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Jugend und Nachhaltigkeit: Vom Revoluzzerthema zum Mainstream

68 Prozent der Jugendlichen haben ein starkes Bewusstsein für Umweltprobleme und Nachhaltigkeitsfragen. Sie wissen, dass nur so viele Ressourcen verbraucht werden sollten wie nachwachsen können. Ergebnisse einer heute von Greenpeace vorgelegten Studie zum Nachhaltigkeitsverständnis der jungen Generation. Aus dem einstigen Revoluzzerthema ist längst Mainstream geworden.

Hamburg (csr-news) > 68 Prozent der Jugendlichen haben ein starkes Bewusstsein für Umweltprobleme und Nachhaltigkeitsfragen. Sie wissen, dass nur so viele Ressourcen verbraucht werden sollten wie nachwachsen können. Ergebnisse einer heute von Greenpeace vorgelegten Studie zum Nachhaltigkeitsverständnis der jungen Generation. Aus dem einstigen Revoluzzerthema ist längst Mainstream geworden.

Zusammen mit dem Institut für Umweltkommunikation der Leuphana Universität Lüneburg hat Greenpeace insgesamt 1070 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren in direkten Gesprächen interviewt. Herausgekommen ist die repräsentative Studie „Nachhaltigkeitsbarometer – was bewegt die Jugend?“ Die Jugendlichen sind der Ansicht, dass eine intakte Umwelt die Grundlage für alle ökonomischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der Gesellschaft bildet. Über 70 Prozent der Befragten betreiben praktischen Umweltschutz, indem sie beispielsweise Energie einsparen und Müll trennen. An politischen Demonstrationen oder Produktboykotten hat bereits jeder vierte Jugendliche teilgenommen. In diesen Bereichen möchten sich zukünftig sogar doppelt so viele Heranwachsende engagieren, um sich für einen Wandel der Gesellschaft einzusetzen. „Für die Jugend ist es selbstverständlich, dass sich unsere Gesellschaft ändern muss, damit unser Planet lebenswert bleibt“, sagt Kerstin Küster, Bildungsexpertin bei Greenpeace. „Sie wünschen sich von Politik und Wirtschaft mehr Einsatz, um sich nachhaltig verhalten zu können“. Vielen Befragten fällt es allerdings schwer, die komplexen Ursachen aktueller Probleme einzuschätzen und daraus Konsequenzen für das eigene Handeln abzuleiten. Deswegen fordern sie den Staat auf, Handlungsrichtlinien für eine nachhaltige Entwicklung zu erstellen. Ansatzpunkte wären die Umweltbelastung bei der Kleidungsproduktion einzustellen, die Recyclingfähigkeit von Produkten zu erhöhen oder den Energieverbrauch in der Produktion zu senken. „Von Desinteresse, Egoismus oder gar Unwissen findet sich bei der Jugend keine Spur. Mangelndes Engagement liegt nicht an der Einstellung der Jugendlichen, sondern an den fehlenden Möglichkeiten, ihre Zukunft mitzugestalten“, so Küster.

Umweltbewusstsein ist heute in der Mitte der Gesellschaft platziert. Nur rund 20 Prozent der Jugendlichen lehnen Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung ausdrücklich ab, während die überwiegende Mehrheit dem positiv gegenübersteht. Ganz im Gegensatz zu den 1980er und 1990er Jahren. Damals wurde mit einem Umweltbewusstsein auch ein Lebensmodell entworfen, welches den traditionellen bürgerlichen Werten und dem Mainstream eher entgegenstand. Heute ist aus dem einstigen Revoluzzerthema ein Reformthema geworden, heißt es in der Studie. Nicht gegen die Gesellschaft lautet der Tenor, sondern aktiv mitgestalten. Ganz besonders gilt dies für leistungsstärkere und bildungsmotiviertere Schüler. Entsprechend wurde in der Studie in besonderem Maße der Bereich Bildung behandelt. Wie wird nachhaltige Entwicklung in der Schule thematisiert? Knapp die Hälfte der Befragten hat in der Schule Unterricht zu nachhaltiger Entwicklung erhalten. Auffällig ist, dass diese Jugendlichen vergleichsweise politisch engagierter sind als ihre Altersgenossen. Dies betrifft vor allem Gymnasiasten. Haupt- und Realschüler wurden dagegen wenig unterrichtet. So scheint es eine Zweiklassengesellschaft zu geben, in der der Zugang zum Thema Nachhaltigkeit vom gesellschaftlichen und sozialen Status bestimmt wird. Als Bildungsungerechtigkeit wird dies von den Autoren der Studie interpretiert. Sie fordern das Thema Nachhaltigkeit stärker im schulischen Unterricht zu integrieren, denn die Studie zeigt auch, einschlägiger Unterricht führt zu größerer Handlungsbereitschaft und Interesse am Thema.

Die Frage nach den Verantwortlichkeiten wird von den Jugendlichen fast übereinstimmend beantwortet. In erster Linie erwarten sie von Staat und Wirtschaft entsprechende Lösungen, an dritter Stelle folgen Sozial- und Umweltverbände und erst an letzter Stelle stehen die Menschen selber in der Verantwortung. Dabei halten es immerhin 60 Prozent für lohnenswert, sich für Gerechtigkeit, Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen einzusetzen. Nachhaltigkeit wird jedoch primär über den Umweltaspekt wahrgenommen. Den Einsatz dafür und für einen schonenden Umgang mit den Ressourcen halten immer noch 54 Prozent für lohnend.

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