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UN-Staaten beraten über Senkung von Nahrungspreisen

Rom (afp) – Anlässlich des Welternährungstags haben am Dienstag Mitglieder der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom über Maßnahmen zur Senkung der Nahrungsmittelpreise beraten. FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva schlug die Schaffung von strategischen Notreserven zur Bekämpfung von Preisschwankungen und Preissteigerungen vor. Bei den Teilnehmern stieß dieser Vorschlag auf gemischte Reaktionen.

„Wir haben in der Vergangenheit zwiespältige Erfahrungen gemacht, aus denen Lehren zu ziehen sind, doch wir brauchen Instrumente, um zu verhindern, dass arme Länder die Rechnung für Preissteigerungen zahlen“, sagte Graziano da Silva mit Blick auf die Schaffung von Notreserven. Vergangene Fehler sollten vermieden werden, doch seien viele Länder beunruhigt, dass es bisher nur private Notlager gebe, sagte der FAO-Chef.

Auch Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll verteidigte die Idee von Lebensmittel-Notlagern. Er habe nur bedingt Vertrauen in die Selbstregulierungsfähigkeit der Märkte. „Im Fall großer Probleme auf den Märkten, wenn man keine Reserven zum Ausgleich von Versorgungsengpässen hat, gibt es einen starken Anstieg der Preise“, sagte Le Foll. Desto eher Engpässe ausgeglichen werden könnten, umso eher könne Preisschwankungen begegnet werden.

Der stellvertretende FAO-Direktor David Hallam warnte jedoch, mit steigender Größe der Reserven stiegen auch „die Probleme, die Kosten für Verwaltung und Management“. Der US-Vertreter bei der FAO, David Lane, sagte, große Lager förderten „die Korruption des Systems“. Er warnte vor der Gefahr, dass sie „unter nicht transparenten und nicht vorhersehbaren Bedingungen“ geöffnet würden, ohne dass dadurch der Hunger reduziert werde.

Die FAO rief am Dienstag zur Stärkung der Kleinbauern auf. Millionen von Kleinbauern müssten kämpfen, um sich den Veränderungen von Klima, Märkten und Preisen anzupassen, während die Hilfen für die Landwirtschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten immer weiter reduziert worden seien, erklärte Graziano da Silva. Die Hoffnung, dass ihnen der Anstieg der Preise während der Nahrungsmittelkrise 2007/2008 zugute komme, habe sich nicht erfüllt.

Nach der Krise hätten viele Länder versprochen, ihre Hilfen wieder aufzustocken, doch seien viele dieser Versprechen unerfüllt geblieben, kritisierte Graziano da Silva. Nach Angaben der FAO liegt die Zahl der Hungernden in der Welt bei 870 Millionen. Die Hilfsorganisation Action contre la Faim erklärte, ihre Zahl sei infolge der Krise erstmals seit Jahren nicht weiter zurückgegangen.

Graziano da Silva lobte die Rolle von Kooperativen in den Entwicklungsländern. Unterstützung bekam er dabei von Papst Benedikt XVI., der in einer Botschaft an die FAO Kooperativen als „Ausdruck einer wahren Subsidiarität“ lobte.