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Fast jede zweite Führungsposition in Deutschland geht an eine Frau

Auch ohne Quote schaffen es Frauen in deutschen Unternehmen immer häufiger in Führungspositionen. In den vergangenen zwölf Monaten seien knapp 41 Prozent aller neuen Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt worden, heißt es in einer Untersuchung der Personalberatungsgesellschaft Egon Zehnder International. Damit liege Deutschland sogar über dem europäischen Durchschnitt.

Berlin (afp) – Auch ohne Quote schaffen es Frauen in deutschen Unternehmen immer häufiger in Führungspositionen. In den vergangenen zwölf Monaten seien knapp 41 Prozent aller neuen Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt worden, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der Personalberatungsgesellschaft Egon Zehnder International. Damit liege Deutschland sogar über dem europäischen Durchschnitt.

Für die Studie untersuchte Egon Zehnder International rund 350 der größten europäischen Unternehmen in 17 Ländern. Die dabei befragten 41 deutschen Unternehmen hatten zwischen Mai 2011 und Mai 2012 insgesamt 81 Führungsposten neu zu besetzen, von denen 33 an Frauen gingen. Europaweit wurde demnach etwa jeder dritte neue Managerposten mit Frauen besetzt. Spitzenreiter war Frankreich, wo rund 53 Prozent der neuen Führungspositionen an Frauen gingen.

Auch in den Aufsichtsräten und Vorständen deutscher Unternehmen sind Frauen auf dem Vormarsch: Mitte 2012 waren laut Egon Zehnder International 12,8 Prozent der Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder weiblich. 2010 lag der Anteil noch bei 8,7 Prozent. Betrachte man nur die Vorstandsposten, bleibe der Frauenanteil aber auf niedrigem Niveau. Lediglich in 4,5 Prozent der befragten Unternehmen sitzen demnach Frauen im Vorstand.

Europaweit haben Frauen der Untersuchung zufolge derzeit 15,6 Prozent der Sitze in Vorständen und Aufsichtsräten inne, also etwa jeden siebten dieser Posten. Der Frauenanteil sei im Vergleich zu 2010 damit um 28 Prozent gestiegen. Wenn der derzeitige Trend anhält, könnte nach Einschätzung der Autoren der Studie in fünf Jahren jeder vierte Posten in den Führungsgremien europäischer Unternehmen mit Frauen besetzt sein.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding war in den vergangenen Tagen mit ihrem Vorstoß zu einer europaweiten Frauenquote in Aufsichtsräten auf scharfe Kritik gestoßen. Sie will für die Zeit ab 2020 eine Quote von 40 Prozent gesetzlich verankern. Auf Widerstand stieß sie mit ihrem Vorschlag vor allem in Großbritannien. Dort ist laut Egon Zehnder International knapp jeder fünfte Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt. Großbritannien liegt damit über dem europäischen Durchschnitt.

Die meisten Frauen sind in Norwegen in Aufsichtsräten und Vorständen vertreten. Dort ist mehr als jeder dritte dieser Posten mit einer Frau besetzt – allerdings waren es im Jahr 2008 schon einmal 44,2 Prozent. Norwegen hat sich gesetzlich eine Frauenquote von rund 40 Prozent für Vorstände staatlicher und großer börsennotierter Konzern verordnet. Laut Egon Zehnder International können aber bei der Berücksichtigung von Frauen bei der Personalauswahl Finnland und Schweden mithalten – auch ohne Quote.

Die Studie der Personalberatung zeigt auch regionale Unterschiede. Während in Dänemark, Finnland, Frankreich, Norwegen und Schweden in allen Aufsichtsräten und Vorständen der untersuchten Unternehmen mindestens eine Frau saß, sind die Führungsgremien jedes zweiten Unternehmens in Luxemburg und Portugal noch ausschließlich mit Männern besetzt. In Griechenland, Italien und den Niederlanden haben ein Drittel der Unternehmen gar keine Frau in Vorstand oder Aufsichtsrat.