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Kartoffeln und Gurken aus luftiger Höhe: „Urban Gardening“ in Hongkong

Mitten in der Steinwüste von Hongkong grünt es auf dem Dach eines 14-stöckigen Gebäudes: in mit Erde gefüllten Kisten wachsen Gurken und Kartoffeln, die von Hobbygärtnern der chinesischen Sieben-Millionen-Metropole biologisch angebaut werden. „Ich bin glücklicher, wenn ich das esse, was ich selbst gepflanzt habe“, sagt die Krankenschwester Melanie Lam. Sie kommt zweimal pro Woche in die „City Farm“ im Bezirk Quarry Bay, um nach ihren Beeten zu sehen.

Von Sam Reeves

Hongkong (afp) – Mitten in der Steinwüste von Hongkong grünt es auf dem Dach eines 14-stöckigen Gebäudes: in mit Erde gefüllten Kisten wachsen Gurken und Kartoffeln, die von Hobbygärtnern der chinesischen Sieben-Millionen-Metropole biologisch angebaut werden. „Ich bin glücklicher, wenn ich das esse, was ich selbst gepflanzt habe“, sagt die Krankenschwester Melanie Lam. Sie kommt zweimal pro Woche in die „City Farm“ im Bezirk Quarry Bay, um nach ihren Beeten zu sehen. „Im Vergleich zu Gemüse aus dem Supermarkt schmeckt meins aromatischer und frischer“, lobt sie ihre Produkte.

Freie Flächen sind Mangelware in Hongkong, einer der am dichtesten besiedelten Städte weltweit. Deshalb weichen die Bewohner auf die Dächer der Hochhäuser aus, um ihr Gemüse zu ziehen. Offizielle Zahlen gibt es nicht, da die Hobbygärtner keine besondere Erlaubnis brauchen. „Ich denke, der Gemüseanbau in der Stadt wird immer populärer. Wir sind in kurzer Zeit stark gewachsen“, sagt Osbert Lam, der Gründer der Hobbygärtner-Vereinigung „City Farm“.

Rund 100 Mitglieder hat „City Farm“ zwei Jahre nach der Gründung. Die Vereinigung bietet 400 Pflanzboxen auf einer 930 Quadratmeter großen Dachfläche. Rund 15 Euro kostet ein solches Stück Garten monatlich. „Die Leute, die kommen um zu gärtnern, sind so glücklich. Das ist wie ein Beruhigungsmittel, ein Tapetenwechsel“, schwärmt die 28-jährige Lam.

Im Stadtteil To Kwa Wan auf der Halbinsel Kowloon macht der Gemüseanbau nicht nur die Gärtner glücklich, sondern bringt auch die Nachbarn einander näher. Chu Pui-Kwan kam dort zusammen mit zwei Freunden auf die Idee, auf dem Dach eines zwölfstöckigen Gebäudes einen Garten anzulegen. Die Pflanzboxen bauten die Drei aus alten Brettern von Baustellen zusammen und wandten sich dann zur weiteren Gestaltung an die Nachbarschaft: „Wir haben die alten Leute der Gegend eingeladen und ihnen Pinsel gegeben, damit sie die Kisten anmalen“, sagt sie. „Sie hatten so viel Spaß.“

Jetzt wachsen Spinat, Bohnen, Zitronengras, Minze und Rosmarin in den bunt angemalten Beeten. Sogar Schulklassen kommen in den Dachgarten, um etwas über Gemüseanbau in der Stadt zu lernen. Chu gehört auch der Initiative Time To Grow an, die sich für vor Ort angebaute Produkte einsetzt. Einmal pro Woche bietet sie Kurse im Victoria Park an. „Die Idee ist, in jeden Haushalt ein bisschen Grün zu bringen. Dächer, Fenster, sogar ein einziger Blumentopf reichen aus.“

Der Bioanbau wird in Hongkong ohnehin immer beliebter: waren es 2008 noch 123 Betriebe, die zum Regierungsprogramm für biologische Landwirtschaft gehörten, so stieg die Zahl dieses Jahr auf 193. Allerdings leisten die Dachgärten nur einen kleinen Beitrag: laut den offiziellen Zahlen stammt nur drei Prozent des Gemüses, das in Hongkong gegessen wird, aus der Stadt selbst.

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