Nachrichten

NGOs fordern britische Ermittlungen zu Giftmüll in Elfenbeinküste

Abidjan (afp) – Sechs Jahre nach dem tödlichen Giftmüll-Transport in die Elfenbeinküste durch den Erdölkonzern Trafigura haben die Organisationen Amnesty International und Greenpeace ein Strafverfahren in Großbritannien gefordert. Der in Großbritannien ansässige Firmenzweig des multinationalen Unternehmens habe eine “Reihe von Entscheidungen getroffen, die zu dem Desaster geführt” hätten, begründeten die Organisationen ihre Forderung in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht mit dem Titel “Eine giftige Wahrheit”. Dem Bericht gehen dreijährige Untersuchungen voraus.

Trafigura hatte 2006 das Transportschiff “Probo Koala” für den Transport von 500 Tonnen Giftmüll gechartert. Das Schiff machte vor seiner Fahrt in die Elfenbeinküste in Amsterdam Halt; dort hätte der Giftmüll ursprünglich aufbereitet werden sollen. Der Müll wurde dann im August 2006 auf offenen Halden der Stadt Abidjan entsorgt und führte nach Angaben der ivorischen Justiz zu 17 Todesfällen und knapp 100.000 Vergiftungen. Amnesty und Greenpeace warfen auch den niederländischen Behörden schwere Rechtsverstöße vor, indem sie den Giftmüll aus dem Land transportieren ließen.

Trafigura weist eine Verbindung zwischen dem Abfall und den Todesfällen zurück. Ein niederländisches Gericht hatte den Erdölkonzern für schuldig befunden, den Müll illegal aus den Niederlanden ausgeführt zu haben, ließ aber die anschließenden Vorgänge in Abidjan außer Acht. Trafigura erzielte zudem mit der ivorischen Regierung eine Einigung, die es dem Unternehmen ermöglichte, ein Gerichtsverfahren zu vermeiden.

Die Menschen in Abidjan seien nicht nur von der eigenen Regierung “verraten” worden, sondern auch von den Regierungen in Europa, kritisierte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty. Greenpeace-Chef Kumi Naidoo forderte, Trafigura müsse “für seine Verbrechen bezahlen”. Der Konzern erklärte hingegen, der Bericht der beiden Organisationen weise “zahlreiche Ungenauigkeiten und Falschinformationen” auf. Komplexe juristische Fragen seien zudem “übermäßig vereinfacht” worden.