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Hintergrund: Netzausbau, Erneuerbare und Vergünstigungen für die Industrie

Seit Jahren wird Strom für Verbraucher in Deutschland stetig deutlich teurer. Einen Anteil daran hat die heftig umstrittene Förderung erneuerbarer Energien. Doch der Endpreis von Strom setzt sich aus vielen einzelnen Faktoren zusammen – dazu zählen unter anderem der Stromeinkauf, die Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben.

Von Florian Oel

Berlin (afp) – Seit Jahren wird Strom für Verbraucher in Deutschland stetig deutlich teurer. Einen Anteil daran hat die heftig umstrittene Förderung erneuerbarer Energien. Doch der Endpreis von Strom setzt sich aus vielen einzelnen Faktoren zusammen – dazu zählen unter anderem der Stromeinkauf, die Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben.

BÖRSENPREIS: Der Börsenpreis von Strom gibt einen Hinweis darauf, wie viel es tatsächlich kostet, Strom herzustellen. Hinzu kommt aber immer Spekulation: Denn Strom wird teils lange Zeit im Voraus gekauft. Die Stromeinkäufer spekulieren also darauf, ob Strom langfristig teurer oder billiger wird. In den vergangenen Jahren stieg der Börsenpreis zunächst, sinkt aber inzwischen seit einiger Zeit wieder. Die Energieerzeuger geben den Anteil von Strombeschaffung, Vertrieb und Service am Strompreis mit 35 Prozent an.

NETZAUSBAU: Der Betrieb, die Wartung und der Ausbau der Netze werden über die sogenannten Netzentgelte finanziert. Sie machen rund 20 Prozent des Strompreises aus. Steigen dürften die Entgelte in Zukunft, da im Rahmen der Energiewende neue Strom-Autobahnen quer durch Deutschland und mehr Netze über Grenzen hinweg notwendig sind. Hohe Kosten dürften auch für die Anbindung der Meeres-Windparks anfallen. Den hohen Investitionen sollen aber Einsparungen gegenüber stehen: Denn wenn die Netze künftig besser funktionieren, sind weniger teure Eingriffe der Netzbetreiber zur Stabilisierung nötig.

ERNEUERBARE: Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird in Deutschland mit der EEG-Umlage durch fast alle Stromverbraucher finanziert. Das meiste Geld davon fließt in die Förderung von Sonnenstrom, obwohl er nur einen relativ kleinen Teil der Ökoenergie ausmacht. Da der Bau neuer Solarstrom-Anlagen aber weiter boomt, dürfte die EEG-Umlage ab 2013 erneut deutlich steigen – und dann rund 18 Prozent des Strompreises ausmachen. Auf der anderen Seite senkt Solarenergie den Strompreis an der Börse – denn sie fließt am meisten mittags, wenn Strom aufgrund der hohen Nachfrage früher am teuersten war.

VERGÜNSTIGUNGEN FÜR INDUSTRIE: Energieintensive Unternehmen genießen eine ganze Reihe Vergünstigungen. Sie sollen damit im internationalen Wettbewerb gestärkt werden. Kritiker merken aber an, dass viele Unternehmen begünstigt werden, die gar nicht mit ausländischer Konkurrenz kämpfen. Eine ganze Reihe Firmen ist beispielsweise von der EEG-Umlage ganz oder teilweise befreit. Die entfällt übrigens auch, wenn ein Unternehmen selbst Strom erzeugt – weshalb Unternehmen gerne Teile von Kraftwerken übernehmen oder diese pachten. Auch müssen viele Konzerne kaum oder keine Ökosteuer und Netzentgelte zahlen.

STEUERN: Mehr als ein Viertel des Strompreises machen Steuern und Abgaben aus. Zahlen müssen Kunden die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer. Letztere ist auch auf die EEG-Umlage fällig – steigt diese, steigt also auch die Mehrwertsteuer. An die Kommunen müssen die Stromkonzerne zudem die sogenannte Konzessionsabgabe für die Nutzung der Infrastruktur zahlen.

EMISSIONSHANDEL: Um den klimaschädlichen Treibhausgas-Ausstoß zu senken, führte die Europäische Union 2005 den Emissionshandel ein. Dabei erhalten Unternehmen wie Kraftwerk-Betreiber eine bestimmte Zahl Verschmutzungsrechte. Den größten Teil davon bekamen sie bislang kostenlos, nur für einen kleinen Teil mussten sie zahlen. Trotzdem schrieben sie die Verschmutzungsrechte mit ihrem vollen Wert als Ausgaben in ihre Bilanzen – und rechneten sie beim Strompreis mit ein, was diesen in die Höhe trieb.

WETTBEWERB: Ein großes Manko in Deutschland ist noch immer der mangelnde Wettbewerb. Zwar buhlen mittlerweile hunderte Anbieter um die Kunden, doch letztendlich beherrschen noch immer vier große Konzerne das Energiegeschäft. Die Verbraucher sind außerdem wenig wechselfreudig: Die allermeisten Stromkunden haben noch nie ihren Anbieter oder auch nur ihren Tarif gewechselt. Sie alle zahlen deshalb unter Umständen hunderte Euro mehr im Jahr als nötig.