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Platinproduzent entlässt 12.000 Minenarbeiter in Südafrika

Rustenburg (afp) – Nach wochenlangen Streiks an einer Mine in Südafrika schlägt der weltgrößte Platinproduzent zurück. Der Anglo-American-Konzern entließ 12.000 Arbeiter, weil sie sich an wilden Streiks beteiligten, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen vor einem Bergwerk in Südafrika wurde erneut ein Mensch getötet.

Anglo American gab an, zuletzt sei nur ein Fünftel der Arbeiter zum Dienst erschienen. Dadurch sei dem Unternehmen ein Schaden von 700 Millionen Rand (60 Millionen Euro) entstanden. In Rustenburg steht die komplette Produktion seit Mitte September still. Anglo American hatte den Beschäftigten seitdem mehrere Ultimaten gestellt und sie aufgefordert, weiterzuarbeiten. Die letzte Drohung machte der Konzern wahr. Die Arbeiter hätten gegen das Arbeitsrecht verstoßen und seien nicht zu den angesetzten Disziplinarverfahren erschienen. Nun hätten sie drei Tage Zeit, Widerspruch gegen die Kündigungen einzulegen.

Der Streik wird von Gewaltausbrüchen begleitet: In dieser Woche starben bereits sechs Menschen während der Proteste. Am Donnerstagabend kam ein Arbeiter bei einem gewaltsamen Zusammentreffen mit der Polizei ums Leben. Nach Angaben der Ordnungskräfte hatten die Streikenden zuvor Steine auf die Beamten geworfen. Daraufhin hätten sie mit Gummigeschossen und Tränengas gefeuert. Arbeiter gaben hingegen an, die Polizei habe ohne Anlass geschossen. Auch seien keine Steine geworfen worden.

Die Arbeiter fordern eine deutliche Lohnerhöhung auf umgerechnet 1450 Euro pro Monat. „Wir werden nicht nachgeben, egal was sie sagen oder tun. Wir werden kämpfen bis zum letzten Blutstropfen“, sagte Mametlwe Sebei, einer der führenden Köpfe der Protestierenden. „Wir warten nur auf das Geld“, sagte der 54-jährige Mikael Rafuza, der seit mehr als zehn Jahren in der Mine arbeitet. Er wolle mehr Geld, „vorher gehe ich nicht mehr zur Arbeit.“

In den südafrikanischen Minen gibt es seit Wochen Streikbewegungen, an denen sich schätzungsweise 100.000 Beschäftigte beteiligen. Von den Streiks betroffen sind neben Platin- auch Gold- und andere Minen. Die Arbeitskämpfe weiteten sich aus, nachdem die Arbeiter des Bergwerks Marikana eine Lohnerhöhung von mehr als 20 Prozent zugestanden bekommen hatten. Massenentlassungen nach Lohnforderungen hatte es in Südafrika schon in der Vergangenheit gegeben: Im Februar hatte der Hersteller Impala Platinum 17.000 Arbeiter entlassen, sie allerdings einige Wochen später wieder eingestellt.

Am Donnerstag hatte der südafrikanische Präsident Jacob Zuma zum Ende jeglicher Gewalt aufgerufen. „Wir sollten nicht den Eindruck erwecken, eine Nation zu sein, in der ständig gekämpft wird“, sagte er.

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