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Ergo-Chef hält auch nach Sex-Skandal an Belohnungsreisen fest

München (afp) – Auch nach den Lustreisen-Skandalen will der Chef der Versicherungsgruppe Ergo, Torsten Oletzky, Vertriebsmitarbeiter mit Reisen belohnen. “Motivation spielt in jedem Vertrieb eine wichtige Rolle”, sagte Oletzky dem Nachrichtenmagazin “Focus” nach einem Vorabbericht vom Wochenende. Er halte es deswegen auch “weiterhin für vertretbar, dass es Motivationselemente wie Wettbewerbe und Incentive-Reisen gibt”.

Trotz der neu bekannt gewordenen Lustreisen von Versicherungsvertretern der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer in ein Swinger-Hotel auf Jamaika und womöglich auch nach Mallorca hielt Oletzky an seiner früheren Einschätzung fest, dass die Vorgänge in Budapest ein Einzelfall waren. “Das Ergebnis ist eindeutig, die Budapestreise war einzigartig. Wir haben nichts nach Art und Umfang Vergleichbares gefunden”, sagte er dem “Focus”. Während die Sex-Party in Budapest von angestellten Mitarbeitern organisiert worden sei, seien die Jamaika-Reisen dezentral von den Vermittlern selbst organisiert worden.

Ergo hatte am Donnerstag bestätigt, dass erfolgreiche Vertreter zur Belohnung mehrmals in einen Swingerclub in Jamaika reisten; ein mutmaßlicher Bordellbesuch auf Mallorca 2005 habe letztlich nicht geklärt werden können. Art und Umfang dieser Reisen seien aber nicht vergleichbar mit der Lustreise nach Budapest 2007.

Damals besuchten die Teilnehmer der Reise auf Kosten der Versicherung eine Feier mit Prostituierten. Der Skandal war im Mai 2011 bekannt geworden – Ergo reagierte mit einem neuen Verhaltenskodex, der ab August 2011 nicht nur für Angestellte des Unternehmens, sondern auch für Versicherungsvermittler gilt, die selbstständig für Ergo arbeiten.

Die Hamburg-Mannheimer gehört seit 1997 zur Ergo-Versicherungsgruppe; die Marke gibt es seit 2010 nicht mehr. Ergo ist eine Tochter des Rückversicherers Münchner Rück; in Deutschland arbeiten rund 19.600 Menschen für den Versicherungskonzern.