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„Zum Unternehmer berufen“

„Der Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft ist uns ein großes Anliegen“, sagte Kardinal Peter K.A. Turkson bei der Vorstellung der jüngsten Publikation des „Päpstlichen Rates“. Mit der Schrift „Zum Unternehmer berufen!“ wendet sich die katholische Kirche erstmal explizit an Unternehmer und Führungskräfte der Wirtschaft und betont darin deren besondere Verantwortung für das Gemeinwohl.

Frankfurt (csr-news) > „Der Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft ist uns ein großes Anliegen“, sagte Kardinal Peter K.A. Turkson bei der Vorstellung der jüngsten Publikation des „Päpstlichen Rates“. Mit der Schrift  „Zum Unternehmer berufen!“ wendet sich die katholische Kirche erstmal explizit an Unternehmer und Führungskräfte der Wirtschaft und betont darin deren besondere Verantwortung für das Gemeinwohl.

Turkson betonte, dass die Kirche die Funktion des Unternehmers grundsätzlich positiv sieht. „Marktwirtschaft und Unternehmen tragen erheblich zum materiellen und geistigen Wohlergehen der Gesellschaft bei, wenn sie ordnungsgemäß arbeiten und auf den Dienst am Gemeinwohl hin orientiert sind.“ So sei es das Ziel der Publikation, aus der katholischen Soziallehre praktische ethische Orientierung abzuleiten. Turkson, der in seiner Funktion als Präsident des „Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden“ die deutsche Ausführung in Frankfurt vorstellte, wollte mit seinem Kommen das wachsende Interesse der katholischen Kirche an der Wirtschaft unterstreichen. Freilich nicht, ohne auch Kritik zu üben, etwa an der Dominanz der Finanzmärkte, „die ganze Unternehmen und ihre Mitarbeiter zur Handelsware gemacht hätten“. Gute unternehmerische Entscheidungen basieren auf grundlegenden Prinzipien wie etwa dem Respekt vor der Menschenwürde, dem Dienst am Gemeinwohl sowie dem Verständnis des Unternehmens als einer Gemeinschaft von Personen, heißt es dazu in der Schrift. Aber es kann auch Hindernisse geben, die Unternehmer daran hindern ihr Handeln am Gemeinwohl zu orientieren, wie etwa ein defizitärer Rechtsstaat, ein mangelnder Ordnungsrahmen, Korruption oder eine Kultur des Geizes. So werden dem interessierten Leser praktische Vorschläge des Sehens, Urteilens und Handelns gemacht, um im unternehmerischen Alltag nach sozialethischen Prinzipien zu handeln.

Michael Bommers, Vorstand der La Mer Cosmetics AG und Leiter des BKU-Arbeitskreises „Christliche Spiritualität“, begrüßte die Handreichung: Er betonte die Bereitschaft der Unternehmer, Verantwortung zu übernehmen und sagte, dass sich kein Entscheidungsträger hinter Verträgen, Gesetzen oder Verordnungen verstecken dürfe. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass ethisches Verhalten gute Rahmenbedingungen brauche. „Faire Wettbewerbsregeln, Rechtssicherheit und eine verlässliche Wirtschaftspolitik erleichtern es Unternehmern, unsere ethischen Ideale im Alltag zu leben“. Als gelungene Weiterentwicklung der katholischen Soziallehre bezeichnete der Sozialethiker Prof. Andre Habisch die Schrift. „Dieses Dokument rückt den Unternehmer als Akteur und das Unternehmen als Institution ins Blickfeld der katholischen Soziallehre, die die betriebliche Ebene bisher wenig beachtet hat“. Habisch plädierte für einen stärkeren Dialog der katholischen Soziallehre mit der Betriebswirtschaftslehre und die Einbeziehung anderer Disziplinen wie der Arbeitswissenschaften. Eine stärkere Berücksichtigung der Unternehmensethik in der Aus- und Fortbildung forderte auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Für in ist eine profunde wirtschaftsethische Ausbildung von immenser Bedeutung. Ackermann: „Kein Wirtschaftsstudent dürfe die Universität verlassen ohne sozialethisches Wissen und Kompetenz“. Dringenden Handlungsbedarf mahnte er an in Bezug auf wirtschaftsethische Lehrstühle in Deutschland und ethisch/moralische Inhalte in den Curricula wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge.

Hier gibt es die Schrift „Zum Unternehmer berufen! Eine Ermutigung für Führungskräfte in der Wirtschaft“ zum Download.