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EnBW mit neuem Chef auf dem Weg ins Grüne: Frank Mastiaux übernimmt am Montag Vorstandsvorsitz

Frank Mastiaux ist der Neue beim Energieversorger EnBW – und mit dem Attribut „neu“ kennt er sich aus: Für seinen bisherigen Arbeitgeber Eon baute der gebürtige Essener einst eine neue Unternehmenssparte auf, später suchte er für den Dax-Konzern in aller Welt nach neuen Investitionsmöglichkeiten. Am Montag übernimmt Mastiaux den Vorstandsvorsitz beim Energieversorger EnBW. Dieser versucht seit über einem Jahr, auf ganz neuen Pfaden Tritt zu fassen und alte Lasten abzuschütteln.

Von Caroline Biehl

Frankfurt/Main (afp) – Frank Mastiaux ist der Neue beim Energieversorger EnBW – und mit dem Attribut „neu“ kennt er sich aus: Für seinen bisherigen Arbeitgeber Eon baute der gebürtige Essener einst eine neue Unternehmenssparte auf, später suchte er für den Dax-Konzern in aller Welt nach neuen Investitionsmöglichkeiten. Am Montag übernimmt Mastiaux den Vorstandsvorsitz beim Energieversorger EnBW. Dieser versucht seit über einem Jahr, auf ganz neuen Pfaden Tritt zu fassen und alte Lasten abzuschütteln.

Er sei der richtige Mann zur richtigen Zeit für EnBW, so lässt sich das zusammenfassen, was EnBW-Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann die Öffentlichkeit über seinen neuen Vorstandsvorsitzenden bisher wissen ließ. Mastiaux sei eine „Führungspersönlichkeit“, ein „erfahrener Energiemanager“, ein Stratege und Erneuerer. „Insbesondere zeigte er, dass er Unternehmen erfolgreich am Markt ausrichten und als kundenorientierter Dienstleister positionieren kann“, schwärmt Hoffmann. Neupositionierung ist bei EnBW die Aufgabe der Stunde.

Über Jahre hatte der Versorger vor allem dank seiner Atomkraftwerke gutes Geld verdient. Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) war das Unternehmen so lieb und teuer, dass er es Ende 2010 zurück in deutsche Hände holte und dem französischen Staatskonzern EdF dessen 45-Prozent-Anteil abkaufte.

Von den einträglichen vier Atommeilern wurden im Zuge der Energiewende allerdings zwei abgeschaltet. Das sorgte 2011 für einen Verlust von 867 Millionen Euro bei dem 20.000 Mitarbeiter starken Konzern. Die neue grün-rote Landesregierung, dank CDU-Mann Mappus einflussreicher Mit-Eigentümer, dringt mit Nachdruck auf eine grünere Unternehmensstrategie. Allein damit hätten sie bei EnBW schon genug zu tun. Doch es gibt noch mehr Stolpersteine.

Mit Umständen und Drahtziehern des Aktien-Rückkaufs befassen sich in Stuttgart Staatsanwälte und ein Untersuchungsausschuss im Landtag. Dubiose Geschäfte mit einem russischen Lobbyisten sorgen für Schlagzeilen. Seit Juni ermittelt in dem Zusammenhang die Mannheimer Staatsanwaltschaft gegen sieben einstige oder aktuelle EnBW-Manager wegen Steuerhinterziehung und Untreue. Ferner laufen Ermittlungen gegen drei Beschäftigte einer EnBW-Tochter wegen Steuerhinterziehung beim Handel mit Emissionszertifikaten. Kurz: Es könnten ruhigere Zeiten sein, um die Konzernspitze zu übernehmen.

Es könnte aber auch genau die richtige Zeit sein, um für frischen Wind bei den Karlsruhern zu sorgen – und in Sachen Wind weiß Mastiaux bestens Bescheid: Im Jahr 2007 baute der promovierte Chemiker bei Eon die neue Sparte für erneuerbare Energien auf. Drei Milliarden Euro gab ihm die Konzernführung in die Hand, um Eon zu einem der heute führenden Betreiber von Windparks, Solaranlagen und Biomassekraftwerken zu machen.

Ab November 2010 kümmerten sich andere um Windräder und Sonnenkollektoren. Mastiaux jettete fortan für Eon um die Welt und suchte neue Investitionsmöglichkeiten. Schon viel war der 48-Jährige im Laufe seiner Karriere unterwegs gewesen: Er hat laut Eon Management-Erfahrung in Asien, Südamerika und im mittleren Osten vorzuweisen. Privat zog er sich bisher ins heimische Düsseldorf zurück.

Seit zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Mastiaux mit dem Energiesektor, doch mitnichten von Anfang an mit den Erneuerbaren: Sein Weg führte über ein Engagement beim Mineralölkonzern Aral und dessen Mutterkonzern BP. Dort war er von London aus für das Flüssiggasgeschäft zuständig. Erst bei Eon begann der Ruhrgebietler verstärkt auf die grünen Energien zu setzen.

Dies machte ihn so attraktiv für EnBW: Was Atomstrom-Anhänger Hans-Peter Villis zuletzt nicht mehr zu Ende bringen durfte, liegt fortan in Mastiaux‘ Händen: Er soll EnBW zum grünen der großen Energieversorger machen.

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