (afp) – Die Sicherheitsfirma von Richard Wright im südenglischen Bristol wickelt ihre Geschäfte ab Mitte September in einer neuen Währung ab: dem Bristol-Pfund. Wright schloss sich der Initiative, die die Regionalwährung in der 500.000-Einwohner-Stadt verbreitet, schnell an, weil er hofft, damit den großen Sicherheitsunternehmen besser Paroli bieten zu können. 102 Regionalwährungen gibt es bereits in Europa, die in der Euro-Krise als Alternative zur europäischen Gemeinschaftswährung gehandelt werden.

„Ich bin in Bristol geboren und aufgewachsen. Ich wollte schon immer die örtlichen Firmen unterstützen“, sagt Richard Wright. Mit dem neuen Geld kann nur in den Geschäften bezahlt werden, die sich für das Bristol Pound entschieden haben. Vorbild für die Initiatoren in Bristol ist der „Chiemgauer“, eine Regionalwährung für hunderte Ortschaften in Oberbayern, der sich fast 600 Unternehmen angeschlossen haben.

„80 Prozent des Geldes verlässt die Region, wenn es bei einem multinationalen Unternehmen ausgegeben wird. Aber 80 Prozent bleibt, wenn es bei einem örtlichen Händler in die Kasse kommt“, sagt der Mitbegründer der Währungsinitiative, Ciaran Mundy. Die neuen Geldscheine, die laut den Organisatoren fälschungssicher sind, zeigen örtliche Prominente, Unternehmen und Ereignisse.

Auch andere britische Städte haben bereits eigene Währungen eingeführt, das Projekt in Bristol ist aber das größte und ehrgeizigste. Unternehmen können ihre Steuern sogar in Bristol-Pfund bezahlen, und die Stadtverwaltung bot den 17.000 Angestellten an, einen Teil ihres Gehalts in der neuen Währung zu bekommen. Umtauschen in Pfund Sterling können die Einwohner von Bristol ihr neues Geld bei der Bristol Credit Union für eine Gebühr von drei Prozent.

Hunderte Unternehmen haben sich der Initiative angeschlossen, vom bekannten Arnolfini-Kunstzentrum bis zur Delikatessenkette Chandos. Das Interesse war so groß, dass der Start der Währung von Mai auf den 19. September verschoben werden musste. Louisa Jones und Joh Rindom, die im Stadtteil Stokes Croft eine Kleiderboutique betreiben, haben allerdings die Befürchtung, dass die neue Währung nur mehr Verwaltungsaufwand bedeutet. „Wir fürchten, dass eine Mikroökonomie in einer Makroökonomie etwas rückwärtsgewandt sein könnte“, sagt Rindom.

Auch der Investmentmanager Ben Yearsley, der für den Finanzdienstleister Hargreaves Lansdown in Bristol arbeitet, lehnt die neue Währung ab. „Es handelt sich nur um eine Art Geschenkgutscheine. Ich glaube nicht, dass das irgendeinen Unterschied macht.“ Die örtlichen Unternehmen müssten bei Qualität und Service wettbewerbsfähig sein.

Trotz der Skepsis hofft Mundy, dass im ersten Jahr hunderttausende Bristol Pounds in Umlauf kommen. Im dritten Jahr sollten es nach seiner Vorstellung dann schon zweistellige Millionenbeträge sein. Zum Vergleich: Der Umsatz des „Chiemgauer“, der 2003 eingeführt wurde, lag im vergangenen Jahr bei sechs Millionen.

Unterstützung findet die Idee der Regionalwährungen beim belgischen Wirtschaftswissenschaftler Bernard Lietaer, der den Wechselmechanismus zum Euro mit ausarbeitete. „Wir werden nie ein stabiles, nachhaltiges Währungssystem mit dem Monopol einer einzigen Währung haben, wer auch immer sie steuert“, sagte Lietaer bei einem Vortrag in Brüssel. „Nachhaltigkeit braucht Verschiedenartigkeit“.

Für das Bristol-Pfund kommt der Härtetest im September. Dann entscheiden die Verbraucher, ob die Regionalwährung ankommt. „Wenn wir keine gute Arbeit geleistet haben, werden sie das System nicht nutzen“, sagt Mitbegründer Mundy.

Der Bericht der Initiative auf Youtube