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Nigerianische Bauern werfen Shell Verschmutzung des Niger-Deltas vor

Den Haag (afp) – Nigerianische Bauern haben dem Öl-Konzern Shell während eines Gerichtsverfahrens in den Niederlanden die Verschmutzung des Niger-Deltas vorgeworfen. Der britisch-niederländische Konzern habe lange von beschädigten Ölleitungen gewusst, aber nichts gegen die Lecks unternommen, sagte die Anwältin der vier Kläger, Channa Samkalden, am Donnerstag in Den Haag. Der Konzern sei damit seinen gesetzlichen Pflichten nicht nachgekommen. Ein Urteil in dem Prozess wird frühestens in sechs Wochen erwartet.

Die Kläger verlangen von Shell, entstandene Umweltschäden zu beseitigen, die Pipelines zu reparieren und künftig besser instandzuhalten. Außerdem fordern sie Entschädigungszahlungen. Einer der Kläger, Friday Alfred Akpan aus dem Dorf Ikot Ada Udo, sagte, er sei in Den Haag, weil das Öl-Leck seine Fischteiche verseucht habe. Diese seien seine Lebensgrundlage gewesen.

Drei Jahre nach den Vorkommnissen im Jahr 2005 reichten die Bauern eine Zivilklage in Den Haag ein, wo Shell seinen Firmensitz hat. Unterstützung erhielten die Farmer von der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth. Im Jahr 2009 erklärte sich das Gericht schließlich zuständig für den Fall, obwohl Shell argumentiert hatte, dass das in Nigeria operierende Subunternehmen für den Vorfall allein verantwortlich sei.

Shell hält die Klagen für unbegründet. Die Lecks in den Jahren 2004 bis 2007 seien durch Sabotage-Akte und Diebstahl entstanden, sagte Shells Vize-Präsident für Umweltfragen, Allard Castelein. Dennoch habe Shell die Schäden beseitigt. Umweltschützer werfen Shell vor, der Konzern nehme den Umweltschutz in Nigeria weniger ernst als etwa in Europa oder in den USA.

Nach Angaben der Organisation Friends of the Earth ist die Öl-Verschmutzung in Nigeria doppelt schlimm wie im Golf von Mexiko, wo bei der Havarie der BP-Plattform Deepwater Horizon im Jahr 2010 rund fünf Millionen Barrel Öl ins Meer flossen. Nigeria ist mit zwei Millionen Barrel pro Tag der achtgrößte Öl-Exporteur der Welt. Shell ist in dem westafrikanischen Land seit mehr als 50 Jahren aktiv.

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