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Immobilien: Nachhaltigkeitsstrategien gewinnen an Bedeutung

Steigt in der Immobilienwirtschaft das Interesse an „grünen Strategien“ oder wird Nachhaltigkeit eher als Modetrend wahrgenommen? Zwei aktuelle Studien zeigen die zunehmende Bedeutung umfangreicher Nachhaltigkeitsstrategien für den Vertrieb und Betrieb von Immobilien. Allerdings fehlt es noch an Transparenz, Messbarkeit und einer Bedeutungsdefinition.

Frankfurt (csr-news) > Steigt in der Immobilienwirtschaft das Interesse an „grünen Strategien“ oder wird Nachhaltigkeit eher als Modetrend wahrgenommen? Zwei aktuelle Studien zeigen die zunehmende Bedeutung umfangreicher Nachhaltigkeitsstrategien für den Vertrieb und Betrieb von Immobilien. Allerdings fehlt es noch an Transparenz, Messbarkeit und einer Bedeutungsdefinition.

Nicht einmal 20 Prozent der rund 170 von Union Investment befragten Immobilieninvestoren sind der Meinung, dass sie in ihren jeweiligen Ländern eindeutige Beurteilungskriterien für nachhaltige Gebäude vorfinden. In der gleichen Studie betonen die Investoren aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien aber die Notwenigkeit von Benchmarks als Voraussetzung für mehr Transparenz. Eine von Ernst & Young Real Estate durchgeführte Studie zum gleichen Thema kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Hier wurden rund 70 Investoren, Projektentwickler und Großmieter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Als wesentliche Herausforderung wird hier die Messung von Nachhaltigkeit genannt, und zwar sowohl auf Unternehmens- wie auch auf Portfolioebene. „Insbesondere Verbrauchsdaten von Mietern sind bei umfangreichen Immobilienbeständen nicht immer leicht zu erheben“, beobachtet Dietmar Meister von Ernst & Young. An einer portfolioweiten Nachhaltigkeitsbetrachtung führe dennoch kein Weg vorbei, so die Mehrheit der Befragten. „Nachhaltigkeit wird auch in der Immobilienbranche zunehmend ganzheitlich gesehen“, sagt Dr. Reinhard Kutscher, Geschäftsführer der Union Investment Real Estate GmbH. Wesentlicher Einflussfaktor beispielsweise auf die Umweltbilanz von Gebäuden hat dabei das Verhalten der Nutzer. Hier zeigen sich allerdings nationale Unterschiede. Während etwa in Frankreich und Großbritannien dem Nutzerverhalten eine große Bedeutung zugewiesen wird, ist dies in Deutschland signifikant niedriger. Dennoch macht sich hier ein neuer Trend breit, die sogenannten „Grünen Mietverträge“ oder auch „Grüne Kaufverträge“. Damit wird das Ziel verfolgt, dass eine nachhaltige Immobilie auch nachhaltig bleibt. Nachhaltigkeitskriterien haben so unmittelbaren Einfluss auf Verträge mit entsprechenden Sonderkündigungsrechten bei Nichteinhaltung.

Nachhaltigkeitskriterien werden also nicht mehr nur anhand der Energieeffizienz gesehen wird, auch wenn dies weiterhin eine hohe Bedeutung hat. „Jahrelang hat die Branche gefordert, dass Nachhaltigkeit weg muss vom zu großen Öko-Fokus. Der Markt hat die Forderung angenommen und sieht das Thema zunehmend breiter“, so Meister. Neben dem Image spielen dafür vor allem handfeste ökonomische Gründe eine Rolle. „Dabei geht es nicht allein um die Höhe des Wertes, sondern auch um die Frage, ob ein nicht nachhaltiges Portfolio überhaupt einen Käufer findet“, so Meister. Immerhin 80 Prozent der befragten nennen in der Ernst & Young Studie die Wiederverkaufbarkeit als wesentlichen Grund, Nachhaltigkeitskriterien auf das ganze Portfolio auszuweiten. Dazu gehören dann neben dem Energieverbrauch auch Lebenszykluskosten oder beispielsweise das gesamte Abfallvolumen. Nicht zuletzt geht es auch um vergünstigte Kreditkonditionen. Vor allem in der Schweiz spielt dies eine gewichtige Rolle, etwa beim Einsatz des Energielabels „Minergie“. Unter den Instrumenten, die eingesetzt werden, um die Umweltperformance des Gesamtportfolios zu verbessern, hat die „Instandhaltung nach nachhaltigen Aspekten“ aus Sicht der Investoren besonders an Bedeutung gewonnen, heißt es in der Studie von Union Investment. An Bedeutung gewinnt aber auch die Auswahl geeigneter Dienstleister und auch Mieter der Objekte.

Insgesamt scheint der Markt eine rasante Entwicklung zu nehmen. Immer mehr der Immobilienunternehmen berichten auch über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen und bei mehr als 30 Prozent ist Nachhaltigkeit Bestandteil einer umfassenderen Geschäfts- oder CSR-Strategie. Auch Prof. Dr. Sven Bienert von der IREBS-Immobilienakademie bestätigt eine positive Entwicklung. Die Bemühungen der Marktteilnehmer seien längst keine reine Werbemaßnahme mehr: „Es handelt sich um ernst gemeinte Nachhaltigkeitsstrategien, die sich in einer langfristigen Denkweise und in veränderten Anlagestrategien ausdrückt.“ Dies werde wohl so bleiben. „Das Thema Nachhaltigkeit wird auch zukünftig einen übergeordneten Stellenwert einnehmen.“ Dabei würden die von Zertifikaten ausgedrückten Qualitäten einzelner Immobilien nur einen kleinen Ausschnitt der grundlegenden und strukturellen Veränderungen ausmachen. „Es geht nicht nur um die Objekte, es geht ebenso um Portfolio- und sogar die Unternehmensbetrachtung“, so Bienert.

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