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Friedenspreisträger Liao kritisiert China und den Westen

Frankfurt/Main (afp) – Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu hat anlässlich der Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am Sonntag in Frankfurt die Regierenden in Peking scharf kritisiert. China sei ein „menschenverachtendes Imperium mit blutigen Händen“, das nur noch vom Profitdenken zusammengehalten werde, sagte der 53-Jährige, der in seiner früheren Heimat vier Jahre im Gefängnis saß und gefoltert wurde.

Liao zeichnete in seiner auf Chinesisch gehaltenen Rede ein düsteres Bild Chinas als Staat, der seine Bürger brutal unterdrücke. „Dieses Imperium muss auseinanderbrechen“, wiederholte der Schriftsteller während seiner Rede mehrfach auch auf Deutsch. „Dieses menschenverachtende Imperium mit den blutigen Händen, die Ursache für so viel Leid in der Welt, dieser unendlich große Müllhaufen muss auseinanderbrechen.“

Schwere Vorwürfe erhob der Autor auch gegen den Westen. Viele seien heute der Ansicht, der wirtschaftliche Aufschwung Chinas werde zwangsläufig politische Reformen nach sich ziehen „und aus einer Diktatur eine Demokratie machen“. Deshalb wollten jetzt die Staaten, die einst wegen des Tiananmen-Massakers Sanktionen verhängten, „die ersten sein, die den Henkern die Hand schütteln und mit ihnen Geschäfte machen“. Sie würden dies tun, „obwohl dieselben Henker noch immer Menschen inhaftieren und umbringen“.

Liao, dessen Werke und selbst die Nennung seines Namens in China untersagt sind, erhielt den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis in der Frankfurter Paulskirche. Anwesend waren auch Bundespräsident Joachim Gauck, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und weitere Würdenträger aus Politik und Gesellschaft.

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