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2,2 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss: Gewerkschaften fordern Ausbildungsplatzgarantie

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Ausbildungsplatzgarantie gefordert. Unter den 20- bis 34-Jährigen gibt es laut einer DGB-Studie insgesamt 2,2 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss. Das sind demnach gut 15 Prozent dieser Altersgruppe. Diese Quote liege konstant hoch auf diesem Niveau.

Berlin (afp) – Zum Start des neuen Ausbildungsjahres hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Ausbildungsplatzgarantie gefordert. „Alle jungen Menschen müssen durch Ausbildung die Chance haben, selbst ihren Lebensunterhalt zu bestreiten“, erklärte DGB-Vize Ingrid Sehrbrock am Freitag in Berlin. In Deutschland haben laut einer Studie der Gewerkschaft mehr als zwei Millionen junge Menschen keinen Berufsabschluss.

„Eine verlorene Generation können wir uns nicht leisten“, mahnte Sehrbrock. Dabei stünden die Arbeitgeber in der Pflicht. Trotz leichter Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt bestehe kein Grund zur Euphorie. Noch immer seien fast 300.000 junge Menschen in den Warteschleifen des Übergangssystems, ohne Aussicht auf eine abgeschlossene Ausbildung. Vor allem Hauptschüler hätten schlechte Chancen. „Die faktische Abschottung der Hälfte der Ausbildungsberufe für niedrigere Bildungsabschlüsse muss ein Ende haben“, forderte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Die Arbeitgeber seien gut beraten, „von ihrem hohen Ross herunterzukommen und die jungen Menschen nicht länger als ’nicht ausbildungsreif‘ zu stigmatisieren“, erklärte das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Stephanie Odenwald. Der Sprecher des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit, Walter Würfel, kritisierte, die Unternehmen hätten ihre gute Auftragslage in den vergangenen Jahren kaum genutzt, um mehr junge Menschen auszubilden und auch denen eine Chance zu geben, die mehr Unterstützung bräuchten.

Unter den 20- bis 34-Jährigen gibt es laut einer DGB-Studie insgesamt 2,2 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss. Das sind demnach gut 15 Prozent dieser Altersgruppe. Diese Quote liege konstant hoch auf diesem Niveau.

Die auf dem Bildungsgipfel im Jahr 2008 von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder versprochene Halbierung der Quote der jungen Menschen ohne Berufsabschluss „scheint somit ausgeschlossen“, heißt es in der DGB-Studie. Auf dem Dresdner Bildungsgipfel hatten sich Bund und Länder auf das Ziel verständigt, die Zahl der Schulabbrecher und die Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss jeweils zu halbieren.

Von den 2,2 Millionen jungen Menschen ohne Berufsabschluss haben der Studie zufolge 1,8 Millionen einen Schulabschluss. Insgesamt 65 Prozent der jungen Ausbildungslosen verfügten über einen Realschul- (20,6 Prozent) oder einen Hauptschulabschluss (45,2 Prozent). Ohne Berufsabschluss sind die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt schlecht. Von den 2,2 Millionen betroffenen jungen Menschen seien nur 1,2 Millionen erwerbstätig, hieß es in der Studie. Schafften es die jungen Ungelernten, Arbeit zu finden, handele es sich überdurchschnittlich oft um prekäre Beschäftigungsverhältnisse.

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