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CSR today: der Bonner Marktplatz Guter Geschäfte (Textfassung)

Bonn (csr-news) – In einer exklusiven Lokation – dem Kameha Grand Hotel – trafen am vergangenen Freitag Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen zusammen, um miteinander „gute Geschäfte“ abzuschließen. Ein Zahlungsmittel war dabei nicht erlaubt: Geld. Bei den Verträgen zwischen Profit- und Non-Profit-Organisationen mussten also kreative Leistungen und Gegenleistungen vereinbart werden. Seit 2006 sind solche Marktplätze in Deutschland geläufig, bei denen Unternehmen und die Zivilgesellschaft auf Augenhöhe Leistungen austauschen und so gemeinsam das Engagement für die Region fördern. In Bonn veranstaltete die IHK Bonn/Rhein-Sieg nun zum zweiten Mal ein solches Zusammentreffen – und das mit einer hohen Anziehungskraft für Unternehmen und NGOs. Mit einer CSR-Initiative Rheinland sollen Unternehmen und gemeinnützige Organisationen zusammengebracht und für Corporate Social Responsibility fit gemacht werden. Michael Pieck von der IHK erklärt:

„Wir haben also auch in diesem Jahr wieder rund 35 Unternehmen und 35 gemeinnützige Organisationen. Bei den Unternehmen ist es so, dass vom kleinen, vom Einzelkämpfer, vom Agenturinhaber über Handwerksbetriebe bis hin zu größeren Unternehmen wie das Kameha oder die Stadtwerke Bonn-Thein/Sieg oder die Barmer GEK alles vertreten ist. Und bei den gemeinnützigen Organisationen gibt es eben Kindertagesstätten, Freizeiteinrichtungen, Jugendheime, aber auch kirchliche Organisationen, Wohlfahrtsverbände. Also es ist wieder ‚quer Beet‘ ein buntes Bild.“

NGOs werben bei diesem Marktplatz für ganz konkrete Projekte, die sie gemeinsam mit Unternehmen umsetzen wollen. Für das Diakonische Werk Bonn ist Birgit Donath mit dabei:

Moderator: „Vielleicht können Sie uns das vorstellen, was diese Kachel symbolisiert.“ [Frau Donath hält eine große Kachel mit einem aufgebrachten Pinsel in der Hand.]

Birgit Donath: „Das ist die OGS, die offene Ganztags-Grundschule in Medinghoven. Die haben zwei Räume, die gestrichen werden müssen, haben aber weder die Man-Power noch das Geld, um einen Betrieb zu bestellen, um das richtig professionell bezahlen zu lassen. Und die wünschen sich einen Maler oder einen Betrieb, der entweder da ünterstützend tätig ist oder diese zwei Räume anstreichen würde – innerhalb der Herbstferien.“

NGOs bieten eine Gegenleistung an, die auf die Unternehmenskultur oder die Qualifikation der Mitarbeiter einzahlt. Unterstützt wird der Abschluss von Engagementvereinbarungen durch Markler, zu denen der Berater Riccardo Wagner gehört:

Moderator: „Was müssen Unternehmen, was müssen NGOs mitbringen, um hier auch zu einem Abschluss zu kommen?“

Riccardo Wagner: „Bei den NGOs erst mal Kreativität. Das sieht man auch: die Verkleidung, wie man sich darstellt, dass man Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und bei den Unternehmen denke ich: in erster Linie einmal Offenheit. Weil viele Unternehmen kommen mit einer relativ konkreten Vorstellung: ‚Ich möchte heute einen Büroservice anbieten‘ oder sonst etwas. Oft kommt etwas ganz anderes dabei heraus. Also in die Gespräche ganz offen hineingehen, den anderen nehmen, wie er ist, und erst einmal sagen: ‚Was brauchst Du eigentlich, was kann ich für Dich tun, was biete ich an?‘ Und da kommt manchmal eine ganz andere Vereinbarung ‚raus.“

Moderator: „Und auch bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen werden Sie versuchen, eine Atmosphäre zu schaffen, die solche Begegnungen erleichtert.“

Riccardo Wagner: „Absolut. Dafür sind wir Makler da. Am Anfang ist ja immer ein bisschen mehr Zurückhaltung. Wir werden die sein, die die Leute zusammenbringen und auch ein bisschen vermitteln.“

Bereits im vergangenen Jahr war das Bonner Kameha Grand Hotel dabei. In diesem Jahr ist Direktor Kurt Wagner mit seinem Haus Gastgeber des Marktplatzes.

Kurt Wagner: „Für uns ist das wirklich eine schöne Geschichte für die Region. Wir haben letztes Jahr einige Verträge geschlossen. Wir waren zum Beispiel im Krankenhaus und haben dort für Behinderte einen Kochkurs gemacht mit unserem Küchenchef. Wir haben verschiedene Gutscheine verschenkt, und ich denke: Es ist immer gut, auch für die Umgebung hier viel zu tun und für die Leute da zu sein.“

Herzstück der Veranstaltung ist eine Art Börse, bei der in einem geschlossenen Raum auf ein Zeichen hin die Engagementverhandlungen beginnen.

[Die Veranstaltung beginnt mit einem Gong. Ein Sprecher erklärt, woran Unternehmensvertreter und woran NGO-Vertreter zu erkennen sind.]

Offensichtlich gelingt der Austausch zwischen den Vertretern der Unternehmen und der Vereine gut. In der Mitte des Raumes halten Notare die getroffenen Engagementvereinbarungen fest. Es dauert nur fünf Minuten, bis der Moderator den Abschluss einer ersten Vereinbarung verkünden kann. Um diesen Absprachen eine höhere Verbindlichkeit zu geben, werden sie zudem unmittelbar nach der Veranstaltung im Internet veröffentlicht. Denn eine Erfahrung des letzten Bonner Marktplatzes zeigte, dass nicht alles umgesetzt wurde, was abgesprochen war. Am Ende dieses Marktplatzes sind 72 Engagementvereinbarungen unterzeichnet, 13 mehr als im Vorjahr. Unternehmen und Vereine sind um eine Kommunikationserfahrung reicher und haben konkrete gemeinsame Projekte für ihre Region vor Augen. Und auch als Austauschforum der NGO-Vertreter und der Unternehmensvertreter in ihrem jeweils eigenen Kreis hat sich der Marktplatz bewährt. Die Bonner Erfahrungen zeigen: Auch nach sechs Jahren „Marktplatzmethode“ in Deutschland funktioniert dieses Veranstaltungsformat dynamisch und bringt unterschiedliche gesellschaftliche Akteure an einen Tisch.

Die >> Videoreportage auf CSR NEWS.

Weitere Informationen zur Marktplatz-Methode auf der >> Website „Gute Geschäfte“ (Bertelsmann Stiftung)

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