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Zehntausende Landlose beginnen „Marsch der Gerechtigkeit“ in Indien

Neu Delhi (afp) – Zehntausende landlose Bauern, Stammesangehörige und Kastenlose sind am Mittwoch vom Zentrum Indiens zu einem Protestmarsch in die Hauptstadt Neu Delhi aufgebrochen. Ein Sprecher der Landlosen-Bewegung Ekta Parishad, die den „Marsch für Gerechtigkeit“ organisiert, gab die Zahl der Teilnehmer in Gwalior im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh mit 35.000 an. Am Ende des 350 Kilometer langen Fußmarschs sollen demnach 100.000 Teilnehmer in Neu Delhi einziehen.

Mit dem Marsch wollten sie für „Würde, Sicherheit und Identität“ kämpfen, sagte der Organisator P.V. Rajagopal. Der Ekta-Parishad-Sprecher Aneesh Thillenkery sagte, sie wollten sich mit der Aktion dafür einsetzen, dass landwirtschaftliche Flächen allein für die Landwirtschaft eingesetzt würden. Zudem müsse endlich eine Landreform umgesetzt werden. Anstatt Bauern Land zu geben, erwerbe die Zentralregierung Land für Industrieprojekte oder die Schaffung von Sonderwirtschaftszonen, kritisierte Thillenkery.

Landlose Bauern, Stammesangehörige (Adivasis) und Kastenlose (Dalits) gehören zu den ärmsten Gruppen in Indien und klagen seit langem über Ausbeutung. Angesichts von Protesten wurden in den vergangenen Jahren mehrere Industrieprojekte auf Eis gelegt. Von den 1,2 Milliarden Indern leben noch immer 73 Prozent von der Landwirtschaft. Bereits vor fünf Jahren hatte ein ähnlicher „Marsch für Gerechtigkeit“, an dem sich 25.000 Menschen beteiligten, die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der Landlosen gezogen.

Die Europaabgeordnete Karima Delli der französischen Grünen, die sich in Gwalior für drei Tage dem Marsch anschloss, forderte mehr Aufmerksamkeit für das „Grundrecht auf Zugang zu den natürlichen Ressourcen“. Es bedürfe eines Entwicklungsmodells, das den Bauern erlaubt, von ihrer Arbeit zu leben. „Das neoliberale Modell der Entwicklung schafft ökologische Ungerechtigkeit“, sagte Delli. In Deutschland, Frankreich, Belgien, der Schweiz und anderen europäischen Ländern sind Solidaritätsaktionen geplant.

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