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CSR-Preis der Bundesregierung: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Seit dem 8. Oktober läuft die Bewerbungsfrist für den von der Bundesregierung ausgelobten CSR-Preis. Damit soll herausragendes CSR-Engagement gewürdigt werden und zur Nachahmung motivieren. Dr. Christian Dietsche vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Dr. Anja Schwerk von der Humboldt-Universität zu Berlin sind für die Konzeption der Methodik und die Auswertung des CSR-Preises der Bundesregierung zuständig. Auf CSR-NEWS beantworten sie die wichtigsten Fragen.

Berlin (csr-news) > Seit dem 8. Oktober läuft die Bewerbungsfrist für den von der Bundesregierung ausgelobten CSR-Preis. Damit soll herausragendes CSR-Engagement gewürdigt werden und zur Nachahmung motivieren. Dr. Christian Dietsche vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Dr. Anja Schwerk von der Humboldt-Universität zu Berlin sind für die Konzeption der Methodik und die Auswertung des CSR-Preises der Bundesregierung zuständig. Auf CSR-NEWS beantworten sie die wichtigsten Fragen.

Mit dem Preis sollen Unternehmen gewürdigt werden, die in vorbildlicher Weise gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Was verstehen Sie unter herausragendem CSR-Engagement?

Dietsche: Wir berufen uns auf ein ganz klassisches CSR-Verständnis. Für uns bedeutet dies eine dauerhafte ökologische, ökonomische und sozial verträgliche Geschäftstätigkeit. Konkret orientieren wir uns am gemeinsamen CSR-Verständnis des nationalen CSR-Forums. Deren elf Themenfelder haben wir, um es übersichtlicher zu machen, in den fünf übergeordneten Aktionsfeldern Unternehmensführung, Markt, Arbeitsplatz, Umwelt und Gemeinwesen zusammengefasst.

Schwerk: Die Struktur unserer Fragebögen richtet sich auch genau nach diesen fünf Themenfeldern. Um es zu verdeutlichen: Wir fragen beispielsweise im Bereich Unternehmensführung nach der CSR-Strategie, nach den Zielen und Kennzahlen. Im Bereich Markt stehen die Produktverantwortung, das Lieferkettenmanagement und Verbraucherinteressen im Fokus. In der Summe betrachten wir, wie verantwortungsvoll ein Unternehmen in der gesamten Wertschöpfungskette handelt, also die Verantwortung in der Breite. Wir berücksichtigen aber auch innovative, herausragende Maßnahmen.

Die Teilnahme ist Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen möglich. Wie werden deren unterschiedliche Situationen und die verschiedenen Herausforderungen berücksichtigt?

Schwerk: Das war in der Tat nicht die einfachste Aufgabe, ich glaube, wir haben sie aber gut gelöst. Zunächst gibt es vier Größenklassen und in jeder dieser Kategorien wird ein Preis vergeben. Wir haben uns im Vorfeld aber auch mit verschiedenen Interessensgruppen unterhalten, beispielsweise dem Zentralverband des deutschen Handwerks, um auch die Situation kleinerer Unternehmen richtig  einschätzen zu können. Deshalb ist der Fragebogen für kleine Unternehmen auch vollkommen anders als der für Großunternehmen. Zudem sind die Fragebögen so konzipiert, dass sie von Unternehmen unterschiedlicher Branchen beantwortet werden können. Beispielsweise können Unternehmen die für sie relevantesten Themenfelder benennen. So lassen sich unterschiedliche Herausforderungen berücksichtigen und wir können sehen, ob ein Unternehmen die wesentlichen Herausforderungen auch adressiert hat. Außerdem hat jedes Unternehmen die Möglichkeit eine besondere Maßnahme seines CSR-Engagements gesondert herauszustellen.

Nach welchen Kriterien werden die Stakeholder ausgewählt, die vom Unternehmen nicht selbst benannt werden können?

Dietsche: Zunächst werden ja, je nach Größenklasse des Unternehmens, unterschiedlich viele Stakeholder befragt. Diese werden zum einen von den Unternehmen selbst benannt, zum anderen wählen wir bis zu zwei Stakeholder je Unternehmen aus. Diese müssen natürlich eine gewisse Branchennähe haben, also die Branche und deren wichtigste Themen kennen. Sie sollten das Unternehmen kennen und die notwendige Expertise besitzen, die relevanten Nachhaltigkeitsthemen auch beurteilen zu können. In der Summe wollen wir ein möglichst breites Spektrum abdecken und so sicherstellen, dass die wesentlichen Anspruchsgruppen berücksichtigt werden. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wenn ein Unternehmen nur Kunden oder Zulieferer als Stakeholder benennt, würden wir für den Ausgleich sorgen und zusätzlich beispielsweise Stakeholder aus dem Umweltbereich berücksichtigen.

Worin unterscheiden sich Management- und Stakeholderbefragung? Wie werden die Ergebnisse gewichtet?

Dietsche: Die Befragung des Managements ist wesentlich breiter angelegt, dort wird die ganze CSR-Basis abgefragt und einzelne Maßnahmen werden vertieft. Bei den Stakeholdern fokussieren wir uns auf deren Schwerpunkt: Bei einem Umweltverband konzentrieren wir uns also eher auf ökologische Themen, bei einem Kunden eher auf das Aktionsfeld Markt.

Schwerk: Außerdem fließen die Ergebnisse der Stakeholderbefragung nicht in den eigentlichen Punktwert ein. Wir werten diese qualitativ aus, d. h., wir als Methodikteam erarbeiten auf Grundlage der Stakeholderbefragungen ein Dossier und legen dies der Jury als Entscheidungsgrundlage vor. Der Punktwert wird also ausschließlich auf Basis der Managementbefragung ermittelt, die Antworten der Stakeholder haben auf diesen Wert keinen Einfluss.

Dietsche: Der Punktwert aus der Managementbefragung entscheidet im ersten Schritt über die Auswahl der fünf besten Unternehmen je Größenklasse. Nur für diese nominierten Unternehmen wird dann die Stakeholderbefragung durchgeführt und ein Dossier erarbeitet. Neben Aussagen und Bewertungen der Stakeholder wird darin auch verdeutlicht, wo sich die Einschätzungen der Stakeholder von der Selbsteinschätzung der Unternehmen unterscheiden.

Schwerk: Durch diese Berücksichtigung verschiedener Perspektiven wollen wir eine umfassende Sicht auf die Unternehmen erhalten, auch um möglichen Vorwürfen der Subjektivität entgegenzuwirken. Das setzt sich dann auch in der Zusammensetzung der Jury fort, in der unterschiedliche Stakeholdergruppen vertreten sind, die alle Mitglieder im Lenkungskreis des nationalen CSR-Forums sind.

Wie werden die Ergebnisse auf Plausibilität überprüft? Lassen sich auffallend kritische oder wohlwollende Antworten aus der Stakeholderbefragung filtern?

Schwerk: Zunächst versuchen wir dies durch die Auswahl der Stakeholder zu umgehen. Am Ende wird dies aber auch Aufgabe der Jury sein, in der Diskussion extreme Positionen zu relativieren. Gleiches gilt für die Plausibilität der Antworten. Natürlich kann es in den Befragungen zu Ungereimtheiten kommen. Dann versuchen wir diese durch zusätzliche Recherchen aufzuklären und teilen die Ergebnisse der Jury mit.

Sind gute Mitarbeiterführung, eine saubere Lieferkette oder eine CO2-arme Produktion gleichwertig oder führt dies zu unterschiedlichen Ergebnissen?

Dietsche: Wir haben uns dafür entschieden, alle fünf Aktionsfelder gleich zu gewichten. Im Einzelfall können die Prioritäten in den Unternehmen natürlich anders sein. Um dies auszugleichen, bieten wir den Unternehmen die Möglichkeit innerhalb der einzelnen Aktionsfelder Schwerpunkte zu benennen und im Detail auszuführen.

Anders gefragt, schneidet ein Unternehmen besser ab, wenn es in allen Aktionsfeldern ein bisschen macht, oder wird die Konzentration auf einige Felder höher bewertet?

Schwerk: Grundsätzlich schneidet ein Unternehmen gut ab, wenn es in allen Bereichen ein überzeugendes CSR-Engagement vorzuweisen hat und zusätzlich noch in einzelnen Themenfeldern innovative Lösungen oder Maßnahmen implementiert hat. Wir sind der Meinung, dass negative Auswirkungen des unternehmerischen Handelns auf die Gesellschaft nicht mit einzelnen Aktionen kompensiert werden können.

Es werden auch sogenannte Querschnittskriterien erfasst. Was ist darunter zu verstehen und wie fließen sie in die Gesamtbeurteilung ein?

Schwerk: Damit sind die vier Bereiche Weiterentwicklung und Vernetzung, Innovativität, gesellschaftliche Relevanz und Kontinuität gemeint. Der Gedanke dahinter ist, dass einige Punkte in der Befragung für einen oder mehrere dieser Bereiche besondere Relevanz besitzen. Beispielsweise zahlt ein regelmäßiger und nachweisbarer Dialog mit den wichtigsten Stakeholdern auf die Kontinuität ein. Die Ergebnisse fließen nicht in den Punktwert ein, sondern dienen der Jury als zusätzliches Bewertungskriterium um die CSR-Leistung eines Unternehmens zu beurteilen.

Letztlich wird das gesamte CSR-Engagement eines Unternehmens auf einen Punktwert verdichtet. Wie wird dieser ermittelt?

Dietsche: Der Punktwert, in dem nur die Ergebnisse der Managementbefragung berücksichtigt werden, ist zunächst einmal wichtig für die Nominierung. Danach entscheidet sich, welche Unternehmen in die zweite Phase aufgenommen werden. Für die, je Größenklasse fünf, nominierten Unternehmen ist er dann nur noch ein Kriterium unter mehreren. Für den Punktwert an sich werden für jedes Aktionsfeld sechzig Punkte vergeben. Für jedes Aktionsfeld werden sowohl das CSR-Engagement in der Breite, also Strategien, Ziele usw. als auch konkrete Maßnahmen und deren Wirkung bewertet. Dabei haben wir in den einzelnen Feldern einen leichten Spielraum zur Gewichtung. Im Aktionsfeld Unternehmensführung legen wir beispielsweise sehr viel Wert auf die Basis, im Aktionsfeld Gemeinwesen dagegen liegt der Schwerpunkt eher auf der Wirksamkeit konkreter Maßnahmen.

Alle Teilnehmer erhalten eine individuelle Auswertung zum Wettbewerb. Wie sieht die genau aus und welchen Nutzen bietet sie den teilnehmenden Unternehmen?

Dietsche: Zunächst erhalten die Unternehmen eine Zusammenfassung der Gesamtergebnisse, eine Einordnung ihrer Resultate im Vergleich zum Durchschnitt sowie als Benchmark den besten erzielten Wert. Darüber hinaus wird die Auswertung im Detail für die einzelnen Aktionsfelder angefertigt. Für die Unternehmen wird so deutlich, wo sie schon sehr gute Leistungen erzielen und wo noch Verbesserungsbedarf ist. Diese Ergebnisse werden den Unternehmen zur Verfügung gestellt, aber nicht veröffentlicht. Nur die Begründungen für die Auszeichnung der vier Gewinner werden bekannt gegeben.