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Banken: Umwelt- und Sozialstandards immer öfter Bestandteil von Kreditprüfungen

Gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit finden Eingang ins Kerngeschäft der Banken. Im aktuellen „Managementkompass Nachhaltige Wertschöpfung“ von Steria Mummert Consulting zeigt sich, dass bei sechs von zehn Banken Umwelt- und Sozialstandards bei Projektfinanzierungen berücksichtigt werden. Defizite bestehen allerdings im Management nachhaltiger Finanzprodukte.

Hamburg (csr-news) > Gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit finden Eingang ins Kerngeschäft der Banken. Im aktuellen „Managementkompass Nachhaltige Wertschöpfung“ von Steria Mummert Consulting zeigt sich, dass bei sechs von zehn Banken Umwelt- und Sozialstandards bei Projektfinanzierungen berücksichtigt werden. Defizite bestehen allerdings im Management nachhaltiger Finanzprodukte.

Immer öfter werden Kredite anhand von Nachhaltigkeitskriterien beurteilt, zumindest wenn sie eine Größenordnung von mehr als zehn Millionen US-Dollar haben. Hintergrund ist ein Bekenntnis zu den sogenannten Äquatorprinzipien. In diesem freiwilligen Regelwerk der Banken verpflichten sich diese zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards in der Projektfinanzierung. Etwa 77 Banken weltweit fühlen sich daran gebunden. Defizite bestehen allerdings im Management nachhaltiger Finanzprodukte. „Den Banken fehlt beispielsweise noch die klare strategische Ausrichtung, um unter Nachhaltigkeitsaspekten Kredite abzulehnen oder ökologisch wertvollen Projekten bessere Konditionen zu bieten. Sie bleiben damit hinter ihren Möglichkeiten zurück“, sagt Stefan Lamprecht, Bankenexperte von Steria Mummert Consulting. Als Schwachstelle haben die Analysten das Fehlen aussagekräftiger Kennzahlen ausgemacht, übliche Verfahren und Scoring-Modelle greifen bei nachhaltigen Finanzierungen nicht. „Eine Beurteilung nach ökologischen und sozialen Maßstäben ist nicht trivial. Die Banken brauchen nachvollziehbare Standards, um festzulegen, ob und wann beispielsweise ein nachhaltiger Anbau von Bio-Palmöl wichtiger ist als der Aspekt, dass die Plantage auf dem Platz steht, den der Regenwald benötigt, so Stefan Lamprecht.

Für die Kontrolle, dass Institute das Geld ihrer Kunden nur in gesellschaftlich „unbedenkliche“ Projekte investieren, braucht es zudem Qualitätssicherungssysteme. Das Controlling beginnt bei der Produktentwicklung und der Auswahl der Partner bis zum Ende des Investitionszyklus. „Bei Aufforstungs-Projekten besteht beispielsweise das Risiko der Förderung von Monokulturen sowie Konflikten mit Nahrungsanbauflächen. Hier sind die Banken gefordert, mögliche Reputationsrisiken durch konsequente Betreuung des Investments zu minimieren“, sagt Stefan Lamprecht. Besonders an der konsequenten Messung und Dokumentation der Investments fehlt es den Banken oft. Obwohl 61 Prozent der befragten Institute die Gewährleistung von Umwelt- und Sozialstandards als wichtig für Investoren und Analysten erachten, werden diese genauso wie die Öffentlichkeit noch wenig über den Erfolg der nachhaltigen Projekte informiert. Nur 39 Prozent der Institute messen und steuern ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsaktivitäten anhand spezifischer Kennzahlen. Damit verschenken viele Banken Potenzial, das Thema Nachhaltigkeit stärker für sich zu nutzen und liegen in diesem Punkt auch deutlich hinter anderen Branchen wie Energieversorger und Handel zurück. Zudem fordern unabhängige Organisationen schon seit Längerem die überprüfbare Veröffentlichung aller eingegangenen Äquatorinvestments.

Die Erkenntnisse entstammen dem „Managementkompass Nachhaltige Wertschöpfung“ der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting. Mittels einer Online-Befragung vom 20. bis zum 26. Juni 2012 wurden 244 Fach- und Führungskräfte aus allen Branchen der deutschen Wirtschaft befragt.