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Unternehmensstiftungen brauchen Nähe und Distanz

Unternehmensstiftungen und die stiftenden Unternehmen brauchen das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz. „Kein Unternehmen sollte sich in seinem Engagement dem reinen Altruismus verpflichtet fühlen, auch nicht bei der Gründung einer Stiftung“, sagte der Leiter des Hauptstadtbüros des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Knut Bergmann. Andererseits sei jeder Firma zu raten, ihrer Stiftung Distanz zu ermöglichen.

Berlin (csr-news) – Unternehmensstiftungen und die stiftenden Unternehmen brauchen das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz. „Kein Unternehmen sollte sich in seinem Engagement dem reinen Altruismus verpflichtet fühlen, auch nicht bei der Gründung einer Stiftung. Eine solche Stiftung wiederum sollte mit dem Geld des Unternehmens nicht rein altruistisch handeln, schon weil sich dessen Arbeitnehmer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sonst fragen: ‚Was soll das?‘“, sagte der Leiter des Hauptstadtbüros des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Knut Bergmann, auf CSR NEWS-Anfrage. Wie jedes andere Firmenengagement brauche auch eine Stiftung einen strategischen Zusammenhang mit dem Unternehmen. Andererseits sei jeder Firma zu raten, ihrer Stiftung Distanz zu ermöglichen. Bergmann: „Unternehmensstiftungen können nur gut arbeiten, wenn sie die Unabhängigkeit in ihrer DNA haben.“ Diese Unabhängigkeit könne über eine ausreichende Kapitalausstattung sichergestellt werden, die der Stiftung die Durchführung ihrer Programme aus den Kapitalerträgen ermögliche. Zudem dürften Stiftungsgremien wie das Kuratorium nicht von Unternehmensvertretern dominiert werden.

Vor der Gründung solle sich ein Unternehmen gut überlegen, ob die Stiftung das richtige Instrument sei. „Für die meisten Engagementzwecke ist der eingetragene Verein die bessere Rechtsform: Er ist einfacher zu gründen und kann sein Kapital aufbrauchen, während Stiftungen für die Ewigkeit gegründet würden“, so Bergmann.

Insgesamt werde die gesellschaftliche Wirkung der Stiftungen überschätzt. „Stiftungen haben materiell keine sonderlich große Lenkwirkung in Deutschland“, sagte Bergmann. Ihr Anteil an der Finanzierung des Dritten Sektors betrage etwa nur 0,3 Prozent. Was alle deutschen Stiftungen gemeinsam pro Jahr in die Finanzierung von Bildung und Erziehung investierten, zahlten die deutschen Kultusministerien an einem Tag für die gymnasiale Oberstufe, sei eine weitverbreitete Schätzung laut Bergmann.

Die Orientierung der Stiftungen an der Erfolgsmessung habe zu einer Häufung von garantiert erfolgreichen Projekten, beispielsweise im Bildungsbereich geführt. Die reine Erfolgsorientierung, zumal an nur bedingt geeigneten Kennzahlen, widerspreche jedoch dem Stiftungsgedanken. Bergmann: „Stiftung können ein Stachel im Fleisch der Gesellschaft sein, wenn sie sich außergewöhnlichen Zwecken zuwenden.“

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