Nachrichten

Aigner will Antibiotika-Einsatz in der Tiermast eindämmen

Berlin (afp) – Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast senken und dazu in der kommenden Woche eine Gesetzesnovelle vorlegen. Der Entwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes werde voraussichtlich am Mittwoch in das Bundeskabinett eingebracht, sagte eine Ministeriumssprecherin am Freitag. Kernpunkt ist die Einrichtung einer Datenbank zur Überwachung der Vergabe von Antibiotika.

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung steht massiv in der Kritik: Er begünstigt nach Ansicht von Experten die Entwicklung resistenter Erreger. Immer mehr Menschen sprechen daher auf eine Behandlung mit Antibiotika nicht mehr an. Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gaben Pharmaunternehmen und Großhändler im vergangenen Jahr 1734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte ab; 2005 sollen es 784 Tonnen gewesen sein.

Aigners Vorschlägen zufolge sollen nun Mastbetriebe verpflichtet werden, den Einsatz von Antibiotika zu melden. Sie müssen demnach zeitnah den Behörden übermitteln, welches Arzneimittel sie welchen Tieren wie lange verabreicht haben. Die zuständige Behörde ermittelt dann die monatliche und jährliche Durchschnittszahl der Behandlungen und leiten diese dem BVL weiter. Dieses berechnet wiederum den Bundesdurchschnitt.

Mastbetriebe, die diesen Durchschnitt überschreiten, müssen laut Gesetzesnovelle mit der Hilfe ihrer Tierärzte einen Plan erstellen, wie sie den Einsatz verringern wollen. Dazu sollen sie zunächst prüfen, warum ihre Tiere so häufig mit Antibiotika behandelt werden mussten. Den Plan müssen sie dann nach den Vorstellungen Aigners an die zuständige Behörde weiterleiten. Diese könne den Plan ändern oder um eigene Maßnahmen ergänzen, heißt es in dem Entwurf.

Die Agrarexpertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Reinhild Benning, erneuerte ihre Kritik an dem Gesetzentwurf, den Aigner bereits im Juli publik gemacht hatte. Die Behörden erhielten keine Befugnisse, um Sanktionen gegen Landwirte mit übermäßigem Antibiotika-Einsatz zu verhängen, sagte sie. Auch Fischfarmen und Zuchtanlagen müssten einer Meldepflicht unterliegen, forderte sie.

Aigner erklärte am Rande der Verbraucherschutzministerkonferenz in Hamburg, die Verschärfung des Arzneimittelgesetzes werde ihr Ziel „nicht verfehlen“. Der Einsatz von Antibiotika in Deutschland könne „innerhalb weniger Jahre“ deutlich gesenkt werden. Die Länderminister einigten sich nach Angaben des niedersächsischen Ressortchefs Gert Lindemann darauf, den Bund zu „bitten“, den Entwurf „weiter zu präzisieren und zu verschärfen“.

Mehrere Studien hatten einen übermäßigen Medikamente-Einsatz in der Tiermast aufgedeckt: Nordrhein-Westfalen etwa veröffentlichte Ende 2011 eine Untersuchung, wonach fast alle Hähnchen aus Mastbetrieben Antibiotika bekommen, und zwar zum Wachstums- oder Gesundheitsdoping. Niedersachsen kam zu ähnlichen Ergebnissen bei der Aufzucht von Kälbern und Schweinen. Der Einsatz von Antibiotika zur Wachstumsförderung ist allerdings verboten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar