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Hilfswerke fordern von Autoindustrie mehr Einsatz für Menschenrechte

Die kirchlichen Hilfswerke werfen den deutschen Autoherstellern mangelnde Beachtung von Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in ihrer Lieferkette vor. Bei der Gewinnung von Rohstoffen für die Autoindustrie seien „schwerwiegende“ Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen sowie Umweltschäden „an der Tagesordnung“, erklärten „Misereor“, „Brot für die Welt“ und das Global Policy Forum Europe unter Berufung auf eine gemeinsame Studie.

Berlin (afp) – Die kirchlichen Hilfswerke werfen den deutschen Autoherstellern mangelnde Beachtung von Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in ihrer Lieferkette vor. Bei der Gewinnung von Rohstoffen für die Autoindustrie seien „schwerwiegende“ Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen sowie Umweltschäden „an der Tagesordnung“, erklärten „Misereor“ und „Brot für die Welt“ zusammen mit dem Institut Global Policy Forum Europe am Donnerstag unter Berufung auf eine gemeinsame Studie. Dies zeigten Fallbeispiele aus den Ländern wie Sambia, Guinea, Peru oder Indien.

Für Bergbau würden „immer wieder Flüsse und Grundwasser verseucht und die Luft verschmutzt“, erklärte Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor. Wälder würden abgeholzt, indigene und bäuerliche Gemeinschaften von ihrem Boden vertrieben und damit „ihrer Lebensgrundlagen beraubt, eingeschüchtert und bedroht“. Bergbaukonzerne oder verarbeitende Betriebe würden dafür aber nie zur Verantwortung gezogen.

Zwar erhielten Autokonzerne Rohstoffe nur indirekt in Form fertiger Teile von Zulieferern, teilten die Organisationen mit. Jedoch „untersuchen und kennen“ Autohersteller in der Regel durchaus die Herkunft von Rohstoffen, etwa wenn es Versorgungsrisiken für die Industrie gebe. Ähnliche Bemühungen seien auch im Falle von Menschenrechtsrisiken zu wünschen. Die Organisationen erwarteten von den deutschen Herstellern, dass diese als zentrale Abnehmer die Herkunft und Abbaubedingungen der vor ihr verwendeten Rohstoffe analysierten. Im Einkauf sollten strenge Sozial- und Umweltauflagen gelten.

Auch die Bundesregierung solle die Autoindustrie „zur gebührenden Sorgfalt in Bezug auf Menschenrechte und Umweltschutz entlang der gesamten Lieferkette verpflichten“, forderten die Organisationen. Deutschland sei über die Menschenrechtspakte der Vereinten Nationen verpflichtet, die Bevölkerung in Abbauregionen vor Menschenrechtsverletzungen durch international agierende deutsche Firmen „effektiv zu schützen“. Bisher jedoch setzte sich der Bund „vor allem dafür ein, dass deutschen Unternehmen einen freien und möglichst günstigen Zugang zu Rohstoffen erhalten“, erklärten die Organisationen.

Misereor ist ein Hilfswerk der katholischen Kirche, hinter Brot für die Welt steht die evangelische Kirche. Global Policy Forum Europe untersucht insbesondere die Politik der Vereinten Nationen.

Die Studie „Vom Erz zum Auto – Abbaubedingungen und Lieferketten im Rohstoffsektor und die Verantwortung der deutschen Automobilindustrie“ >> zum Download als PDF